Verdacht der Untreue

Explosives Geschenk, das keiner haben will

11. Dezember 2009, 17:41
  • Artikelbild
    foto: apa/eggenberger

    "Wir stehen erst ganz am Anfang unserer Arbeit; der Personenkreis, gegen den ermittelt wird, wird jetzt eruiert", heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft.

  • Artikelbild
    vergrößern 500x788
    grafik: standard

Die Hypo Group Alpe Adria ist nun auch ein Fall für die österreichische Justiz, sie ermittelt wegen Verdachts auf Untreue und Betrug gegen Hypo-Verantwortliche

Die Hypo Group Alpe Adria ist jetzt ein Fall für die Justiz. Die Klagenfurter Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eröffnet und führt (teils wegen anonymer Anzeigen, teils aus eigener Initiative) Ermittlungen gegen Verantwortliche der Hypo Group wegen des Verdachts der Untreue und allenfalls wegen Betrugsverdachts. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Helmut Jamnik, auf Anfrage des STANDARD: "Wir stehen erst ganz am Anfang unserer Arbeit; der Personenkreis, gegen den ermittelt wird, wird jetzt eruiert."

Zu vermuten ist, dass (wie in München) auch der Verkauf der Hypo Thema sein wird; die Hypo ging ja 2007 mehrheitlich an die BayernLB. Im Dezember 2006 war die Investorengruppe Tilo Berlin eingestiegen, sie hat in drei Stufen gekauft (zum 1. Juni 2007 auch 16 Prozent der Hypo-Anteile der Grawe; ein Teil des Kaufpreises dafür wurde günstig von der BayernLB kreditiert) und beim Weiterverkauf an die Bayern brutto rund 160 Mio. Euro verdient. Federführend beim Verkauf waren damals neben Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ), Landesholding-Präsident Josef Martinz (ÖVP) und Berlin auch der Chef des Hypo-Aufsichtsrats, Ex-Bankchef Wolfgang Kulterer. Kulterer, heute Investmentbanker und Vorstandsmitglied der Flick Privatstiftung, lebt auf seiner Pferdefarm in England und ist auch im Immobiliengeschäft recht aktiv.

Riesiger Betrugsschaden

Um die Zukunft der sechsgrößten österreichischen Bank wurde am Freitag weiter heftig gezerrt und gerungen. Ausgangslage: Die Hypo braucht baldigst rund zwei Mrd. Euro frisches Kapital. Das Asset-Screening der Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers hat einen Wertberichtigungsbedarf von bis zu 1,7 Mrd. Euro ergeben - dazu könnten aber noch 300 bis 400 Mio. Euro als Folge betrügerischer Handlungen im Leasinggeschäft in Südosteuropa kommen. In dem Moment, in dem die Wertberichtigungen bilanziert werden, würde die Eigenkapitalquote der Bank auf 3,8 Prozent abstürzen - das gilt es zu verhindern. Ein Hypo-Aufsichtsrat: "Von diesen Problemen und Risiken haben wir nie etwas gehört, wir dürften über Jahre hinweg belogen worden sein."

Laut dem ans Ministerium übergebenen "Positionspapier" des Vorstands der Bank unter Franz Pinkl (er hat sich noch nicht zu Wort gemeldet) rechnet man für heuer mit einem Verlust von 1,45 Mrd. Euro, 2010 mit 109 Mio. Der Vorstand hat sich unter dem Titel "Change of mind" vom "Expansionsmodell" abgewandt und konzentriert sich nun laut dem Papier auf die "Kernländer" Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Serbien; das Kreditvolumen soll um sieben Mrd. Euro reduziert werden.

Der neue Geschäftsplan lässt sich freilich nur unter recht positiven Bedingungen realisieren, etwa wenn "die Märkte in Südosteuropa die Wirtschaftskrise bis Ende 2011 überwinden", sich "das Risikoprofil der Gruppe" wirklich reduzieren lässt oder sich "der Nichtkern bis 2013 abbauen lässt" , heißt es in dem Geschäftsplan für die Jahre 2009 bis 2013.

Die Realisierung all dieser Pläne setzt aber voraus, dass die österreichische Regierung mit den Eigentümern BayernLB, Kärnten (rund zwölf Prozent) und Grawe (rund 20 Prozent) auf einen grünen Zweig kommt. Wie berichtet, wollen sie alle kein Geld in die Bank einschießen, die Bayern wollen der Republik ihren Anteil schenken oder um einen symbolischen Euro verkaufen - was wiederum Pröll ablehnt.

Die Zeit drängt

Der Zeitdruck ist hoch: Spätestens bis Sonntagabend muss eine Lösung gefunden sein, um die Kunden nicht weiter zu verunsichern. Wahrscheinlichste Variante ist eine (Teil-)Verstaatlichung. Möglicherweise wird das Institut in eine "good bank" und eine "bad bank" zerschlagen; an Letzterer könnten die bisherigen Aktionäre beteiligt bleiben, was als Eigentümerbeitrag gewertet werden könnte.

