Schwindel-Schnäppchen

Ein Penthouse für ein paar Euro

Julia Raabe , 11. Dezember 2009, 19:00
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    "Nun muss ich sicher wissen, ob Sie zustimmen, weil es hier viele Leute gibt, die ein Interesse an der Wohnung haben": Druck machen gehört zur Masche. Die E-Mails der Immobilienbetrüger sind meist standardisiert und weichen nur in einigen Details voneinander ab

Immer öfter tauchen auf Internetseiten spektakuläre Mietangebote auf, die gar nicht existieren

Wien - Die erste dieser Anzeigen ging bei wohnnet.at vor circa einem Monat ein. Eine schicke Wohnung in zentraler Lage, renoviert und bestens ausgestattet zu einem äußerst günstigen Preis. Dass etwas nicht stimmen konnte, bemerkte Geschäftsführer Peter Erlebach, als sich Kunden beschwerten: Es seien komische Antwort-Mails gekommen, auf Englisch, die verdächtig klangen. Erlebach schaltete die Polizei ein. Seitdem hat das Immobilienportal eine Warnung vor Internetbetrügern auf seiner Homepage. Jede Anzeige, die verdächtig erscheint, wird gelöscht.

Versuch einer Abzocke

Erlebachs Erfahrung ist kein Einzelfall. Betreiber anderer Immobilienportale berichten Ähnliches. Seit einigen Wochen finden sich auf österreichischen Webseiten Wohnungsanzeigen, die zu gut klingen, um wahr zu sein - und hinter denen meist kein Schnäppchen steckt, sondern der Versuch einer Abzocke. Beispiel: 50 Quadratmeter für 300 Euro monatlich, 65 Quadratmeter für 760 Euro, provisionsfrei, Betriebskosten inklusive, und das in der Wiener Innenstadt. Oder in Linz, Salzburg, Graz.

Kaution gefordert

"In dieser Form ist das für uns neu", sagt Rudolf Unterköfler vom Bundeskriminalamt in Wien. Die Masche ist immer dieselbe: Der angebliche Vermieter ist nur über e-Mail erreichbar. Er sei im Ausland, schreibt er dann auf eine Anfrage in nicht ganz perfektem Englisch zurück, in Manchester zum Beispiel oder Liverpool. Das mit den Schlüsseln ließe sich regeln, schnell und unkompliziert, über Firmen wie TNT oder DHL. Man müsse nur eine Kaution überweisen, etwa über Western Union oder Money Graham. Als Treuhänder fungiere der Zustelldienst. Das Geld bleibe geparkt, bis man die Wohnung besichtigt habe. Dann könne man entscheiden, bekomme bei Nichtgefallen das Geld zurück.

Keine Treuhanddienste - Geld wird sofort abgehoben

Nur: Unternehmen wie TNT oder DHL bieten solcherlei Treuhanddienste gar nicht an. In Wahrheit wird das Geld abgehoben, sobald es einbezahlt ist, wie Ernst Neuner von der Kriminalpolizei in München sagt. In Deutschland und in der Schweiz ist das Phänomen schon länger bekannt. Seit Mai habe es in München "eine Unzahl an Mitteilungen" und 30 Anzeigen gegeben, sagt Neuner. In acht Fällen ist Geld bezahlt worden. Gesamtschaden: 7600 Euro.

Viele Anzeigen

Auch Martin Sorg von der Kantonspolizei Zürich spricht von "etlichen Fällen", die bekannt seien. "Wir haben wenig Geschädigte, aber viele Interessenten, die die Polizei informiert haben, weil sie stutzig geworden sind." In Österreich liegen derzeit zwei Anzeigen vor, wie Unterköfler sagt.

Täter agieren international

Über die Täter ist wenig bekannt. "Wir haben Hinweise, die nach Rumänien deuten", sagt Neuner von der Kripo München. Sorg aus Zürich spricht von einer möglichen "neuen Art der sogenannten Nigeria-Connection." Als sicher gilt, dass sich es um organisierte Gruppen handelt. Ermittlungen laufen, doch sie sind schwierig, weil die Täter international agieren und die Schadenssummen vergleichsweise niedrig sind.

Spuren führen überwiegend nach Großbritannien

Die unmittelbaren Spuren führen überwiegend nach Großbritannien, wie Neuner sagt. Von dort wird das Geld weitertransferiert. In einigen e-Mails nannten die angeblichen Vermieter aber auch Griechenland oder die Türkei als ihren Wohnort.

