Georg Fahrenschon

11. Dezember 2009, 19:50
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Bayerischer Finanzminister und CSU-Kronprinz hat Kratzer im weiß-blauen Lack

Natürlich gibt es von Georg Fahrenschon auch Bilder, die ihm beim Mistschaufeln, Melken und Traktorfahren zeigen. So etwas ist für jeden CSU-Politiker Pflicht. Doch eigentlich ist das nicht die Welt des bayerischen Finanzministers.

Viel lieber umgibt er sich mit Zahlenkolonnen, beschäftigt sich mit Milliarden-Ausgaben und - noch lieber - Milliarden-Einnahmen. "Mit Zahlen lässt es sich fundiert und sachlich argumentieren", sagt er. Derzeit aber macht nicht einmal das Spaß. Als bayerischer Finanzminister ist Fahrenschon auch Eigentümer und Verwaltungsratschef der Bayerischen Landesbank und geriet somit voll in den BayernLB/Hypo-Alpe-Adria-Strudel.

Die Bank ist für ihn keine Unbekannte. Von 2000 bis 2002 war der Diplom-Ökonom selbst für sie tätig, zuletzt als Leiter des Fachreferats "Risiko- und Controllingprozesse". Doch nicht einmal die bayerische Opposition wirft ihm vor, dass er für das Debakel mitverantwortlich ist. Die Verlust-Geschäfte der BayernLB, der Kauf der Kärntner Hypo, all das geschah später - zu einer Zeit, in der Fahrenschon im deutschen Bundestag in Berlin saß.

Für eine CSU-Karriere ist das ein wenig ungewöhnlich. Meist müssen die Christsozialen ihre Ochsentour im Landtag beginnen. Doch Fahrenschon, da sind sich CSU und Opposition in Bayern einig, ist eben kein gewöhnlicher Politiker, sondern ein überdurchschnittlich begabter. Ob Erbschaftsteuer oder Budgeterstellung, dem 41-Jährigen aus dem oberbayerischen Neuried attestiert man hohes Fachwissen. Zudem gilt er als angenehmer Zeitgenosse. Der Vater zweier kleiner Töchter ist keiner, der im Bierzelt den "Haudrauf" gibt.

Als er 2007 zum Staatssekretär im bayerischen Finanzministerium ernannt wird, gilt er als Jungtalent. Ein Jahr später ist Fahrenschon Finanzminister und wird, nebst Shooting-Star Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), bereits als Kronprinz von CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer gehandelt. Der macht lange keinen Hehl daraus, dass er den Jungpolitiker aus dem mächtigen Landesverband Oberbayern für den besten Mann in seinem Kabinett hält.

Doch mittlerweile hat Fahrenschons weiß-blauer Lack Kratzer bekommen, weil er einen wenig schmeichelhaften Prüfbericht zum Kauf der Hypo zurückhielt. Dabei hatte er doch "schonungslose Aufklärung" versprochen. Wenn der Kronprinz das Debakel mit der Hypo nicht löst, dann kann er sich womöglich bald einen Job in der Privatwirtschaft suchen. (Birgit Baumann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.12.2009)

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    Im Bankenstrudel: Bayerns Finanzchef Georg Fahrenschon.

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