Zehntausende bei weltweiten Kundgebungen

12. Dezember 2009, 20:30
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Hunderte Festnahmen nach Ausschreitungen in Kopenhagen: Fensterscheiben des Außenministeriums eingeworfen

Kopenhagen/Sydney - Zur Halbzeit des Weltklimagipfels in Kopenhagen haben am Samstag weltweit zehntausende Menschen für einen besseren Umweltschutz demonstriert. In der dänischen Hauptstadt kam es am Rande der vorwiegend friedlichen und bunten Proteste zu Ausschreitungen; die Polizei nahm 400 Autonome fest. In Kopenhagen gingen nach Behördenangaben schätzungsweise 30.000 Menschen auf die Straße, in Australien demonstrierten 50.000 Menschen.

Die Großdemonstration in Kopenhagen verlief bis zum frühen Nachmittag friedlich. Eine Gruppe von 300 Menschen habe aber bereits kurz nach Beginn des Protestzugs zum Tagungszentrum des Klimagipfels Fensterscheiben der früheren Börse und des Außenministeriums zerstört und die Fassade einer Bank mit Steinen beworfen, teilte die Polizei mit. Um eine Eskalation zu verhindern, seien kurz darauf 400 Demonstranten festgenommen worden. Bei ihnen handle es sich um Mitglieder des gewaltbereiten Schwarzen Blocks. Sie seien vermummt und mit Steinen und Knüppeln bewaffnet gewesen.

Hubschraubereinsatz

Die Sicherheitskräfte waren nach Internet-Appellen von Organisationen in höchster Alarmbereitschaft: Über der Stadt kreisten unentwegt Hubschrauber. Tausende Polizisten sorgten entlang der Strecke für Sicherheit.

Bereits Stunden vor Beginn des von mehr als 500 Nichtregierungsorganisationen initiierten Demonstrationszugs hatten tausende Demonstranten der Kälte getrotzt, um die Staats- und Regierungschefs zum stärkeren Kampf gegen den Treibhauseffekt aufzufordern. Ein Teilnehmer warnte als Weihnachtsmann verkleidet vor den Folgen des Klimawandels: "Mein Rentier Rudolph kann das nicht länger ertragen", hieß es auf seinem Plakat. Andere Demonstranten hielten Banner mit der Aufschrift "Es gibt keinen Planeten B" oder "Ändert die Politik und nicht das Klima" hoch.

"Frage des Überlebens"

Der Klimawandel sei "keine Frage der Anpassung, sondern des Überlebens", sagte der Chef von Greenpeace International, Kumi Naidoo, in einer Ansprache. "Wir können die Wissenschaft nicht ändern, aber wir müssen die Politik ändern - und wenn das nicht geht, müssen wir die Politiker auswechseln", sagte Naidoo.

In Wien zogen am Nachmittag laut Exekutive 180 bis 200 Aktivisten durch Wien. Die Veranstaltung verlief vorerst ruhig. Unter dem Motto "Globaler Aktionstag - Klimaschutz" sammelten sich die Demonstranten in Wien ab 14.00 Uhr beim Westbahnhof. Gegen 15.00 zogen sie dann über Kaiserstraße, Lerchenfelder Straße und Stadiongasse in Richtung Innenstadt bis zum Parlament, dort war dann eine Abschlusskundgebung geplant. Vorerst gab es laut Polizei keine Zwischenfälle, auch verkehrsmäßig gab es keine gröberen Probleme.

Blaue Schuhbänder

In Australien zählten die Veranstalter rund 50.000 Demonstranten. Viele von ihnen trugen himmelblaue Schnürsenkel. In Kopenhagen müsse ein Vertrag geschlossen werden, der eine "gesunde Klima-Zukunft für uns alle" garantiere, sagte James Dannenberg, einer der Organisatoren. Ein Demonstrationszug formierte sich am Parlament in der australischen Hauptstadt Canberra, in Sydney und Melbourne waren jeweils mindestens 10.000 Demonstranten unterwegs.

In Hongkong verkleideten sich einige der Protestteilnehmer als Pandas. Andere trugen Rettungsringe mit der Aufschrift "Klimawandel tötet. Jetzt handeln und Leben retten". In der philippinischen Hauptstadt Manila trugen die Menschen rote T-Shirts als Zeichen für die "Alarmstufe Rot", in der sich die Klima-Verhandlungen eine Woche vor ihrem Ende ihrer Ansicht nach befinden. In Berlin wollten am Abend hunderte Menschen mit einer Lichterkette vor dem Brandenburger Tor für ein gerechtes und verbindliches Abkommen in Kopenhagen demonstrieren. (APA)

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    Die Polizei reihte hunderte Festgenommene auf der Straße auf

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