Hamas kündigt Überraschung zum Jahrestag an

13. Dezember 2009, 10:43
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Stadt mit zehntausenden grünen Fahnen geschmückt - Gefangenenaustausch oder Aussöhnung mit Abbas?

Gaza/Tel Aviv - Mit einer Großdemonstration will die im Gazastreifen herrschende Hamas-Organisation an diesem Montag den 22. Jahrestag ihrer Gründung feiern. Tausende Anhänger der radikal- islamischen Palästinenserorganisation zogen bereits am Wochenende mit Motorrad-Korsos oder Umzügen durch Gaza. Die Stadt wurde mit zehntausenden Fahnen in grüner Parteifarbe geschmückt. Zur Demonstration am Montag werden hunderttausende Menschen erwartet. Die Hamas-Führung hat eine "Überraschung" angekündigt.

In Gaza gibt es Spekulationen, wonach die Hamas nach jahrelangem Streit die Unterschrift unter ein Aussöhnungsabkommen mit der Fatah-Organisation des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas ankündigen könnte. Eine zweite Möglichkeit wäre die Ankündigung des Gefangenenaustauschs mit Israel. Die Hamas fordert nach Medienberichten die Freilassung von 1450 palästinensischen Häftlingen für den im Juni 2006 in den Gazastreifen entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit.

Die Hamas hatte nach einem blutigen Bruderkampf mit der Fatah im Juni 2007 die Kontrolle über den Gazastreifen übernommen. Rund die Hälfte der 1,5 Millionen Einwohner ist entweder Mitglied oder Sympathisant der Hamas. Die Radikalislamisten haben am Montag Gegendemonstrationen der Fatah in Gaza verboten. Andererseits hat die moderate Palästinenserführung um Präsident Abbas im Westjordanland alle öffentlichen Hamas-Feierlichkeiten für Montag untersagt.

Die Hamas wurde zu Beginn des ersten Palästinenseraufstandes (Intifada) am 14. Dezember 1987 gegründet. Israel betrachtete die Hamas anfangs als willkommenes Gegengewicht zur Fatah von Ex-PLO-Chef Yasser Arafat. Die Hamas ist eine national-religiöse Partei. Als palästinensischer Arm der Moslembruderschaft unterhält sie einen bewaffneten Arm mit bis zu 20.000 gut ausgebildeten Kämpfern, die sogenannten Kassam-Brigaden.

Nach einer Serie von Selbstmordattentaten haben Israel, die USA und die Europäische Union die Hamas als Terrororganisation eingestuft. Vor einem direkten Dialog soll die Hamas erst das Existenzrecht Israels anerkennen, Gewalt und Terror abschwören und ihre militanten Gruppen entwaffnen. Einige Politiker und Nahost-Experten plädieren hingegen für einen sofortigen Dialog mit der Hamas, weil ihrer Meinung nach eine friedliche Lösung im Nahen Osten ohne die zweitgrößte Palästinenserorganisation nicht möglich ist.

Wegen der Blockadehaltung der Hamas können die Palästinenser Ende Jänner nicht wie vorgesehen einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament wählen. Die Hamas hatte im Jänner 2005 eine absolute Mehrheit bei den palästinensischen Parlamentswahlen errungen. Nach der Entführung von Shalit im Juni 2006, dem Putsch der Hamas im Juni 2007 und einem anhaltenden Raketenbeschuss hat Israel den Gazastreifen nahezu vollständig von der Außenwelt abgeschottet. Derzeit lässt Israel nur humanitäre Hilfsgüter sowie Brenn- und Treibstoff die Grenze passieren. Rund ein Jahr nach Beginn des Gazakrieges hat der Wiederaufbau noch nicht begonnen. (APA)

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