Interview: "Nichts ohne Fidels Garde"

13. Dezember 2009, 18:15

Die Lateinamerika-Spezialistin und Autorin Alma Guillermoprieto glaubt, dass die Revolutionäre in Kuba nichts mehr fürchten als Introspektion

Diese würde eine neue Identität ermöglichen, sagte sie zu Adelheid Wölfl.

*****

Standard: Chávez intensiviert die Allianz mit Kuba. Was plant er?

Guillermoprieto: Chávez verkauft 70 Prozent seines Öls an die USA. Aber er braucht auch Prestige und Respekt. Und wenn er nun von Fidel Castro für das Öl, das Kuba dringend braucht, im Gegenzug Respekt kaufen kann, dann ist das sicher günstig. Ich bezweifle aber stark, dass Fidel, wenn er sich den Pyjama anzieht, über Chávez sagt: Was für ein wunderbarer junger Mann dieser Hugo doch ist!

Standard: Zwischen Russland und Venezuela werden die Beziehungen immer enger. Was will Russland in Lateinamerika?

Guillermoprieto: Es geht darum, ob Putin zurückkehren will an die Macht und ob dies eine Ressource seiner Macht sein kann. Aber ich finde es interessant, weshalb die EU sich in Lateinamerika nicht mehr engagiert. Die EU könnte ein Gegengewicht zu den persönlichen Beziehungen zwischen Fidel und Chávez sein. Wir haben ja noch keine stabilen Staaten in Lateinamerika, die in der Lage sind, eine kontinuierliche Politik von einem Präsidenten zum nächsten zu gestalten. Und weil es keine Strategie gibt, spielen eben Individuen Schach.

Standard: Was kann Obama im Verhältnis zu Kuba ändern?

Guillermoprieto: Er hat während der Kampagne gesagt, dass er sich mit Raúl Castro zusammensetzen will, aber das kann er nicht. Er kann nur die Reiserestriktionen und die Handelssanktionen lockern. Nicht weil die kubanische Opposition in den USA dagegen ist, sondern weil die Republikaner Obama als Sozialisten darstellen wollen. Und Kuba ist dafür natürlich das Thema. Aber die Frage ist auch, wie sehr die Hände Raúls gebunden sind.

Standard: Durch Fidel Castro?

Guillermoprieto: Raúl Castro kann sich nicht bewegen ohne die Garde von Fidel um ihn. Er würde gerne einen rascheren Fortschritt haben. Aber Fidel schaut extrem gesund aus in diesen Tagen.

Standard: Sie schreiben, dass Spiegel in den 1970ern in Kuba verboten waren. Weshalb?

Guillermoprieto: Für die Revolution waren Spiegel Werkzeuge des Narzissmus. Und Selbstbeobachtung ist den Kubanern damals schwergefallen. Es hieß ja immer: Geh voran! Für Künstler war es besonders schwer, in sich selbst hineinzuschauen, weil ihnen das eine Identität jenseits der Revolution ermöglicht hätte. Und genau das hat die Revolution am meisten gefürchtet.

Standard: Wie haben Sie als Tanzlehrerin ohne Spiegel gearbeitet?

Guillermoprieto: Es war nicht schlecht. Es hat den kubanischen Tänzern eine Art Unschuld gegeben, weil sie sich nicht bewusst waren, wie sie gesehen werden.

Standard: Was passiert, wenn die Revolution zusammenbricht? Fidel wird ja nicht ewig leben.

Guillermoprieto: Vielleicht schon (lacht). Mehr Sorgen macht mir, was mit der kubanischen Gesellschaft nach dem Wechsel passieren wird. Das ist ein schrecklich armes Land, eigentlich hatte es nie etwas anderes zu bieten als Tabak, Zucker und Rum. Und daraus kann man kein reiches Land machen.

Standard: Sie haben nun kein Visum für Kuba bekommen, warum?

Guillermoprieto: Ich bin wahrscheinlich die freundlichste Reporterin, die sie finden können. Aber, wenn man das ganze Leben lang in diesem Staatsapparat war, kann man sich keine Alternative zur totalen Kontrolle vorstellen. Mehr als alles andere wollen sie die Sichtweise kontrollieren, damit die Rhetorik nicht leer wird.

Standard: So eine Kontrolle lässt erstarren. Kann Fidel nicht sterben, weil er selbst wie eingefroren ist?

Guillermoprieto: Er ist ziemlich eingefroren. Die Revolution lebt ja von den Worten, die er erlaubt. Und es geht nicht darum, ob diese Worte falsch oder richtig sind, es geht darum, ob sie noch immer Macht haben, in einem fast magischen Sinn. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
1 2
Johannes Morla
 
20
14.12.2009, 21:26
Ab zu den Bushes und Co

Sie soll sich mit den US-Republikanern zusammensetzen und mit den Battista-Exilkubanern, dort passt sie hin.....

