Alte Schulden, neue Forderungen

13. Dezember 2009, 18:01
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Olympiaberater Roth fordert Geld vom ÖOC - Präsident Stoss schon 2007 über Vertrag mit Mayer informiert

Wien - Der Strategieberater Erwin Roth sagt, das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) sei ihm rund 292.000 Euro schuldig. Er habe das Geld für die Mitarbeit an der Bewerbung Salzburgs um die Winterspiele 2014 zu erhalten. Das Gesamtvolumen des Vertrags betrug 13 mal 90.000 Euro, also 1,17 Millionen. Der "Buchhalter" und Vorstand des ÖOC, der Anwalt Gottfried Forsthuber, bestätigte dem Standard die Höhe und Rechtmäßigkeit von Roths Forderung. Dennoch will sie der neue ÖOC-Präsident Karl Stoss offenbar nicht befriedigen. "Stoss will sich offenbar drücken und behauptet, das ÖOC schulde mir nichts, weil es auch nicht mein Vertragspartner sei" , sagt Roth. der Standard bat Stoss am Freitag vergeblich um Stellungnahme.

Tatsächlich wurde der Vertrag im Mai 2006 zwischen der Erwin Roth GmbH und dem Olympiaförderverein geschlossen. Der Präsident des Vereins war der damalige ÖOC-Präsident Leo Wallner, sämtliche Organe des Vereins waren oder sind bis heute Vorstandsmitglieder oder Mitarbeiter des ÖOC. Der Förderverein sollte die Finanzierung der Olympiabewerbung befördern. Das sagte unter anderen der Salzburger Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende der Salzburg 2014 GmbH, Heinz Schaden. Beispielsweise übernahm der Verein einen Teil des Gehalts für den Bewerbungsgeschäftsführer Fedor Radmann (50.000 Euro). Ob der Verein gerade oder krumm arbeitete, prüft ein Untersuchungsausschuss des Landes Salzburg.

Roths Forderung platzt in die Vorbereitung der ÖOC-Vorstandswahl am 18. Dezember. Ihre Geschichte beginnt im Jänner 2007. Der ÖSV-Trainer und Heeresangehörige Walter Mayer hatte den IOC-Präsidenten Jacques Rogge und den Chef der Internationalen Anti Doping Agentur, Dick Pound, geklagt, weil sie ihn mit Doping in Verbindung gebracht hatten. Der erste Gerichtstermin in Wien im März war nahe, Mayers Chance angeblich gut. Salzburgs Chancen auf die Spiele 2014 waren null.

Rogges Kabinettschef Christophe de Kepper trifft sich in Wien mit ÖOC-Chef Wallner: Die Sache mit Mayer muss geklärt werden. Wallner bittet Roth in sein Casinos-Büro und um Hilfe. Roth zeigt sich zuversichtlich, eine Lösung zu finden. Handschlag. Roth stellt eine Bedingung: Da eine Lösung mit Mayer Geld kosten werde, müsse sein Vertrag mit dem Förderverein auf den Cent genau erfüllt werden. Zusätzliches Geld wolle er nicht.

Wallner erklärt, das gehe in Ordnung, aber er bespreche sich noch mit seinem "designierten Nachfolger" (Roth) und geht aus dem Zimmer. Er kommt zurück und sagt, sein Nachfolger stimme zu. Sollte der Förderverein kein Geld haben, werde das ÖOC Roth befriedigen. Wallner wendet sich an den Dritten im Zimmer, den ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth. Wallner: "Heinz, du machst das."

Der Förderverein und das ÖOC glichen laut Roth den Zahlungsrückstand (Roth: 500.000 Euro) zügig aus, der Berater stellte Mayers Haus bei den Banken schuldenfrei. Kosten: rund 290.000 Euro. Mayer übergab das Haus seiner Frau Gerlinde und hofft seither auf ihre Einwilligung zur Scheidung. Vor dem ersten Gerichtstermin zog er die Klagen gegen Rogge/ Pound zurück. (Sein vorgesetzter Offizier hatte ihm dazu geraten.) Er sagt, er war nicht mehr darauf angewiesen, durch den Prozess an Geld zu kommen und wollte sich, dem ÖSV und dem ÖOC Wickel ersparen.

Stoss war seit 1. Jänner 2007 Vorstandsmitglied der Casinos Austria und galt als Wallners Kronprinz. Im Frühjahr 2009 berichtete die Kronen Zeitung, die Raiffeisen wünsche bei der bevorstehenden Wahl zum ÖOC-Präsidenten Wallners Resignation und Stoss' Kür. Wallner ließ sich dennoch wählen, trat jedoch Anfang September zurück. Stoss wurde als einziger Kandidat zum Nachfolger akklamiert.

Jungwirth bestätigte dem Standard, dass sich die Geschichte in Wallners Büro wie geschildert zugetragen habe. Wallner urlaubt und ist unerreichbar. (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 14.12. 2009)

 

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    Karl Stoss istseit 22. Oktober ÖOC-Präsident.

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