Zum neuen Buch von Rudi Dolezal und Joesi Prokopetz
Vor einigen
Wochen bekam ich ein Mail mit der Anfrage, ob der STANDARD nicht als
Medienkooperationspartner für "Austropop – Das Buch" von Rudi Dolezal und Joesi
Prokopetz zur Verfügung stünde. Entschuldigend muss man sagen, dass die Anfrage
aus Deutschland kam und man dort eben nicht weiß, welches Medium jetzt zirka
welche Position zu welchem Thema hat. Wie auch? Jedenfalls gab es keine
Kooperation.
Vor zwei Wochen oder so, war dann die Präsentation des Buchs im
Cafe Hawelka. Da wollte ich eigentlich hin, schon aus Faszination am
Abschreckenden. Wenn ich mich recht erinnere, war das aber der Abend, an dem Yo
La Tengo in der Arena gespielt haben. Schlechte Karten für das Austro-Pop-Buch,
ganz schlechte!
Diese Woche habe ich es dann in der Post gehabt. Rot-weiß-rote
Covergestaltung, darüber der National-Geier und der bekannte "Weltberühmt in
Österreich"-Spruch. Unter dem Titel gab es ja bereits die DVDs zum Thema. Ich
schau also rein, blättere durch, lese in die Texte rein und weiß nicht, soll
ich lachen (aus Boshaftigkeit!) oder weinen (aus Mitleid!).
Man muss jetzt
nicht Neville Brody sein, um ein, sagen wir es höflich, nicht so gelungenes
Layout zu erkennen. Aber die Aufmachung dieses Kompendiums streut jedem
Amtsblatt Rosen, verleiht jeder Postwurfsendung einer Kebab-Bude einen Orden
für ästhetische Gestaltung. Grässliche Einzüge, öde Typo, wirre Farbspielchen, dazu
ein auf allen Seiten unten durchlaufender Chronik-Balken, mit Stationen des
Austro-Pop von 1928 (Qualtingers Geburtsjahr) bis zum Amadeus-Award 2009.
Dazwischen die für den schlechten Ruf des Austro-Pop mitverantwortlichen
Selbstbeweihräucherungsaufsätze, gegenseitiges Goderlkraulen bei tendenziell
beleidigtem Unterton und satt Selbstinszenierung von Dolezal und Prokopetz:
„Josef Prokopetz wird im Bundesministerium für Unterricht und Kunst in Wien am
25.8. (2009, Anm.) der Professorentitel verliehen.“
Ja, so sieht ein weiterer
historisch bedeutsamer und natürlich bebilderter Höhepunkt in der
Austro-Pop-Zeittafel aus. Zu Dolezal: Gut, der hat natürlich viele gekannt und
vieles dokumentiert, noble Zurückhaltung - etwa bezüglich der Selbstdarstellung in Wort und Bild - sieht dennoch anders aus.
Journalistisch betrachtet ist das Werk auch nicht mehr als aufwändig
gestaltetes Altpapier. Die Interview-Fragen sind grottig formuliert, die
scheinbar ebenfalls weitgehend unredigierten Antworten beleuchten in ihrer Ungelenkigkeit eine
weitere Facette des austropopischen Elends. Dass am Umschlag hinten "Powered by
Planet.tt" steht, rundet das Bild ab.
Als buchstäblichem Wurmfortsatz widmet man sich auf
den letzten 20, 30 Seiten einigen Zeitgenossen. Kollege Sven Gaechter spricht
über eines seiner Lieblingsthemen, K&D, Stereoface, die unvorgestellt und
ansatzlos daher kommen, dozieren übers live Spielen, und am Ende kommt noch so
eine Art Kampfaufruf für eine „neue Blüte“ (rot gedruckt!) des Austro-Pop samt
Verhaltensregeln für diese zu erreichenden seligen Zeiten. Einer dieser Punkte
lautet: „Wenn wir weniger nörgeln, uns weniger in Selbstmitleid ergehen und
mehr Interesse an österreichischer Popkultur zeigen (weil sie doch die Unsrige
ist).“
Diesem Ansatz widersprechen zwar die 230 Seiten davor, das wahre
Schmankerl steht meiner Meinung nach aber in der Klammer. Die sagt in weinerlichem Ton: Nichts
kapiert. Wer Pop national definiert, hat ihn seinem Wesen nach nicht verstanden.
Dass abseits dieser Ansammlung von Irrtümern längst tagtäglich zig Bands,
Musikerinnen und Musiker eine andere Realität leben, entgeht Dolezal und Prokopetz natürlich.
Sollte sich jemand irrtümlich für dieses Machwerk
interessieren, ich verschenke meines gerne. Anfragen mit Postanschrift an die unten stehende
Mail-Adresse, Diskretion wird zugesichert, schwöre! (Karl Fluch, derStandard.at, 11. 12. 2009)
Love, hate & more: kopfhoerer@derstandard.at
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