Massenflucht im Nordwesten

11. Dezember 2009, 22:35
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Mehr als 40.000 Zivilisten wollen Kämpfen in Orakzai entkommen - Armee tötete zwanzig Aufständische

Peshawar - Die pakistanische Armee hat in den halbautonomen Stammesgebieten im Nordwesten des Landes nach eigenen Angaben zwanzig Aufständische getötet. Bei Luftangriffen auf die Dörfer Ghiljo und Mamoonzai im Verwaltungsbezirk Orakzai wurden am Freitag neun Rebellen getötet und zwei ihrer Verstecke zerstört, wie ein Sprecher der paramilitärischen Einheiten sagte. Nach UNO-Angaben sind mehr als 40.000 Zivilisten vor dem Militäreinsatz in Orakzai auf der Flucht.

Im benachbarten Bezirk Khyber wurden nach Behördenangaben bei einem Feuergefecht in dem Dorf Shalobar sieben Aufständische getötet. Weitere vier Rebellen wurden im Swat-Tal getötet, darunter war nach Angaben eines Armeesprechers auch der örtliche Rebellenanführer Bacha Akbar.

Bodenoffensive

Das pakistanische Militär hatte Mitte Oktober eine Bodenoffensive mit rund 30.000 Soldaten in der Stammesregion Süd-Waziristan gestartet, nachdem in den Monaten zuvor bereits Stellungen von islamistischen Aufständischen aus der Luft angegriffen worden waren. Die Region an der Grenze zu Afghanistan dient der pakistanischen Taliban-Organisation Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) und Kämpfern des Terrornetzwerks Al-Kaida als Rückzugsgebiet.

Im April hatte das Militär eine dreimonatige verlustreiche Großoffensive gegen die Taliban im Swat-Tal gestartet. Zuvor hatte die Regierung in Islamabad die Einführung der Scharia in der Region gestattet und damit eine Taliban-Kernforderung erfüllt. Die Kämpfe lösten eine Massenflucht der Bevölkerung aus. Die Regierung hatte ein Kopfgeld auf den fundamentalistischen Geistlichen Maulana Fazlullah ausgesetzt, der im Swat-Tal eine theokratische Herrschaft errichten wollte. Er hatte in einer Fatwa zum "Heiligen Krieg" gegen die Armee aufgerufen, der er Kollaboration mit den USA vorwarf. (APA)

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