Endstation Stadtplanung

11. Dezember 2009, 19:48
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Ist in dieser Stadt oder bei der ÖBB schon einmal jemand auf die Idee gekommen, dass man Großprojekte auch koordinieren könnte

Nein, es ist nicht schade um den Wiener Südbahnhof. Gewiss - ein paar Erinnerungs-Wagons standen dort auf dem Abstellgleis: Der Aufbruch zum ersten Venedig-Trip, der Auftakt zum ersten selbstständigen Rom-Urlaub. Aber in den letzten Jahren war er abonniert auf den Titel des grindigsten Bahnhofs Österreichs. Und seit Jahrzehnten war er ein Monument einer hanebüchenen Stadtplanung - die eine U-Bahn-Linie einfach an ihm vorbeigebaut hatte.

Was aber noch lange nicht heißt, dass jetzt alles besser wird. Zunächst einmal muss man sich die Frage stellen, ob in dieser Stadt oder bei der ÖBB schon einmal jemand auf die Idee gekommen ist, dass man Großprojekte auch koordinieren könnte. Dass gleichzeitig am Süd- und Westbahnhof gewerkelt wird, kann man noch argumentieren. Denn wenn anstelle des Südbahnhofs der neue Hauptbahnhof eröffnet wird - schrumpft der Westbahnhof gleichzeitig auf die Funktion eines größeren Regionalbahnhofs. Aber dass man damit beginnt, während gleichzeitig noch am Bahnhof Wien-Mitte, dem dritten großen Knotenpunkt der Stadt, auf Hochtouren gearbeitet wird, löst Kopfschütteln aus.

Und mit dem Bau des neuen Terminals zwischen dem ehemaligen Süd- und Ostbahnhof wird zwar die alte Planungssünde ausgemerzt - der Ausgang rückt hinüber zur U1-Station am Südtirolerplatz. Aber dafür plant die Kommune die Verlängerung der U2 gleich wieder hintenrum am Bahnhof vorbei - und muss dann gleich noch einmal einen Batzen Geld für das Prestigeprojekt Cableliner in die Hand nehmen. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 12.12.2009)

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