Hirscher im RTL zu Val d'Isère das Alphatier

13. Dezember 2009, 14:10
89 Postings

Österreicher feiert im Riesentorlauf seinen ersten Weltcupsieg. Blardone Zweiter, Benni Raich als Dritter am Stockerl und im Weltcup Führender

Val d'Isere - Auf den Hattrick der Schweizer in der Person von Carlo Janka in Beaver Creek haben die Österreicher mit drei Siegen in Val d'Isere geantwortet. Nach den Erfolgen von Benjamin Raich in der Super-Kombination und Michael Walchhofer im Super-G triumphierte der 20-jährige Marcel Hirscher im Weltcup-Riesentorlauf am Samstag, hinter Massimiliano Blardone (ITA/0,77 Sekunden zurück) wurde Raich Dritter (1,32) und holte sich die Führung im Gesamtweltcup, da Janka erneut und damit zum dritten Mal in Folge ausschied.

Nach dem ersten Durchgang waren fünf Österreicher - am Start war eine extrem junge ÖSV-Mannschaft - unter den besten Acht gelegen, Hirscher hatte die Halbzeitführung inne, Raich als Achter doch schon 0,93 Sekunden Rückstand. Während der Pitztaler im zweiten Durchgang aufdrehte und aufs Stockerl vorstieß, fielen Romed Baumann (von 3 auf 6), Philipp Schörghofer (von 4 auf 7) und Hannes Reichelt (Ausfall nach 7) zurück. Blardone kam als Führender ins Ziel und es lag an Hirscher, dem Alpinteam des Österreichischen Skiverbandes in den französischen Bergen eine makellose Bilanz zu sichern. Und der Annaberger brauste nach vier Podestplätzen, darunter Platz zwei in der Super-Kombination am Freitag, zu seinem ersten Weltcupsieg.

"Gib Gas, Kleiner!"

Im Zielraum gestand Hirscher, dass er sich am Start gedacht habe "Gib Gas, Kleiner!" "Am Schluss ist es fast noch knapp geworden mit der Kraft. Dass ich jetzt als Sieger hier stehe, das ist komplett unreal. Ich werde mich wohl erst in ein paar Stunden oder Tagen richtig freuen können, wenn ich weiß, was ich da heute in den Schnee gezaubert habe. Ich weiß noch nicht mal so richtig, was gerade passiert ist", meinte der Salzburger. Einer der ersten Gratulanten war Vater Ferdinand, der dem Sohn auch als Coach zur Seite steht.

Das Gefühl, "in einer anderen Liga" zu fahren, habe er noch nie erlebt, dies sei "ein spezieller Moment", erzählte Hirscher. Ebenso, wie das große Idol, Benjamin Raich, besiegt zu haben. "Das kannst nicht glauben, dass er dir gratuliert, weil du gewonnen hast." Als er den Lärm der Zuschauer nach der Blardone-Fahrt gehört habe, habe er gewusst, dass er kämpfen müsse. Auch sei er so nervös wie selten gewesen, denn noch nie befand er sich in der Situation des Halbzeitführenden, noch nie sei er dem Sieg so nahe gewesen. Und er wollte diesen Sieg.

Keine Zeit zum Ausrasten

Mit dem Kombisieg, Platz fünf im Super-G und dem dritten Rang im Riesentorlauf durfte auch Raich auf sensationelle drei Tage zurückblicken, er verlässt den WM-Ort von 2009 als Führender in der Kombi- der Riesentorlauf- und der Gesamtwertung. "Es war extrem schwierig heute, da herunter kann man nie ausrasten. Ein großer Kampf", sagte der Pitztaler, der die "sensationelle" Leistung seines elf Jahre jüngeren Teamkollegen lobte. "Er ist sein Siegertyp. Er kann eine große Zukunft haben."

Die nähere Zukunft von Raich beinhaltet keine Abfahrt in Gröden, sondern nur eine Teilnahme am Super-G. Dass er Janka, der in allen drei Rennen ausgeschieden war und Val d'Isere mit einer blutenden Wunde auf der Wange verlassen hatte, die Weltcupführung um 26 Punkte abgejagt hatte, freute ihn natürlich. Auch wenn er dem wie üblich jetzt noch nicht so viel Bedeutung zumisst. "Ich schaue da nicht so drauf. Aber jeder Zähler ist wichtig. Und in jedem Rennen kann man punkten, und ich versuche immer mein Bestes zu geben." Nicht am Start im Riesentorlauf waren der Schweizer Didier Cuche wegen einer Rückenblessur und der US-Amerikaner Bode Miller, der sich am Samstag beim Volleyballspielen am Knöchel verletzt hat.

Der ÖSV hat damit innerhalb von zwei Tagen nicht nur einen Sieg durch einen Routinier, dem 34-jährigen Walchhofer, sondern auch den Premierenerfolg des Megatalentes im Team verbucht - sehr zur Freude von Alpinchef Hans Pum, der der ganzen Mannschaft Gratulationen aussprach. "Gewaltig. Mich freut, dass sie auf dem schwierigen Gelände so gut gefahren sind. Jetzt hat sich das Blatt stark geändert. Die Erfolge in jeder Disziplin, das ist das Erfreuliche, dass alle zusammengehalten haben. Und auch von der Einstellung her, dass alle cool geblieben sind." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Platzhirsch in Val d'Isere. Österreicher Marcel Hirscher feiert im Riesentorlauf in Frankreich seinen ersten Weltcupsieg.

Share if you care.