Johannes Morla
 
10
14.12.2009, 21:24
Sie hat keine Ahnung

Sie redet großmauligen Unsinn und hat keine Ahnung von Venezuela. Chavez benützt Fidel nur, doch er ist ganz etwas anderes, denn Venezuela ist nicht Cuba.

Fritz094
 
11
15.12.2009, 17:56
Naja

Dass Chavez Castro benützt kann man so nicht sagen. Kuba profitiert von diesem Bündniss mehr als Venezuela, auch wenn Venezuela grossen Vorteil aus dem Import kubanischer Facharbeiter und Ärzte zieht.

Aber dennoch ist Südamerika für Kuba der letzte Strohhalm an den es sich klammern kann, während Südamerika durchaus ohne Kuba kann.
Wenn hier jemand wen ausnutzt, dann Castro Chavez...

Raptor Jesus
00
14.12.2009, 16:11
Respekt?

Chavez ist zwar erst eine jüngste erscheinung, aber ich glaube, selbst ohne Fidels Segen ist klar, wer da wegweisend ist.

yomellamo
31
14.12.2009, 17:16

.. in den Abgrund wegweisend.

nofretete69
 
00
14.12.2009, 09:06

viva la revolucion ! ;-)
hasta siempre !?

kaloka
00
14.12.2009, 17:02

Komisch, bei Nofretete und 69 habe ich ganz andere Fantasien als Fidels Revolution. Hasta siempre, ich muss zur Therapie ....

Kinder von 12 bis 14 lesen hier
35
13.12.2009, 23:11
" Ein schrecklich armes Land ". Sicher nicht ärmer als Kärnten wenn die Hypo Haftung schlagend wird

der glöckner von bicêtre
00
14.12.2009, 15:47
Kärnten wär auch ohne hypo bankrot...

... wenigstens verteilen die in Kuba kein Geld, dass sie nicht haben...

Der Neue Mensch
20
14.12.2009, 17:43

Natürlich machen die das.

h 90
00
14.12.2009, 12:13

im Vergleich sogar reich.
Aber es geht schneller. Haider wurde nicht so alt wie Fiedel

Ar Mutschgerl
01
14.12.2009, 09:19
Statt Tabak, Zucker und Rum

Gibt's in Kärnten nur Obstler

's koite Sopherl
00
14.12.2009, 13:18

und statt Salsa den Xangsverein :-)

nur ganz so feurig sinds halt nicht, die Kärntner...

ShanghaiLUE
00
14.12.2009, 10:46
....

und a poa Noan de den Landesvati a bissl huldigen

*space
00
13.12.2009, 20:42

Na das sind hier seriöse Theorien und viel Stoff aus den 70ern.

yomellamo
11
13.12.2009, 21:47

... hat sich ja in Kuba nicht sonderlich viel geändert seit damals. Die "revolution" dreht sich halt nur im extra-langsamen zeitlupentempo.

*space
10
14.12.2009, 08:51
Sprach der ewig Gestrige ...

und überschüttet sich und andere mit den ewig gleichen Sprechblasen. Aber in Kuba bewegt sich was, nur Sie bekommen es nicht mit.

Als Frau Sanchez und ihr Mann mal wieder provozierten und die Polizei wüst beschimpften, traten die in Deckung, als diese Dame dann versuchte die Studentendemo für den Frieden auf dieser Welt für sich zu vereinnahmen wurden die Studenten wild und mussten von der Polizei, die längst in Deckung war beschützt werden. Die Studenten skandierten später Sprüche wie: Die Straße gehört Fidel.

yomellamo
10
14.12.2009, 12:34

... und wahrscheinlich glauben sie auch noch den Stuss den sie verzapfen :)))

*space
10
14.12.2009, 13:25

Ich glaube sicher nicht den Mist, der von Globovision und ihren anderen Freunden ausgeht.

Der Neue Mensch
11
14.12.2009, 11:13
Tolle Verdrehung der Tatsachen

Rächer der Zensierten
77
13.12.2009, 20:15
"Mehr als alles andere wollen sie die Sichtweise kontrollieren, damit die Rhetorik nicht leer wird"

Damit meint sie wohl eher ihre Auftraggeber.

increible
21
14.12.2009, 04:34

Primitiv-Reflex

Kein Begriff drückt Mich aus
00
13.12.2009, 19:49
Societyreport mal anders.

"Ich bezweifle aber stark, dass Fidel, wenn er sich den Pyjama anzieht, über Chávez sagt: Was für ein wunderbarer junger Mann dieser Hugo doch ist!" ... "Raúl Castro kann sich nicht bewegen ohne die Garde von Fidel um ihn. Er würde gerne einen rascheren Fortschritt haben. Aber Fidel schaut extrem gesund aus in diesen Tagen."

J.J
01
13.12.2009, 19:19
der schriftstellerinnen-einheits-look?


a la herta müller?

wahnsinn.

ShanghaiLUE
00
14.12.2009, 10:49
ned nua Schrifstellerinnen

... guckst du mal in die Zentrale der Österr. Post....

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