Symbolisches Referendum über Unabhängigkeit Kataloniens

13. Dezember 2009, 23:03

Etwa ein Zehntel der Bevölkerung konnte Stimme abgeben - Ergebnis "juristisch bedeutungslos"

Barcelona - Hunderttausende Katalanen haben am Sonntag bei einem symbolischen "Referendum" über eine Unabhängigkeit der wirtschaftsstärksten Region Spaniens abgestimmt. Das Ergebnis der "Volksabstimmung" in Katalonien hat keine bindende Wirkung. In mehr als 160 Städten und Gemeinden der nordostspanischen Region konnten die Bürger ihre Stimme abgeben.

Sie sollten die Frage beantworten, ob sie dafür oder dagegen sind, dass Katalonien einen unabhängigen Staat bildet und ein eigenständiges Mitglied der Europäischen Union wird. Insgesamt waren rund 700.000 Bewohner der Region - darunter auch Ausländer und Jugendliche ab 16 Jahren - zur Stimmabgabe aufgerufen. Dies sind etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung Kataloniens.

Rund 564 Abstimmungslokale öffneten um 09.00 Uhr und sollten bis 20.00 Uhr geöffnet bleiben. Nicht einbezogen war die katalanische Provinzhauptstadt Barcelona, wo eine derartige Abstimmung möglicherweise am 25. April abgehalten werden soll.

"Bringen nichts ein"

Die spanische Regierung in Madrid erkennt den Ausgang der Abstimmung nicht an. Nach der Verfassung darf nur der Zentralstaat Referenden abhalten. "Solche Abstimmungen bringen nichts ein", sagte der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero (Sozialisten/PSOE).

Eine solche Befragung sei "nicht illegal, aber juristisch bedeutungslos", sagte der spanische Justizminister Francisco Caamano. Auch die Verfechter der Volksbefragung vertreten nicht die Ansicht, das Ergebnis solle direkte politische Auswirkungen haben. Eine regelrechte Volksabstimmung könnte nur die Zentralregierung in Madrid organisieren.

Rund 564 Abstimmungslokale öffneten um 09.00 Uhr und sollten bis 20.00 Uhr geöffnet bleiben. Nicht einbezogen war die katalanische Provinzhauptstadt Barcelona, wo eine derartige Abstimmung möglicherweise am 25. April abgehalten werden soll.

Die symbolische Abstimmung wurde von privaten Initiativen organisiert. Die Rathausverwaltungen in den jeweiligen Städten gaben ihr Einverständnis, durften die Veranstalter aber nicht unterstützen. Die Wahlurnen waren daher nicht in den Rathäusern aufgestellt worden, sondern in Gewerkschaftszentren oder kirchlichen Gebäuden.

Nach Umfragen sind unter den 7,4 Millionen Einwohnern Kataloniens die Befürworter einer Loslösung der Region von Spanien in der Minderheit. Ihre Zahl stieg in jüngster Zeit jedoch ständig an. Eine Studie der Regionalregierung bezifferte ihren Anteil auf etwa 20 Prozent.

Der prominenteste Förderer dieser Bewegung ist der Präsident des Fußballclubs FC Barcelona, Joan Laporta. Beim Spiel des FC Barcelona gegen den Lokalrivalen Espanyol (1:0) hatten Tausende von Zuschauern am Samstagabend Unabhängigkeitsflaggen geschwenkt.

Katalonien versteht sich auf der Grundlage seines im Jahr 2006 verabschiedeten Autonomie-Statuts als eine "Nation". Flächenmäßig ist die Region etwa so groß wie Belgien. Das Statut wird derzeit vom spanischen Verfassungsgerichtshofs in Madrid geprüft, insbesondere der Begriff "Nation" soll den Verfassungshütern ein Dorn im Auge sein. Möglicherweise wird er für unzulässig erklärt.

Die katalanische Sprache war während der Franco-Diktatur (1939-1975) unterdrückt worden. Sie wird außer in Katalonien selbst auch in der Region Valencia, auf den Balearen und im Pyrenäen-Kleinstaat Andorra gesprochen. (APA/AP)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
Fisch^^Fisch
10
14.12.2009, 00:23
30%

30% der Wahlberechtigten dürften mitgemacht haben:

http://www.elpais.com/articulo/... unac_2/Tes

Naja...