Bilder teilweise aus anderen Portalen heruntergeladen

Die Anzeigen werden häufig am Abend geschaltet oder zu Beginn des Wochenendes. Viele Portale kontrollieren ihre Inserate und löschen verdächtige Anzeigen. So bemerken sie diese aber erst am nächsten Tag oder am Beginn der neuen Arbeitswoche, wenn viele Leute schon darauf reagiert haben. Die Wohnungen existieren nicht oder die Inserate sind abgekupfert, die Bilder werden teilweise aus anderen Portalen heruntergeladen.

"Präventiv kann man sehr wenig machen - nur davor warnen, sich auf so etwas einzulassen", sagt Unterköpfler vom Bundeskriminalamt. Denn allein das Inserat, also die "Vorbereitungshandlung zum Betrug", sei nicht strafbar.

Vorsicht mit den Daten

Sein Kollege Claus Kahn rät zur Beachtung einer Grundregel: Know your customer. Den Vermieter persönlich zu sehen und sorgsam mit den persönlichen Daten umzugehen, sei eine der Grundvoraussetzungen. Komme einem der Vermieter unseriös vor, solle man den Kontakt abbrechen. Verdächtige Inserate solle man bei der entsprechenden Internetseite melden. Und wenn man trotzdem betrogen worden ist: eine Anzeige bei der nächsten Polizeistation. (Julia Raabe, DER STANDARD Printausgabe 12.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 54
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Turne
00
Deppensteuer

Habe gerade 2 Tage mit einem Freund verbracht, welcher eine Wohnung gegen Anzahlung gemietet hat :-) Rückblickend hat klar die Gier über die Vernunft gesiegt... Komplettaussetzer!

WEr übrigens meine Wohnung kaufen will (WErt 200.000.-) kann diese um 150.000.- haben. Plies Mani in advance to mai bank account in swizerland :-)))

kruazimuageli
00
26.2.2010, 18:00
hier geht's um was anderes

die betrügerInnen sitzen anderswo. hier geht's darum, überhöhte mieten bei der (entstehenden) unterschicht salonfähig zu machen/halten

bb' s
00
21.1.2010, 14:24
bitte aufpassen

bin grad auf wohnungsuche in wien - diese verrueckten anzeigen tauchen zur zeit auf allen websites auf..

Max Edwin
03
21.12.2009, 19:45
just ju send jor monni to me in albania - äh - manchester of course.

mi perfact englisch is well the pruf for that what i am from manchester, or dont ju biliv mee?

fizcerraldo kinski
00
15.12.2009, 20:02

also 760 euro für 65 quadratmeter find ich jetzt nicht so übertrieben günstig...

mehr zahl ich im 7 en auch nicht.

Wolf X
04
21.12.2009, 19:17
Womit bewiesen ist,

dass der 7te nicht mehr zur "Wiener Innenstadt" zählt.

Toni Blaher
 
00
21.1.2010, 22:33

Im Text steht aber "... und das noch im 1."-> Heißt normal ist das schon billig...

perau1
 
00
13.12.2009, 20:44

.... und der standard nimmt bezahlte anzeigen dieser qualität an, siehe anzeige-nr. 723399.

Ro_bert
00
13.12.2009, 14:51

Eins hat die Aktion bewirkt: jedermanns Hausverstand ist jetzt klar daß Billigangebote unseriös sind.
Als ob der Trick nur mit Billigangeboten möglich wäre.

Vielleicht gehts ja doch um mehr als 7600 Euro - eine gezielte Aktion um Nobelmieten salonfähig zu machen? Das würde beim derzeitigen öffentlich geförderten Bauboom und daher drohendem Preisverfall durchaus Sinn machen.

Round Robin
 
00
13.12.2009, 13:05
Money Graham?

Money Grany heisst die Firma jetzt

Bei mir hats gebrannt
02
13.12.2009, 09:44
@Foto

Aber jetzt zur Sache: Kann ich die dargestellte Wohnung mieten? Wohin muss ich überweisen, um an die Schlüssel zu kommen?

Schnurz Homunculus
08
13.12.2009, 14:10

BTV (Bank für Tirol und Vorarlberg)
Kontonr. 100 354 470
BLZ (Bankleitzahl) 16 000

Dann haben wenigstens Kinder eine Wohnung.

(=SOS Kinderdorf)

AlliGator
02
13.12.2009, 01:08

Auf willhaben.at werden auch teure Rassekatzen direkt vom Züchter angeboten.

