Autobahnbau sprengt Kostenrahmen

11. Dezember 2009 18:02
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    Grafik: Hitparade der Kostenüberschreitungen beim Autobahnbau 2007 bis 2009

Seit 2007 wurden die Planungen um zwei Milliarden überschritten

Der zwecks Belebung der Konjunktur forcierte Ausbau von Autobahnen und Schnellstraßen wird selbst eine Baustelle. Die Kosten laufen aus dem Ruder, seit 2007 wurden die Planungen um zwei Milliarden überschritten.

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Wien - Der Streit um die Kosten für die Verlängerung der Wiener Südosttangente von Hirschstetten zum Flugfeld Aspern ist nur ein Vorgeschmack. Schlagabtausche wie der zwischen dem Land Wien und dem Autobahnbauer Asfinag, also dem Bund, wer für die Kostenexplosion beim geplanten Bau der A23 von 384 Mio. Euro auf bis 1,2 Milliarden Euro verantwortlich ist und für die Mehrkosten aufkommen wird müssen, werden sich in den nächsten Monaten zwischen Bund und Bundesländern wiederholen.

Denn die Autobahnen- und Schnellstraßengesellschaft Asfinag ist mit Mehrkosten konfrontiert, die weit über das Konjunkturankurbelungspaket hinausgehen. Das auf 8,6 Milliarden Euro aufgestockte Autobahnbauprogramm bis 2014 ist völlig aus den Fugen geraten. Allein zehn Schlüsselbauprojekte (siehe Grafik) haben sich seit dem im März 2007 unter dem damaligen Verkehrsminister Werner Faymann fixierten Ausbauprogramm massiv verteuert.

Über zwei Milliarden an Mehrkosten

Gemessen an dem im März 2007 fixierten Bauprogramm, das nach einer Bundesländertour des Verkehrsministers fixiert worden war, haben sich die geplanten Kosten der Projekte um mehr als zwei Milliarden Euro erhöht.

Die Linzer Stadtautobahn A26 zum Beispiel wird mittlerweile mit 785 Mio. Euro in den Planungsbüchern geführt, das sind um 161 Mio. Euro mehr als 2007 eingestellt worden waren.

Bei der S7, der Fürstenfelder Schnellstraße von Riegersdorf nach Heiligenkreuz an der Grenze zu Ungarn ist mit 75 Millionen Euro an Mehrkosten zu rechnen. Teuer kommen insbesondere Lärmschutz- und Umweltmaßnahmen wie jene an der Inntalautobahn A12 in Amras bei Innsbruck: Sie wird statt mit zehn Mio. Euro mittlerweile mit 54 gehandelt.

"Die Projekte sind nicht mehr miteinander vergleichbar", weist man bei der Asfinag den Vorwurf der Verfünffachung der Kosten in Amras zurück. In den 54 Millionen Euro seien Tunnels um 27 Mio. Euro enthalten (bei denen das Land Tirol mitzahle), Brücken- und Belagssanierungen inkludiert sowie ein Pannenstreifen, eine Verzögerungs- und eine Beschleunigungsspur. Der Vorwurf gehe also ins Leere, denn die Budgeterhöhungen seien teils durch Umweltverträglichkeitsprüfungen bedingt, teils durch neue Bestellungen und Erweiterungen - alles vom Eigentümer durch die Bank abgesegnet, versichert man weiter.

Tauernautobahn als Geldloch

Spitzenreiter bei ausufernden Kosten ist mit Abstand die Tauernautobahn A10. Der Streckenabschnitt von Radstadt bis Gmünd in Kärnten sprengt alle Kostenschätzungen. Er wird - nicht nur wegen der zweiten Röhren für Tauern- und Katschbergtunnel und der Sanierung des Bestandstunnels, sondern vor allem wegen umfangreicher Einhausungen und Kilometern an Lärmschutzwänden - längst nicht mehr auf 939 Millionen Euro taxiert, wie vor zwei Jahren kalkuliert. Mittlerweile ist bei Asfinag-Insidern von 1,9 bis zwei Milliarden Euro die Rede.

