Glanzloser Klitschko-Sieg gegen einen "Feigling"

13. Dezember 2009, 10:08
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Schwergewichtsweltmeister aus der Ukrainer musste bei seiner Titelverteidigung gegen Kevin Johnson über die volle Distanz. Trainer Sdunek: "Feigling"

Bern - Nach dem Schlussgong wollte Witali Klitschko erst richtig auf Provokateur Kevin Johnson los. Weil er den Box-Weltmeister im Schwergewicht bis aufs Blut gereizt hatte, sollte der US-Herausforderer in der "13. Runde" unter Ausblendung von Regelwerk und Ringrichter seine Strafe erhalten. "Da bin ich schnell dazwischen und habe das verhindert", sagte Witalis jüngerer Bruder Wladimir Klitschko. So blieb es beim einstimmigen Punktesieg des 38-Jährigen (120:108, 120:108, 119:109) in einem zähen, langweiligen Gefecht vor rund 17.000 Zuschauern in der eiskalten Postfinance-Arena von Bern.

"Klimbim in Bern"

"Der hat mich die ganze Zeit provoziert. Ich war wütend", schimpfte der WBC-Champion. Nach Boxen sah die Darbietung nur selten aus, weshalb die Schweizer Zeitung "Blick" titelte: "Klimbim in Bern".

"Der wollte bloß überleben"

Trainer Fritz Sdunek winkte genervt ab: "So einen Feigling werden wir nicht noch mal boxen." Schon in der zweiten Runde war klar: Johnson wollte gar nicht gewinnen. "Der wollte bloß überleben", versicherte Sdunek. Über zwölf Runden trat der dickliche Amerikaner erfolgreich die Flucht an, tauchte mit dem Kopf fortwährend bis in Klitschkos Bauchhöhe ab, so dass dieser seine gefürchtete Rechte nie ins Ziel bringen konnte und häufig unbeholfen und einfallslos von oben herab auf Hinterkopf und Nacken des Rivalen drosch. Dazu redete Johnson unentwegt auf Klitschko ein und deutete immer wieder auf das eigene Kinn, das der Ukrainer doch nun endlich mal treffen möge. Kassierte er einen Treffer, lachte er Klitschko aus.

"Das war der unbequemste Gegner meiner Karriere", resümierte der Titelverteidiger und bekannte: "Ich wollte eigentlich vorzeitig gewinnen." Johnson ist nach dem Deutschen Timo Hoffmann im Jahr 2000 erst der zweite Boxer, der Klitschko über die volle Distanz von zwölf Runden zwang. 37 seiner nunmehr 39 siegreichen Kämpfe hat der promovierte Sportwissenschaftler durch K.o. entschieden. Für einen weiteren K.o. war Klitschkos Kampfführung diesmal zu statisch.

Johnson hatte sogleich eine Entschuldigung für seine Passivität parat: "Ich habe mir eine Ellenbogenverletzung zugezogen und konnte deshalb nicht wie geplant kämpfen." Mit gesundem Arm, so Johnson, hätte Klitschko schon "in der sechsten Runde dicke Augen" gehabt. "Ich bin überzeugt, das nächste Jahr bringt uns attraktive Kämpfe", befand Klitschko und forderte einen Titelvereinigungs-Kampf mit dem britischen WBA-Weltmeister David Haye. "Den letzten Titel wollen wir auch noch in der Familie Klitschko haben." (APA)

  • Über zwölf Runden jagte Weltmeister Klitschko Konkurrent Johnson durch den Ring, die Entscheidung brachten die Kampfrichter.
    foto: epa/ronald wittek

    Über zwölf Runden jagte Weltmeister Klitschko Konkurrent Johnson durch den Ring, die Entscheidung brachten die Kampfrichter.

  • Viele weltmeisterliche Ausholer, wenig Volltreffer in Bern.
    foto: epa/ronald wittek

    Viele weltmeisterliche Ausholer, wenig Volltreffer in Bern.

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