Die Tiere werden nach Bezahlung über WU per Post im Paket aus Kamerun nach Wien geschickt.

Wäre ja neugierig, ob auf den Schmäh auch schon jemand hereingefallen ist...

Jane Lane
 
00
13.12.2009, 03:03
Unpackbar viele!

Als wir nach einem Hund von privat gesucht haben wurden wir a) mit diesen mails von angeblichen englischen "Züchtern" von M0dekötern zugeb0mbt und b) haben in den kijiji-foren duzende Beiträge von Leuten gelesen die ernsthaft darauf reingefallen sind O-0

geek-squad
00
13.12.2009, 00:57
nicht einmal englisch könnens

... peoples heißt völker ....
"Nun muss ich sicher wissen, ob Sie zustimmen, weil es hier viele VÖLKER gibt, die Interesse an der Wohnung haben" muhahahah

Ui Jessasna
00
20.1.2010, 14:42
äh-äh-

..und "peolpes" in Mehrzahl natürlich "Völker", tschuldigung, hast recht ;)

Ui Jessasna
00
20.1.2010, 14:15
äh-äh-

"people" heisst aber heisst aber auch "Menschen", "Leute", "Personen", in Mehrzahl.....
"The office accomodates four people" - "Das Büro bietet Platz für vier Personen (Mensche, Leute)"

teh_pwnerer
03
12.12.2009, 17:16
Darwin ist nicht tot, er wohnt jetzt bloß in Nigeria.

Allmächtiger Satan
31
12.12.2009, 17:07

Die Inserate lassen sich sicher über die Karibik zur Bawag Immobilienabteilung zurückverfolgen.

Mucius Valerius Scapula
18
12.12.2009, 14:12

Funktioniert halt immer wieder, mit der Gier das Hirn des pfers zu übertölpeln. Wurscht, ob das der kleine Depp ist, der glaubt, es ist in Ordnung, eine 'Kaution' per Western Union an einen Unbekannten zu überweisen oder um Bankmanager, die sich hochgradig undurchschaubare Wertpapiere andrehen lassen, weil vorne ein hoher Prozentsatz draufsteht.

99 Prozent aller Betrügereien funktionieren so. Und genau so viele könnte man mit ein bisschen Nachdenken vermeiden.

Heavyweather
40
12.12.2009, 11:30

Die Polizei strengt sich einfach nicht genug an gegen solchen Betrug vor zu gehen.
Finde ich aber nicht so schlecht...wer auf so etwas reinfällt soll nicht auch noch Steuergeld verschleudern...
Wenn die dann irgendwo einsitzen würden wäre es noch teurer.

Ihr Beitrag wird in Kürze veröffentlicht
00
12.12.2009, 15:29

also sollte die polizei ihrer meinung nach gleich einmal prophylaktisch gegen solche gauner vorgehen - mit netz-bespitzelung, allgemeiner überwachung etc.?
uijegerl, liebe(r) heavyweather, da tät aber der grosse katzenjammer ausbrechen, gell?

monella laputa
45
12.12.2009, 08:45
sobald man western union

liest kann man fast mit 100%-iger Sicherheit davon ausgehen, dass das Verbrecher sind.

Warum jedoch Western Union überhaupt noch agieren darf ist mir unverständlich, wo doch sonst jeder Geldtransfer akribisch aufgezeichnet, durchspioniert und ausgeforscht wird.

Insofern sind solche schmutzigen Geschäfte leicht zu erkennen.

Club-der-dichten-Toten
07
12.12.2009, 12:51

So wie alles im Leben hat auch Western Union zwei Seiten. WU ist perfekt geeignet dafür, weltweit Geld zwischen *einander bekannten* Personen schnell und sicher zu übermitteln. Du zahlst es hier ein, übermittelst beispielsweise per SMS oder e-Mail die Daten an dein Kind, das in den USA durch einen Verlust sämtlicher Dokumente und Kreditkarten am Trockenen sitzt, und binnen *Minuten* kann das Geld über dem großen Teich behoben werden.

Dass man beim Bezahlen irgendwelcher Leistungen an nicht bekannte Menschen WU NICHT verwenden soll, ist allerdings auch klar.

Dante Alighieri
01
12.12.2009, 15:28

Exakt -- und auch bei remittances in Entwicklungsländer ist Western Union unverzichtbar. Viel schneller (sprichwörtlich Minuten!), sicherer und teilweise auch weniger teuer als eine "normale" Überweisung.

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