Auch hierzu wollten die Asfinag-Vorstandsdirektoren Alois Schedl und Klaus Schierhackl am Freitag nicht Stellung beziehen. Die Mehrkosten seien die Folgen von Umweltschutzmaßnahmen, Lärmschutz, zusätzlichen Bestellungen und Ortsumfahrungswünschen. Diese Verteuerungen seien von den Gremien abgesegnet, man habe die Mehrkosten nie verheimlicht. Geänderte Trassenführung sei immer teurer, ursprüngliche Annahmen träfen nicht mehr zu.

Faktum ist: Vom zehnprozentigen Sparprogramm, das der nunmehrige Bundeskanzler verordnet hat und mit dem im Sommer 2007 der Rauswurf des damaligen Dreiervorstands begründet worden war, ist beim Straßenbauer Asfinag mit seinen elf Milliarden Euro Verbindlichkeiten nicht viel übrig.

Im Gegenteil, die Mauteinnahmen sinken aufgrund der Wirtschaftskrise. Heuer muss die Asfinag mit 140 bis 150 Mio. Euro weniger Ertrag rechnen. Netto fällt das Finanzloch nicht so tief aus, weil teils variabel verzinsten Kredite und Anleihen einen Zinsvorteil von 50 bis 60 Millionen Euro verschaffen. Nun wird über Verschiebungen nachgedacht: Erster Kandidat dafür: Die Klagenfurter Schnellstraße S37, sie wird 1,4 Mrd. Euro kosten statt 915.   (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.12.2009)

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Schlappstruller
 
11.02.2010 02:36
Jetzt heult mal nicht

Hier ( in D-Land ) wird jedes Bauprojekt am Ende um 30% teurer wie geplant. Warum soll das bei euch anders sein?

focus
17.12.2009 07:06
wenn...

... es manche Herrschaften der Politik behirnen würden, daß man dem zunehmenden Verkehr auch dahingehend begegnen kann, indem man Bahnstrecken ausbaut und damit deren Konkurrenzfähigkeit zum Auto steigert, bräuchte man nicht eine Autobahn nach der andren in die Gegend betonieren.
Aber solang Bahnstrecken großteils eingleisig und/oder unelektrifiziert sind, gleichzeitig die Infrastruktur lässige 60-80km/h zulässt, am Wochenende viell. auch nur alle heiligen Zeiten mal ein zug Kommt, wird weiter das Auto dominierend sein und bleiben.

Rudolf Christian Bauer
13.12.2009 18:46
Verfahrensbeschleunigung

Der Ruf nach guter Infrastruktur verhallt nie. Er kommt immer wieder, wie ein Echo. Der Artuikel zeigt klar auf, woran es fehlt, nämlich an der Beschleunigung der Verfahren. Es kann nicht sein, dass Umweltverträglichkeitsprüfungen wichtige Projekte für Straße und Schiene jahrelang aufgehalten werden. Selbst ernannte "Bürgeranwälte" reden offiziell für die Interessen der angeblich "geschundenen" Bürger und vertreten in Wahrheit kanllhart nur ihre eigenen Interessen. Die Politik und damit die ASFINAG und die ÖBB müssen notgedrungen reagieren. Man muss sich schon im Klaren sein: politische Lösungen sind IMMER teurer als Sachlösungen.

Wolfgang Lederbauer1
14.12.2009 21:43
Umweltverträglichkeitsprüfungen-Wo bleiben die Varianten?