Die Pleite der Bank gilt als höchst unwahrscheinlich - die Folgen wären verheerend, nicht nur für das Land Kärnten (haftet mit rund 19 Mrd. Euro) und den Bankplatz Österreich, sondern auch in Südosteuropa. Dort würde der Ausfall der Hypo (hält etwa in Kroatien 38 Prozent Marktanteil) zu einem gerüttelt Maß an Problemen führen - mit Ausstrahlung auf die anderen dort aktiven österreichischen Banken. Dieser Ansicht haben sich zuletzt auch sozialdemokratische Regierungsvertreter angeschlossen, die das Fallenlassen der Ex-Landesbank zuvor als mögliches Exit-Szenario angesehen hatten.

Finanzminister Pröll hat die Aktionäre (sie haben ihre Hauptversammlung unterbrochen) daher ab Freitag 14 Uhr zu "technischen" Gesprächen in Wien geladen; auch Bankchef Pinkl war dabei. Der Minister forderte zuvor einmal mehr "massive Vorleistungen" der Aktionäre. Er erwarte, dass "alle Daten und Fakten auf den Tisch kommen und der Eigentümerwille außer Streit gestellt wird" und bestehe auf "Klärung in den nächsten Stunden und Tagen". (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 369
1 2 3 4 5 6 7 8
Hansi Huber
00
14.12.2009, 19:50
Viel Spass

beim Übersehen. Die Justitministerin möchte sich doch alle Optionen offen halten.

thomas raser
01
12.12.2009, 22:06
Ex Chef Kulterer hat sich mit dem Geld von der Hypo in Rumänien 100.000 ha Land gekauft

bei dem wäre doch einiges zu holen!

Cuchullain
00
12.12.2009, 18:05
Also nach Durchsicht der Karte mit den Hypo-Töchtern

wie z. B. Italien, Serbien, Ukraine mache ich mir keine Sorgen, dass die in Ösistan freigesprochenen Bankster nicht ganz plötzlich Opfer tragischer Autounfälle, oder - wie der vatikanische Bankster an einer Brücke erhängt - aufgefunden wird.

Ach ja, da fällt mir noch ein, dass - im Gegensatz zu "Hyper-" das "Hypo-" etwas mit "zu wenig, drunter, unten" zu tun hat!

johannes mayer1
00
12.12.2009, 20:53
Wo ist das Problem cuchullain!

Wenn mit Gangstern und Banditen Geschäfte macht, wird man auch enden wie Gängster und Banditen ...

Cuchullain
00
13.12.2009, 09:42
@ johannes mayer1:

Ich würde darin ohnedies kein Problem sehen; nur fürchte ich, dass die Gangster und Banditen in unserem Wirtschaftssystem durch das zusammengeraubte Vermögen zu unseren "Herren" aufsteigen werden, bzw. bereits sind: "G. B. Shaw: Politik für jedermann"

sepp maier10
04
12.12.2009, 17:32
Zufälle

Und siehe da, rein zufällig taucht auch Tilo Berlin, mit den Flicks wie gesagt geschäftlich verbunden, bei der Hypo Alpe Adria Bank Anfang 2007 auf und kauft sich mit 4,5 Prozent ein.

Rein zufällig nimmt zu diesem Zeitpunkt auch Kulterer die Kontakte mit der Bayerischen Landesbank auf. Diese verlaufen „sehr erfolgreich“. Und als sich das abzeichnet kauft Herr Berlin - rein zufällig selbstverständlich - noch einmal 10% der Aktien. Diese Aktien reicht er dann – bis auf ein Prozent - wenige Monate später an die BayernLB weiter und macht damit 145 Millionen Euro gut, cash to carry..

Ein richtig geschäftstüchtiger Herr, der natürlich den Vorwurf des Insiderhandels entrüstet zurückweisen würde. Auch seine Büros hat nun die Polizei durchsucht.

kakaniengeist
04
12.12.2009, 18:22
und jetzt erscheint auch die *entführung* des flicksarges unter einem ganz neuen licht!

vielleicht wurde doch so einiges *außer landes* gebracht.

TheLaw
06
12.12.2009, 17:28
Falls noch Hirn in Kärnten vorhanden ist, wird Dörfler nicht mehr Landeshauptmann. Falls kein Hirn vorhanden ist ist Euch nicht mehr zu HELFEN!

Der ist DOCH nicht ganz DICHT im Kopf. Ein Widerling!

Reiner H
06
12.12.2009, 17:20
mit der kabeg

größter arbeitgeber kärntens. wartet die nächste bombe kärntens auf entschärfung.

woran erkennt man einen kärntner staatsanwalt?
am schiefen hals vom wegschauen.

no ja
00
13.12.2009, 22:41
alle haben einen aufsichtsrat

zum wegschauen

Böotier
02
12.12.2009, 17:32

oder an der Halskrause, weil sie sich vom reflexartigen Wegschauen ein Schleudersyndrom zugezogen haben.

rosenthal
02
12.12.2009, 17:11
BayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria - Reicht mir die Hand, meine Skandale

http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/5398898/

Cuchullain
01
12.12.2009, 17:06
Sehr geehrte STANDARD-Redaktion

Ich bitte Euch, den Lesern Eurer Online-Zeitung die Möglichkeit zu geben, mehr als einmal (so ca. 5-10x) ein Posting bewerten zu können!

seapoint
03
12.12.2009, 17:01
Die Decke wird dünner

Wozu brauchen wir eine FMA und OeNB ? Des hät i gschoaft.

der mann, der zuviel wußte...
10
12.12.2009, 16:31
"Freie Mauern"

Von der "Loge" aus sieht man die Dinge vielleicht ein wenig anders als der einfache Staatsbürger...

