Staffel-Triumph in Hochfilzen

13. Dezember 2009, 17:49
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Österreichs Maschinerie lief und schoss auf Hochtouren, Russland und Deutschland klar distanziert

Hochfilzen - Österreichs Biathlon-Staffel bleibt auch in der Olympia-Saison Garant für Spitzenplätze. Beim Heim-Weltcup in Hochfilzen feierten die Vize-Weltmeister Simon Eder, Daniel Mesotitsch, Dominik Landertinger und Christoph Sumann am Sonntag einen souveränen Erfolg vor Russland (25,7 Sekunden zurück) sowie Deutschland (32,0) und übernahmen als Pokalverteidiger auch die Disziplinen-Weltcupführung. Damit halten die ÖSV-"Skijäger" nach zwei Stationen bei vier Podestplätzen (1-1-2). "Biathlon hat Zukunft, auch in Österreich", erklärte ÖSV-Sportdirektor Markus Gandler.

Starkes Team

Als Schlussläufer Sumann mit der rot-weiß-roten Fahne in der Hand und geballter Faust die Ziellinie überquerte, jubelten auch die Gruppen-Trainer Reinhard Gösweiner und Alfred Eder. "Ein Staffelsieg ist das Schönste. Das ist der Beweis, dass das gesamte Team stark ist", freute sich der Oberösterreicher Gösweiner. "Und wir haben ja noch weitere Anwärter auf einen Startplatz", sagte der Coach und sprach damit Fritz Pinter (wurde zuletzt nach einer vorangegangenen Erkrankung geschont) und Tobias Eberhard an.

Die ÖSV-Athleten hatten mit starken Leistungen im Vorfeld ihres ersten Saisonhöhepunkts hohe Erwartungen geweckt. "Vergangenes Jahr war der Sieg in Hochfilzen noch eine Überraschung, heuer haben wir darauf gehofft und diesem Druck standgehalten", meinte Sumann zufrieden und auch Eder sprach von einem "Riesendruck".

Dass der Erfolg dennoch glückte, zeugt von dem bereits in der Vorsaison erreichten hohen Niveau der heimischen Biathleten. Das Quartett münzte sein Potenzial mit gleichmäßig starken Leistungen vor mehr als 14.000 Zuschauern im Tiroler WM-Ort von 2005 (insgesamt mehr als 35.000 Fans) in den insgesamt fünften Weltcup-Staffelsieg um. Weltmeister Norwegen war ohne den Sprintsieger Ole Einar Björndalen diesmal ohne Chance und belegte hinter Saison-Auftaktsieger Frankreich (+1:24) nur Rang fünf (+1:27).

Immer vorne dabei

Österreich lag dank fehlerloser Schussleistung von "Schnellschütze" Eder, der am Vortag in der Verfolgung Zweiter geworden war, und nur einmaligem Nachladen von Mesotitsch bis zur Halbdistanz des 4 mal 7,5-km-Rennens immer im Spitzentrio mit den Russen und Deutschen. Landertinger (nur einmal nachladen) übernahm anschließend mit gewohnt starker Laufleistung die Spitze und holte einen Vorsprung von 49 Sekunden heraus. "Ich habe heute beim Schießen den richtigen Rhythmus gefunden, so wie im Training. Jetzt muss ich schauen, dass ich das im Einzel auch noch hinbringe", erklärte der 21-jährige Lokalmatador, der seine Rivalen Nikolaj Kruglow und Michael Greis, den dreifachen Olympiasieger von Turin, klar in den Schatten stellte.

Sumann ("Der Druck war groß, die Burschen sind da vorne ja super marschiert.") machte es noch einmal spannend. Der 33-jährige Steirer, zuvor Sechster und Vierter in Sprint und Verfolgung, musste im liegenden Anschlag dreimal nachladen, ehe er alle fünf Scheiben getroffen hatte. "Beim letzten Schuss hatte ich etwas Bauchweh", gab der Massenstart-Vizeweltmeister zu, der mit dem Treffer eine Strafrunde vermied. Das Nachladen kostete ihn jedoch eine halbe Minute, der Vorsprung schrumpfte.

