Der Aufstand der Kleinen geht weiter

13. Dezember 2009, 19:00
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Während der Dachverband Unterschriften für den Bundeskanzler gesammelt hat, will ein neues Aktionsbündnis politischen Druck über die Gewerkschaften forcieren

Am Dienstag ist es soweit: Bundeskanzler Werner Faymann und seinem Vize Josef Pröll werden über 13.500 Unterschriften von unzufriedenen VorschulpädagogInnen und Eltern aufgetischt. Gesammelt hat die der Dachverband der Berufsgruppen der Kindergarten- und HortpädagogInnen, der ermutigt durch das Vorpreschen der AktivistInnen-Gruppe "Kindergartenaufstand" dessen Forderungen nach angemessenem Lohn für aufgewertete Arbeit nun mitträgt. Im Juni noch hatten die Kindergartenaufständigen Sorge um die Bereitschaft des Berufsstandes, die lautstark formulierten Anliegen des damals neu gegründeten Kollektivs mitzutragen: Ein halbes Jahr, zwei große Demonstrationen, einen Flashmob und etliche öffentliche Auftritte später lässt sich die eindeutig zerstreuen.

"Chefsache"

Damit aus den Forderungen nach besserer Bezahlung, guten Arbeitsbedingungen, weniger Kinder pro Gruppe und gemeinsamer Ausbildung für alle pädagogischen Berufe auch politische Realität wird, gehen die Kindergartenaufständigen aber einen anderen Weg als der seit fünfzehn Jahren aktive Dachverband, der den unmittelbaren Weg über die oberen Instanzen gewählt und die Vorschuldpädagogik vollmundig zur "Chefsache" erklärt hat. Erreichen will er damit, dass sich die hohen Herren (und Damen) der Politik gleich auf Bundesebene mit dem Thema vertraut machen - oder es zumindest mittels Petitions-Übergabe publicty-tauglich versuchen.

Organisation von unten

Der autarke Kindergartenaufstand arbeitet hingegen an der Basis: Man hat Kontakt zu den Gewerkschaften hergestellt, weil man sich über die altbewährte Verstärkung mehr Erfolg auf tatsächliche Veränderungen verspricht, erläutert Barbara Tinhofer vom Kindergartenaufstand gegenüber dieStandard.at. Man schätze die langjährigen Bemühungen der Berufsgruppe, sähe aber auch, "dass sich der Erfolg der Strategie von Bitten und Freundlichsein in Grenzen hält", unterstreicht auch Kindergartenaufstand-Kollegin Kristina Botka.

Aktionsbündnis

Dass auch die Unterstützung der Gewerkschaft keine Selbstverständlichkeit ist, musste der Kindergartenaufstand ebenfalls erfahren. Von ersten Erfolgen kann Tinhofer aber nichtsdestotrotz berichten: Aus den Anknüpfungsversuchen ist im Herbst ein Aktionsbündnis entstanden, das die gebündelten Interessen im Bereich Vorschulpädagogik umsetzen helfen will. Die PartnerInnen des so genannten "Bündnis: Aktion Kindergarten" umfassen die gewerkschaftliche Teilorganisationen der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten und der Privatangestellten ebenso wie die BKHW (Berufsgruppe von Kinder-und HortpädagogInnen Wien), die Betriebsratinitiative F.U.G.E innerhalb der Kinderfreunde und die BetreuerInnenvertretung Wiener Kindergruppen. Die Grünen Wien sind als UnterstützerInnen mit an Bord, mischen sich inhaltlich nicht ein, dafür haben sie bei der Demo "S.O.S. Kindergarten" Ressourcen wie eine Bühne samt Technik zur Verfügung gestellt: "Die waren bis jetzt die Einzigen, die uns befragt haben, Interesse gezeigt und uns als Expertinnen wahrgenommen haben," sagt Tinhofer.

Systemfehler

Mit "kleinen Gehaltsaufbesserungen" als Zeichen des Good Wills von Seiten der Politik will sich das Bündnis nicht zufrieden geben, hält Tinhofer abschließend fest: Langfristig müsse das System Kindergarten als solches umgekrempelt werden. Und das Mütterbild gleich dazu. (bto/dieStandard.at, 14.12.2009)

  • Die Forderungen der VorschulpädagogInnen sind seit heuer endlich Thema in der Öffentlichkeit: Ein
tatsächlicher Fortschritt im Vergleich zu den Jahr(zehnt)en zuvor, in
denen es als selbstverständlich aufgefasst wurde, dass die "Tanten"
für ein Zugeld brav die lieben Kinder hüten. Dass die fast ausnahmslos weiblichen Beschäftigten dieses Berufsstand kein Familienanhängsel, das ruhig unterbezahlt sein kann, sind, hat
der Kindergartenaufstand im Frühjahr dieses Jahres lautstark artikuliert. Jetzt hat man ein Aktionsbündnis gegründet, das die Gewerkschaften mittragen.
    foto: kollektiv kindergartenafstand

    Die Forderungen der VorschulpädagogInnen sind seit heuer endlich Thema in der Öffentlichkeit: Ein tatsächlicher Fortschritt im Vergleich zu den Jahr(zehnt)en zuvor, in denen es als selbstverständlich aufgefasst wurde, dass die "Tanten" für ein Zugeld brav die lieben Kinder hüten. Dass die fast ausnahmslos weiblichen Beschäftigten dieses Berufsstand kein Familienanhängsel, das ruhig unterbezahlt sein kann, sind, hat der Kindergartenaufstand im Frühjahr dieses Jahres lautstark artikuliert. Jetzt hat man ein Aktionsbündnis gegründet, das die Gewerkschaften mittragen.

  • Der Dachverband der Berufsgruppe trägt indes die Forderungen der AktionistInnen mit, kommuniziert jedoch auf anderen Wegen mit Politik und Öffentlichkeit, indem er sich auf konservativere Mittel wie Petitionen statt Flashmobs verlässt. Die beiden heterogenen eint das Ziel: Die Aufwertung des Berufsstandes muss passieren. Der Kindergartenaufstand will darüber hinaus auch dem Frauen- und Mutterbild einen neuen Anstrich geben.
    foto: kollektiv kindergartenafstand

    Der Dachverband der Berufsgruppe trägt indes die Forderungen der AktionistInnen mit, kommuniziert jedoch auf anderen Wegen mit Politik und Öffentlichkeit, indem er sich auf konservativere Mittel wie Petitionen statt Flashmobs verlässt. Die beiden heterogenen eint das Ziel: Die Aufwertung des Berufsstandes muss passieren. Der Kindergartenaufstand will darüber hinaus auch dem Frauen- und Mutterbild einen neuen Anstrich geben.

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