Rondocor
06
12.12.2009, 16:28
Ich mag Kärnten aber jetzt hilft nur mehr eins! Enteigung aller beweglichen und unbeweglichen Wertsachen. Nicht BÖSE sein. Ist nur zu Eurem Schutz!

Marlon62
01
12.12.2009, 16:20
Wo bleiben eigentlich die "hochgeistigen" Meldungen von

@derfalke und Co.?

Hat es diesen Coneheads die Sprache verschlagen oder sind ihnen die Finger steif geworden?

johannes mayer1
04
12.12.2009, 16:08
Ich glaube bei der Bank, sind nicht einmal die sanitären Anlagen sauber ...

Cuchullain
02
12.12.2009, 18:07
Eher sind die sanitären Anlagen ...

... noch das sauberste an der ganzen Bank!

Zinédine Zidane
05
12.12.2009, 15:40
Der Clou!

Bei dieser ganzen Miserie fehlt eigentlich nur noch der Name Karl Heinz Grasser.
Das wäre der Clou!
Liest man alle Medien im In und Ausland zu diesem Thema, zieht vernünftige SCHLÜSSE, wird es für viele Manager, Politiker und wohl einige Betrüger sehr sehr ENG werden.
Fakt ist auch. Ein verantwortungsvoller Politiker wurschtel nicht mit Steuergeld so herum als ob er Monpoly spielen würde. Selbst bei diesen Spiel benötigt man Hirn!

kiva
00
13.12.2009, 13:48

Grasser? Der hat doch in der FMA lauter "Kapazunder" installiert, deren vorrangige Aufgabe es war, die Augen zuzumachen.

cash isfesch
014
12.12.2009, 15:30
ENTSCHEIDUNG

DANN SOLL DER PRÖLL DEN KÄRNTNER BZOE'LERN EINFACH DEN STEUERKHÜPPEL HINWERFEN - SO LANGE KEINE ERTRAGSANTEILE VOM BUND NACH KÄRNTEN BIS DIE 500 MIO EINBEHALTEN SIND. DANN IST kÄRNTEN IN 3 MONATEN ZAHLUNGSUNFÄHIG; DANN DIBTS EINEN REGIERUNGSAUFSICHTSKOMMISSÄR UND DANN KANN MAN DAS LAND SANIEREN: HEUTE GIBT DIE REGIERUNG GELD; DÖRFLER HAUT ES BEIM FENSTER HINAUS; ODER IN DEN KANAL; AUCH WENN ES HILFSBEDÜRFTIGE GIBT; WIE KANN MAN AUS EINEM LEEREN SACK NOCH KOHLE HERAUSHOLEN; STEUERGELD SPERREN HEISST DASS IN FÜNF - MAX. ZEHN MONATEN GEWÄHLT WIRD, DANN IST DIE VERSCHWENDERPARTIE ABGEWÄHLT - SOLL DIE REGIERUNG EIN REFERENDUM DAFÜR ABHALTEN BITTE UM ZUSTIMMUNG ODER ABLEHNUNG - DER SPUK MUSS EIN ENDE HABEN - SOFORT

Sausband Kärnten
04
12.12.2009, 15:29
Unglaublich! Die Klagenfurter Justiz hat bis jetzt jede Anzeige zurück gelegt, mit der Begründung: "es gibt keine Geschädigten".....

Es stellt sich immer mehr (die Münchner Staatsanwaltschaft ist schon sehr fleißig, im Gegensatz "ist so viel Ahnungslosigkeit oder Dummheit in der Klagenfurter Justiz nur "ZUFALL??") heraus, dass die KT-Landesbank durch eine Verschwörung zur Untreue kriminell verkauft wurde. Wenn einmal (die werden schneller kommen, wie manche glauben) die KLAGEN (mit Geldforderungen) wegen schweren Betruges von Bayern nach Kärnten rüberkommen, wird es in manchen Parteizentralen (in Kärnten) sehr dunkel und kalt. Da werden "Richter" ,wie Herr Liebhauser aus Kärnten, der in KULTERER immer noch die unbestrittenen Verdienste um die Entwicklung der Kärntner Hypo öffentlich lobte, nicht mehr helfen können.

donquichotesenior
02
12.12.2009, 15:17
Seit's net dauernd unzufrieden !

Die "parteifreie" Justizministerin hat ja eh den Elsner eingsperrt.

Ita Missa
01
12.12.2009, 15:16
Um sogar den Schatten

eines Verdachts der Befangenheit bzw. der Beeinflußbarkeit zu eliminieren, sollte aus aktuellem Anlass unbedingt eine von Kärnten weit entfernte StA diese Ermittlungen leiten!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 369
1 2 3 4 5 6 7 8

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.