Anschauungsunterricht Leben
00
13.12.2009, 21:03

Und warum durften die Katalanen in Südfrankreich nicht mitstimmen?

Drago+
00
14.12.2009, 08:07

Schon vergessen, in Frankreich gibt es keine Katalanen.. So wenig wie es Deutsche u.a. Nationen gibt.. Ähm, ja...

Und wenn jemand auf französischem Staatsgebiet nicht Franzose sein will, dann wird mit der französischen Schule geantwortet. Was ist die französische Schule? Denke an Mladic und den Bosnienkrieg, dann weißt du es.

Aber psst, wir wollen das (selbsternannte) Mutterland der modernen Demokratie und der Menschenrechte nicht zu sehr provozieren.

Birgit Weiss
00
13.12.2009, 21:31
Es war bislang ein Referendum in 166 (+2) Gemeinden

im "Bundesland" Katalonien, die Gemeinden organisierten selbst ihre Abstimmungen. Im März/April wird es weitere Referenden geben, vermutlich auch in Barcelona.
In den sonstigen katalanisch-sprechenden "Bundesländern" gibt es meines Wissens nach derzeit keine Initiativen dieser Art (in der Comunitat Valenciana dezidiert nicht), demnach auch nicht in Catalunya Nord.

Der Waehlerwille
 
11
13.12.2009, 20:01
warum nicht ein europa der regionen

dagegen spricht gar nichts.
ganz im gegenteil

viele kleine einheiten wären der garant für eine potente demokratisierung der EU und eine verschiebung hin zum EU parlamentarismus .. weg von den künstlichen ahistorischen nationalstaaten der heutigen zeit.

anders and
 
00
14.12.2009, 06:43
auch die Regionen sind inhomogen

Der heutige Nationalstaat sucht den Ausgleich zwischen verschiedenen Gruppen.
Bei den Regionen ist die Gefahr deutlich größer, dass die Mehrheitsbevölkerung die Minderheiten und die Fremden dominieren möchte.
Die haben sich dann in abstrusen Dialekten zu verständigen und sich allerlei kulturellemn Klimbim zu unterziehen, der angeblich ganz authentisch ist, in Wahrheit aber von ein paar eifernden Nationalisten zusammengeschustert wurde.
Diese Situation ist auch für alle "Abweichler" in der Mehrheitsbevölkerung alles andere als angenehm.

Der Waehlerwille
 
00
14.12.2009, 10:52
was sie beschreiben entspricht exakt dem gehabe der nationalstaaten ...

anders and
 
00
14.12.2009, 17:06
dem früheren Gehabe der Nationalstaaten

und dem jetzigen Gehabe von Regionen, die einen eigenen Nationalstaat anstreben, wie eben z.B. Basken und Katalonen...

nAK
34
13.12.2009, 20:00
Serbien wird die Autonomie vermutlich anerkennen.

Was den einen Recht ...

Ach, ich habe vergessen: Wer sich abtrennen darf und wer nicht, das bestimmt immer noch die NATO und die ihnen angeschlossenen Sendeanstalten und Zeitungshäuser.

Drago+
00
14.12.2009, 07:58

Warum sollte es? Spanien ist die iberische Version Jugoslawiens, oder wenn du willst: Jugoslawien war die südslawische Version Spaniens. Den Grund, einen Zerfall Spaniens herbei zu wünschen, hätten andere ex-jugoslawische Staaten. Mir persönlich ist lieber ein Spanien als 'zig iberische Kleinstaaten. Und die Katalonen haben eh alle Rechte, nur halt Spanier wollen sie keine sein. Aber Europäer können sie sein (da ein Argument: Erkennt unsere Sezession, und wir sind brav in der EU). Na so was, aber echt... Mir kommt das etwas widersprüchlich, aber okay, es ist auch nur meine Meinung.

Markus Bittner
00
13.12.2009, 21:47
tja dann....

