Rogue Warrior - zum Kopf-gegen-die-Wand-Schlagen

    12. Dezember 2009, 11:39
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    Jedes Lebewesen mit einem Intellekt, der über dem einer Amöbe liegt, kann diesem Spiel nur mit Grauen gegenüberstehen

    Gelegentlich sitzt man als Computerspieler fassungslos vor seinem Fernsehgerät. Und fragt sich, ob man eher die Konsole aus dem Fenster werfen oder mehrmals mit dem Kopf gegen die Wand rennen sollte. Ersteres aus Wut, Letzteres wegen der eigenen Dummheit, gutes Geld für ein grottenschlechtes Spiel ausgegeben zu haben.

    Spiel für Amöben

    Wer sich oder seinen Lieben diese Erfahrung ersparen will, sollte daher um gotteschristiwillen die Finger und Hände von Rogue Warrior (Bethesda Softworks, für Xbox 360, PS3 und PC, ab 40 Euro, ab 18 Jahren) lassen. Jedes Lebewesen mit einem Intellekt, der über dem einer Amöbe liegt, kann diesem Spiel nur mit Grauen gegenüberstehen. Der Inhalt: Ein US-Elite-Einzelkämpfer muss im Kalten Krieg nach Nordkorea und in die Sowjetunion - und umbringen, was sich bewegt. Oder besser, nicht bewegt.

    Gegner strotzen vor Dummheit

    Die virtuellen Gegner sind nämlich von einer derartigen Dummheit, die vielleicht vor zehn Jahren akzeptabel gewesen wäre, heute einfach nur ärgerlich ist. Vier Gegner stehen in einem Gang, sobald ein Feuergefecht startet, versuchen sie kaum in Deckung zu gehen und noch weniger, sich mit einem koordinierten Konterangriff zu verteidigen. Das ist die eine Variante. Die andere, spärlich gesäte, soll ein Stealth-Element bieten: Vier Gegner stehen in einem Gang mit dem Rücken zur ständig unmotiviert und derb fluchenden Hauptfigur, die sich anschleichen und ungestört einen nach dem anderen mit unnötig brutalen Animationen abschlachten kann. Dass Grafik, Sound und Treffergenauigkeit Mittelmaß sind, spielt da keine Rolle mehr.

    Call of Duty: Modern Warfare 2 für X-Mas

    Wer allerdings für männliche Angehörige mit einem deutlich überhöhten Testosteronspiegel noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, dem sei Call of Duty: Modern Warfare 2 (Activision, für Xbox 360 und PS3, ab 50 Euro, ab 18 Jahren) ans Herz gelegt. Bei diesem Spiel wirft man die Konsole höchstens aus dem Fenster, weil sie den Geist aufgibt, wenn man Stunden durchgespielt hat.

    Moralische Bedenken

    Dieser First-Person-Shooter bietet nicht nur sensationelle Grafik, sondern auch abwechslungsreiche Missionen - wer schon immer einmal mit einem Snowmobile mit Vollgas durch einen Wald jagen wollte, hat jetzt die Möglichkeit dazu. Wer moralische Bedenken hat, bei einem Massaker an Zivilisten zusehen zu müssen, kann diese eine Szene sogar überspringen - zumindest am Weihnachtsabend gehört sich das.(Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe vom 12./13.12.2009) Wieder ein virtueller Gegner völlig ohne künstliche Intelligenz weniger. Screenshot: Gamespot

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      Wieder ein virtueller Gegner völlig ohne künstliche Intelligenz weniger.

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