Warum werden bei bestimmten Projekten nicht rechtzeitig alternative Lösungen gesucht? Es gab zum Bsp. bei der Nord - Ostumfahrung von Wien sogar ein Bestimmung, wonach die Bieter ausgeschieden werden, wenn sie eine andere - billigere und ökonomisch sowie ökologisch optimale - Lösung anbieten. Bei diesem Projekt wurden drei kilometerlange Tunnel vorgesehen, die gar nicht notwendig gewesen wären, wenn man andere Lösungen rechtzeitig berücksichtigt hätte. Es liegt also alles an einer eindimensionalen Planung, die besser und billigere Lösungen von vornherein verhindert. Näheres http://so-for-humanity.com2000.at unter SFH-529, SFH-644-01, SFH-0644-02, SFH-0644-03.

Hr. Wolf
13.12.2009 18:43
aus 384 Mio. werden 1,2 Mrd. ...?

Wenn ich mir so etwas als Geschäftsführer einer kleinen Firma erlaube, werde ich wegen fahrlassiger Krida verurteilt. Bei der ASFINAG gibt`s eine tolle Abfertigung für diese Leistung.

Rudolf Christian Bauer
13.12.2009 18:50
's wird wohl einen Grund haben

warum Verkehrsminister Faymann das Management abberufen hat, oder?

Nomicom
13.12.2009 13:35
Unverständlich

wieso dieser Bericht im Wirtschaftsteil so weit unten eingeordnet wird.
Es kann doch nicht sein, dass der Staat einfach so 2 Milliarden in einem "veraltetem" Verkehrssystem wie der Autobahn versenkt, und dann nicht mindestens so viel Beachtung schenkt wie der Hypo.

Misswirtschaft im Staat ist scheinbar einfach schon zu alltäglich, das noch irgendjemand diesem Thema Beachtung schenkt.


trockenes brot
13.12.2009 11:30

billig anbieten und teuer ausführen normaler ausschreibungsbetrug halt

locken
13.12.2009 11:21
Die Abfertigungen der Manager war auch nicht Ohne.

Wolfgang Lederbauer1
13.12.2009 09:55
Begrünte Dämme bzw Begrünte Lärmschutzwände. Warum wurde diese Innovation abgeblockt?

Zu den Kommentaren:
"Früher war z.B. die W- Autobahn mit Dämmen begleitet, die bepflanzt waren, wunderschön!"
" Der Lärmschutz ist mit einem Damm genausogut erreichbar. Die Begrünung reduziert sogar die Schadstoffbelastung für die Umgebung."

Die Fakten:
Begrünte Dämme, Begrünte Lärmschutzwände sowie begrünte Überbauungen wurden in Österreich entwickelt und erhielten 1994 einen Preis des Staates Kalifornien. In Österreich wurde diese ökonomisch und ökologisch optimale Innovation, die auch für tausende Arbeitsplatze im Umweltbereich hätte sorgen können in einer konzertierten Aktion blockiert. Näheres: http://so-for-humanity.com2000.at unter SFH-280-368 und SFH-280-369 etc.

yes2bertl
13.12.2009 08:35
Welche Logik steht hinter dem Gedanken

weiter Autobahnen zu bauen. Der Individualverkehr im heutigen Ausmaß ist Geschichte- in 10 Jahren.
Heute hat man wieder den Eindruck - Politik als Gestaltung verstanden - gibt es nicht mehr.
Politik ist wieder Interessensvertretung einer schmalen
Schicht die sich selbst als Elite bezeichnet, Abschaum ist treffender.

JosyH1
13.12.2009 03:30
Man vergleiche die Beträge mit jenen, über die jetzt für den globalen (!) Klimaschutz diskutiert wird.

Da stimmen die Relationen sowas von überhaupt nicht...

luchmhor
12.12.2009 21:51

Aber die Strassen werden ja angeblich komplett von den armen Autofahrern erhalten. Das Ganze ist ja überaus kostendeckend, sodass aus der Mineralölsteuer noch viele, viele andere Sachen mitfinanziert werden.

Ich muss gleich eine Spendenaktion starten.

