Der falsche Ausstoß

11. Dezember 2009, 20:13
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Schon in der Woche davor schrieben wir über einen wilden Hund, der in einer Kunstaktion eine italienische Gefängniszelle bemalte

Beim Klimagipfel in Kopenhagen wird ja nicht viel herauskommen. Das jedenfalls erwarten die Kritiker. Sicher ist: Falls die Sache scheitert - die SPÖ wird man dafür nicht verantwortlich machen können. Wir haben die Weichen allerdings in diese Richtung gestellt, indem wir Umweltminister Nikolaus Berlakovich in der Umwelt-Schwerpunktausgabe am vergangenen Samstag der SPÖ zugeschlagen haben. Er gehört zur ÖVP - warum die SPÖ ins Spiel kommt, wenn ein Misserfolg droht, darüber könnte man lange räsonieren.

Möglicherweise haben wir mit dieser Ausgabe auch Debatten darüber ausgelöst, wie viel Treibhausgas-Emissionen in Österreich pro Kopf und Jahr wirklich freigesetzt werden. Die genannten 10,5 Tonnen sind die richtige Größenordnung. Allein mit dem Verkehrsaufkommen, wie angegeben, lässt sich das aber nicht erklären. 10.000 Kilometer Fahrleistung pro Jahr mit einem Auto, das 150 Gramm CO2 ausbläst, ergeben erst 1,5 Tonnen Schadstoffe. Der Rest kommt von Energie, Industrie, Landwirtschaft, Heizung und ein paar Dingen mehr.

Dank beherzter Änderungen im laufenden Druckprozess musste nur ein Teil der Leserschaft darüber grübeln, wie es kommen könnte, dass ein Chinese 5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr freisetzen - richtig sind 5 Tonnen. Und es sind auch 120 Gramm und nicht 120 Tonnen höchstmöglicher CO2-Ausstoß, auf die sich die Autohersteller mit der EU-Kommission geeinigt haben.

Das schmälert nicht die positiven Reaktionen, die wir auch auf diese Schwerpunktausgabe erhalten haben. Dafür haben wir besonders zu danken, es ist nicht selbstverständlich, dass man sich die Mühe macht und einer Redaktion mitteilt, dass man zufrieden war.
Lob macht uns auch verlegen, wie wir anlässlich eines Ministertreffens in Brüssel zeigten: „US-Außenministerin Clinton und ihr britischer Kollege Miliband im Nato-Rat. Beide loben sich gegenseitig." Unschön - wir werden in uns gehen und einander sagen, dass das sprachlich so nicht geht.

Schon in der Woche davor schrieben wir über einen wilden Hund, der in einer Kunstaktion eine italienische Gefängniszelle bemalte. Der Direktor der Alten Pinakothek in München, „offenbar ein Mann mit Tagesfreizeit", wolle dieses Kunstwerk erhalten. Klaus Schrenk, der Generaldirektor des genannten Museums, lässt wissen, dass er weder Tagesfreizeit noch mit der Sache zu tun habe. Angesprochen war Raimund Wünsche, Direktor der Glyptothek in München. (Otto Ranftl, DER STANDARD, Printausgabe, 12. Dezember 2009)

 

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