Ruprechts Kauf-Knechte

11. Dezember 2009, 22:32
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Laut der Umfrage finden 85 Prozent, dass man sich im Advent mehr um seine Freunde kümmern sollte. Das könnte man ja einmal ausprobieren

Die schrille Zeit der Verzweiflung ist ausgebrochen. Täglich neue Horrormeldungen über das Gedrängel, das Geschiebe in der Mariahilfer Straße und allen anderen Einkaufstempeln. Geschenk-Kauf-Willige, die schon am Eingang des Buch-Supermarktes angesichts des Konsum-Kuddelmuddels w.o. geben und wieder in die U-Bahn flüchten. Oder die stillen Leider, die bleichlings nach dem besinnlichen, bis zur Besinnungslosigkeit ausgekosteten Adventumtrunk ihren Kater kraulen.

Die Meldung vom Freitag kam daher kaum überraschend daher: Laut einer Umfrage von Marketagent online für den Fonds Gesundes Österreich hat für 78 Prozent der Befragten das Weihnachtsfest seinen Sinn verloren, hat der Konsumgedanke die Oberhand gewonnen. 38 Prozent denken beim Stichwort Christkindl nur noch an Fernreisen. 63 Prozent assoziieren den Advent mit dem Zwillingsbegriff: „Hektik und Stress".

Und jetzt stellen wir die Gegenfrage: Ja und? Wer treibt die Advent-Hektiker denn eigentlich in den Konsumstress? Wer zwingt Ruprechts Kauf-Knechte in den Shopping-Strudel? Der Jingle-Bells-Werbe-Terror? Oder ganz nüchtern das Pflichtgefühl, die marode Wirtschaft ankurbeln zu müssen? Oder vielleicht doch sie selbst?

Laut der Umfrage finden 85 Prozent, dass man sich im Advent mehr um seine Freunde kümmern sollte. Das könnte man ja einmal ausprobieren - wenn man alle Geschenke bei-einanderhat. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 12.12.2009)

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