Doch beim Laufen stellte er den früheren Abstand zu Maxim Tschudow und Simon Schempp beinahe wieder her. "Beim Stehend-Schießen habe ich dann nicht mehr großartig nachgedacht und die Schlussrunde war ein Genuss vor diesem Publikum", meinte Sumann und gab sich überaus selbstbewusst. "Wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken. Olympia kann kommen." 

Frauen-Team noch mit Nachholbedarf

Bei den Damen war Russlands Quartettam flottesten unterwegs. Swetlana Slepzowa, Anna Bulygina, Jana Romanowa und Olga Saizewa setzten sich nach 4 mal 6 Kilometern 3,8 Sekunden vor Frankreich und 4,6 vor Schweden durch. Weltcup-Spitzenreiterin Helena Jonsson, am Vortag vor Slepzowa und Saizewa Gewinnerin der Verfolgung, brachte die Skandinavierinnen dank einer makellosen Schießleistung noch auf Rang drei vor Deutschland (19,5 zurück).

Für die österreichische Frauenstaffel mit Iris Waldhuber sowie den erst heuer vom Langlauf zum gewechselten Kerstin Muschet, Romana Schrempf und Ramona Düringer blieb im Feld der 24 Staffeln nur der 23. Platz, fast 15 Minuten hinter den Siegerinnen. Mit sieben Strafrunden und 19-fachem Nachladen ließen die Österreicherinnen bereits am Schießstand und in der Strafrunde viel Zeit liegen, Schrempf hatte zudem Probleme mit dem Gewehr. Markus Gandler sieht den Weltcup für die ÖSV-Damen trotz des enormen Rückstandes als beste Möglichkeit zu lernen. "Nächstes Jahr wird das schon ganz anders ausschauen", gab sich der ÖSV-Sportdirektor für zuversichtlich. (APA/red)

ERGEBNISSE der Staffelbewerbe zum Biathlon-Weltcup in Hochfilzen am Sonntag

  • Herren - 4 mal 7,5 Kilometer: 1. Österreich (Simon Eder, Daniel Mesotitsch, Dominik Landertinger, Christoph Sumann) 1:16:13,1 Stunden (0 Strafrunden+6 mal Nachladen) - 2. Russland (Iwan Tscheresow, Jewgenij Ustjugow, Nikolai Kruglow, Maxim Tschudow) + 0:25,7 Minuten (1+5) - 3. Deutschland (Christoph Stephan, Arnd Peiffer, Michael Greis, Simon Schempp) 0:32,0 (0+5) - 4. Frankreich 1:24,7 (1+8) - 5. Norwegen 1:27,8 (1+11) - 6. Schweden 1:37,6 (0+8) - 7. Tschechien 1:43,1 (0+6) - 8. Schweiz 1:43,8 (0+8) - 9. Italien 1:54,8 (0+11) - 10. USA 2:06,7 (0+10)
  • Damen - 4 mal 6 km: 1. Russland (Swetlana Slepzowa, Anna Bulygina, Jana Romanowa, Olga Saizewa) 1:13:37 Stunden (0 Strafrunden+6 mal Nachladen) - 2. Frankreich (Marie Laure Brunet, Sylvie Becaert, Marie Dorin, Sandrine Bailly) 3,8 zurück (0+7) - 3. Schweden (Elisabeth Högberg, Anna Carin Olofsson-Zidek, Anna Maria Nilsson, Helena Jonsson) 4,6 (0+3) - 4. Deutschland (Martina Beck, Simone Hauswald, Andrea Henkel, Kati Wilhelm) 19,5 (0+12) - 5. Norwegen (Solveig Rogstad, Ann Kristin Aafedt Flatland, Liv Kjersti Eikeland, Tora Berger) 2:10,6 (0+8) - 6. Polen (Krystyna Palka, Magdalena Gwizdon, Weronika Nowakowska, Agnieszka Cyl) 2:26,1 (0+12).

Weiter: 23. Österreich (Kerstin Muschet/3+6, Romana Schrempf/2+5, Iris Waldhuber/0+2, Ramona Düringer 2+6) 14:56,5 (7+19). 24 Staffeln klassiert.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Christoph Sumann vollendete den perfekt geglückten Hochfilzen-Job von Österreichs Skijägern.

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