.... müsste Spanien aus der NATO austreten :-)

HisHasH
04
13.12.2009, 21:39
wie kommen Sie denn darauf?

1.) geht es bei dieser abstimmung nicht um autonomie, sondern um (symbolische) unabhängigkeit;

2.) ist spanien eines der fünf eu-länder, welches die sogenannte unabhängigkeit des kosovo eben NICHT anerkannt haben.

außerdem: durch schnelle und voreilige anerkennungen hat sich bisher ein anderer (mitteleuropäischer) staat ausgezeichnet.

randy handsome
21
13.12.2009, 19:24
von den 7,5 mio einwohnern in katalonien....

....werden nicht mal 20% an dieser abstimmung teilnehmen. ein grossteil ist daran gar nicht interessiert, sondern hat andere probleme. der separatisumus ist von katalonisch-nationalistischen parteien provoziert und wird indirekt durch rechte spanische parteien wie die PP und diverse zeitungen wie ABC unabsichtlich gefördert. man muss sich nur das bespiel von laporta - dem präsidenten vom FC Barcelona - ansehen, der aus dem club ein politisches vehikel für seine zukünftigen pläne (eine rolle als politiker) missbraucht. er sagte wortwörtlich, dass der club politisch und "catalanista" sei. ihm ist dabei egal dass viele millionen spanier fans von diesem club sind. hier werden nur eigene interessen verfolgt.

deiml
21
13.12.2009, 18:26

ich frag mich was dieser nationalismus überall bringen soll. ist nur noch eine frage der zeit bis die kärntner abstimmen.

hcl
00
13.12.2009, 22:05

Im Falle Kärntens wäre ich ausnahmsweise einmal für eine Abtrennung. Was alle anderen Zwergenaufstände betrifft: Vollkommen bedeutungslos, der Einfluß der Regierungen geht sowieso zu Gunsten von Brüssel stetig zurück.

Guigui
413
13.12.2009, 18:43

Dieser permanente Österreichbezug wird langsam peinlich. Wenn man sich schon vor so viel vermeintlicher Kleinstaaterei sträubt, sollte man sich dann fragen, was Österreich von Deutschland überhaupt unterschiedet.

deiml
04
13.12.2009, 19:55

ehrlich gesagt mir ist es pipifax, ich lebe in europa. österreich, deutschland, frankreich, spanien oder baskenland, die unterschiede sind vernachlässigbar. reine kopfsache. hauptstadt berlin? mich würds nicht stören weil es sich eigentlich nicht viel ändern würde, nur ginge mit einigen dann der "nationalstolz" durch.

xyzabcdef
41
13.12.2009, 19:44

" ... sollte man sich dann fragen, was Österreich von Deutschland überhaupt unterschiedet ..."

Germanische Volkstümelei oder einfach Blödheit? AT und DE sind verschiedene Welten.

al valió
00
14.12.2009, 08:56
verschiedene Welten

genauso wie z.B. "Bayern vs. Preussen".

Dieses miefige Nationalstaatentheater hat sich hoffentlich bald überholt...

Raptor Jesus
00
14.12.2009, 07:57
Erklärs dem Ami

Deutschland = Union (Nordstaaten)
Österreich = Konföderierte (Südstaaten)

anders and
 
01
14.12.2009, 06:47

Bayern und Schleswig Holstein sind verschiedene Welten, genauso wie Sachsen und Rheinland Pfalz.
Österreich würde ja ganz gut in das deutsche Ländersammelsurium passen.

Auch Österreich ist nicht einheitlich. Vorarlberg und das Burgenland, Kärnten und das Waldviertel trennen Welten!

hcl
05
13.12.2009, 22:08

Das stimmt. Gegen die österreichischen spießigen Kleinbürger ist sogar der Deutsche noch ein Kosmopolit.

Fisch^^Fisch
43
13.12.2009, 18:53

1000 Jahre Geschichte.

hcl
04
13.12.2009, 22:07

203 Jahre Geschichte, um genau zu sein. Kaiser Franz hat 1806 die römische Kaiserkrone abgelegt.

Chien de Pique
00
14.12.2009, 01:22

203 minus 7, um noch genauer zu sein.

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