Johann Stocker
 
12.12.2009 21:07
Umwelt -und verkehrspolitischer Wahnsinn

Politiker die mit ihrem Latein am Ende sind, ein Verkehrsministerium mit Konzepten aus den 70er Jahren, eine ASFINAG mit einem angehäuften Schuldenberg für unsere Nachkommen sollte man endlich in die Schranken weisen. Wir leben nach dem Motto "Fahr heute - bezahl morgen".

Habitat 74
12.12.2009 19:27
Verkehrspolitisches Paläozoikum

Der offensichtliche Drang vieler PolitikerInnen hierzulande, noch mehr Autobahnen und Schnellstraßen in die Landschaft zu asphaltieren entspringt dem verkehrspolitischen Paläozoikum. Der Straßenverkehr ist in Österreich hauptverantwortlich für das Nichteinhalten der Kyoto-Ziele und das kommt teuer. Neben den Bau- und Betriebskosten der Straßen fallen für die SteuerzahlerInnen auch noch die Ausgleichszahlungen für CO2 Zertifikate an. Aber was macht schon eine läppische Mrd. Euro mehr beim Fenster hinaus?

FrostY Iceberg
12.12.2009 16:19

Hat Unterstinkenbrunn schon einen eigenen Autobahnanschluss? Solange nicht jedes Einfamilienhaus Autobahnanschluss hat wird weitergebaut.

Chrifa
13.12.2009 16:44
Einen Autobahnanschluss noch nicht,

aber einen Kreisverkehr!

affdsewrq
12.12.2009 15:55

Autofahrer haben fast überall mindestens 2 Spur (für beide Fahrtrichtungen), meistens 4 Spuren oder noch mehr zur Verfügung.
Bei den Bahnfahrern gibts immer nur maximal 3 Spuren, und manchmal nur eine Spur für beide Fahrtrichtungen. Da gehört was gemacht!

Was mich auch ärgert: Es gibt keine Schnellverbindungen in Wien. Warum gibt es nicht auch schnelle U-Bahnen, die nur zu den wichtigsten Knotenpunkten fahren? so wie bei den Bahnen, gibts auch schnelle und langsamere Verbindungen. >> U-Bahnen kann man abschnittweise genauso 3-spurig machen.

656731
13.12.2009 13:32
Schnell u-Bahnen in Wien ???

Liegt vielleicht daran, dass die Streckenlängen in Wien nicht lang genug sind um so etwas sinnvoll einzusetzen (ist nur sinnvoll in sehr großen Städten, z.B., wie bereits unten angeführt, in New York). Es wäre in Wien einfach sinnlos eine noch höhere Ebene (als U-Bahn / Schnellbahn - zweitere liegt eigentlich sowieso eine halbe Ebene über der U-Bahn da die Stationsabstände größer sind) einzuführen.

luchmhor
12.12.2009 21:53

Leider wirklich sauteuer. Und mir ist ein Fast-Metro System nur in New York untergekommen. Wobei die dort sogar 3 stöckig fahren.

affdsewrq
12.12.2009 15:49

im Vergleich zu den Ausgaben im Straßenbau sind 34 Millionen für die Unis gar nichts

one coin, two sides
 
13.12.2009 01:10
Vielleicht brauchen wir eine UNFINAG?

Möglicherweise haperts nur an der richtigen Ausgestaltung der Finanzierung.
Wären nämlich die Studenten noch lauter, dann würde auch in "Lärmschutzmaßnahmen" investiert...

Roter Meerrettich
12.12.2009 12:55
Vermutlich ...

...sitzen im Vorstand der Asfinag Unfähige oder Verbrecher oder auch unfähige Verbrecher oder ehemalige Politiker

FrostY Iceberg
12.12.2009 16:20

Jedes Bundesland hat natürliche eigene Verantwortliche und Koordinatoren.

Chanandelar Bong
12.12.2009 12:45
Jetzt wundert es mich nicht mehr,

dass Wien und Umgebung die dreifachen Pro-Kopf-Autobahnzentimeter von Los Angeles hat. Und das mag, bitte schön, was heißen.

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