Gesegnet ist das tägliche Brot

13. Dezember 2009, 18:13
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Rapid überwintert mit zwei Punkten Vorsprung auf Salzburg. Peter Pacult lobt ausdrücklich jene, die nicht der Stammelf angehören. "Denn sie bleiben ruhig." Ob Steffen Hofmann bleibt, weiß nur das Christkind

Wien - "Frohe Weihnachten" , wünschte Peter Pacult, worauf sein Trainerkollege aus Ried, Paul Gludovatz, stutzte: "Schaust du dir nicht mehr Rapid gegen Celtic Glasgow an?" Zur Beruhigung: Natürlich schaut Pacult am Donnerstag im Happel-Stadion zu, obwohl die Sinnhaftigkeit dieser Europa-League-Partie begrenzt ist. Aber er sagt: "Wir müssen noch einmal die letzten Kräfte mobilisieren, den Fans etwas bieten, es geht um den dritten Gruppenplatz."

Daheim in Österreich ist Rapid fertig, nach dem mühsamen, aber doch ungefährdeten 2:1 gegen Ried wurde aus dem Herbstmeister ein Winterkönig. Gludovatz: "Im Hanappi gewinnen nicht viele und wir schon gar nicht." Rapids Vorsprung auf Titelverteidiger Red Bull Salzburg beträgt zumindest bis zum 13. Februar 2010 zwei Punkte, das ist psychologisch betrachtet kein Beinbruch. Verteidiger Markus Katzer spricht von "einer guten Ausgangsposition. Außerdem kann man den Urlaub jetzt richtig genießen. Wir waren sehr konstant, haben uns keine Blößen gegeben, die knappen Spiele gewonnen."

Sportdirektor Alfred Hörtnagl bilanzierte weihnachtlich besinnlich, er schenkte Lob, das freut und kostet nichts. "Mit bescheidenen Mitteln stehen wir ganz oben." Das Wort "bescheiden" im Zusammenhang mit Rapid lähmt, Hörtnagl relativierte: "Relativ bescheiden im Vergleich zu Salzburg." Beeindruckend sei, "wie gut man mit dem täglichen Brot umgeht. Die Mannschaft fällt in kein Loch, verarbeitet Erfolge und Misserfolge rasch. Sie spielt zudem attraktiv."

Auch international habe man aufgezeigt (vergiss das 1:5 und 0:3 gegen Hapoel und das 0:2 in Hamburg), erstmals seit der urkundlichen Erwähnung Österreichs konnte ein englischer Klub, Aston Villa, ausgeschaltet werden. "Da konnte man sehen, welche Energien in diesem Team stecken." Vielleicht sei das 1:0 im Jubiläumsspiel gegen Liverpool eine Art Initialzündung gewesen. "Da wurde eine Massenbewegung ausgelöst." Mehr als 500.000 Menschen haben im Jahr 2009 die Heimspiele von Rapid besucht. "Die Fans geben Liebe und bekommen sie von den verantwortungsbewussten Spielern prompt zurück. Eine sehr befruchtende Beziehung."

Hörtnagls Urlaub wird nicht stressfrei sein, Verträge von acht Stützen laufen im Sommer aus (u. a. Katzer, Boskovic, Payer). Die Prima Causa ist Kapitän Steffen Hofmann, der unterm Christbaum über sein weiteres Leben nachdenken möchte. Er hat lukrative Angebote aus dem Ausland (angeblich Aston Villa). Hörtnagl vertritt die Auffassung, dass jeder Kicker ersetzbar sei (siehe Stefan Maierhofer und Erwin Hoffer). "Aber bei Hofmann habe ich berechtigte Zweifel." Dazu Pacult: "Seine Entscheidung hat nichts mit Geld zu tun. Man kann einen mit Geld zuschütten, und er fühlt sich nicht wohl, oder man kann einem keines geben, so wie mir, und ich fühle mich wohl." Auch des Trainers Vertrag endet im Juni.

Keine Scham

Huub Stevens, der Coach von Salzburg, hat sich am Freitag nach dem 1:0 gegen Schlusslicht Austria Kärnten "geschämt" . Pacult fielen keine Momente des Schams ein. Grund für das Erreichen des prinzipiell sinnlosen, aber doch netten Titels "Winterkönig" sei die perfekte Alterstruktur. "Die Jungen harmonieren gut mit den Mittelständlern und den Routiniers. Fallen einige aus, springe andere ein. Alle habe einen Drang nach vorne." Pacults zusätzliche Erklärung für den Lauf: "Entscheidend sind die Spieler zwölf bis 22. Sie bringen keine Konflikte rein, das zeichnet diesen Kader aus. Eins bis elf spielen ja ohnehin. Abgesehen davon lose ich die Aufstellung nicht." Es gelte, konzentriert zu bleiben: "Wer knurrt, der fliegt. Aber ich habe keine Angst, dass irgendwas passiert, denn Maierhofer ist nicht mehr da. Der Lange hätte die meiste Unruhe reingebracht."

Pacults Fazit: "Frohe Weihnachten" . Auch für Maierhofer. Nicht für Celtic. (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 14.12. 2009)

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    Keeper Helge Payer zeigt den Fans eine Art Christbaum.

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