"Austropop - Das Buch", ein Irrtum

KopfHörer, 11. Dezember 2009, 17:15
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Zum neuen Buch von Rudi Dolezal und Joesi Prokopetz

Vor einigen Wochen bekam ich ein Mail mit der Anfrage, ob der STANDARD nicht als Medienkooperationspartner für "Austropop – Das Buch" von Rudi Dolezal und Joesi Prokopetz zur Verfügung stünde. Entschuldigend muss man sagen, dass die Anfrage aus Deutschland kam und man dort eben nicht weiß, welches Medium jetzt zirka welche Position zu welchem Thema hat. Wie auch? Jedenfalls gab es keine Kooperation.

Vor zwei Wochen oder so, war dann die Präsentation des Buchs im Cafe Hawelka. Da wollte ich eigentlich hin, schon aus Faszination am Abschreckenden. Wenn ich mich recht erinnere, war das aber der Abend, an dem Yo La Tengo in der Arena gespielt haben. Schlechte Karten für das Austro-Pop-Buch, ganz schlechte!

Diese Woche habe ich es dann in der Post gehabt. Rot-weiß-rote Covergestaltung, darüber der National-Geier und der bekannte "Weltberühmt in Österreich"-Spruch. Unter dem Titel gab es ja bereits die DVDs zum Thema. Ich schau also rein, blättere durch, lese in die Texte rein und weiß nicht, soll ich lachen (aus Boshaftigkeit!) oder weinen (aus Mitleid!).

Man muss jetzt nicht Neville Brody sein, um ein, sagen wir es höflich, nicht so gelungenes Layout zu erkennen. Aber die Aufmachung dieses Kompendiums streut jedem Amtsblatt Rosen, verleiht jeder Postwurfsendung einer Kebab-Bude einen Orden für ästhetische Gestaltung. Grässliche Einzüge, öde Typo, wirre Farbspielchen, dazu ein auf allen Seiten unten durchlaufender Chronik-Balken, mit Stationen des Austro-Pop von 1928 (Qualtingers Geburtsjahr) bis zum Amadeus-Award 2009.

Dazwischen die für den schlechten Ruf des Austro-Pop mitverantwortlichen Selbstbeweihräucherungsaufsätze, gegenseitiges Goderlkraulen bei tendenziell beleidigtem Unterton und satt Selbstinszenierung von Dolezal und Prokopetz: „Josef Prokopetz wird im Bundesministerium für Unterricht und Kunst in Wien am 25.8. (2009, Anm.) der Professorentitel verliehen.“

Ja, so sieht ein weiterer historisch bedeutsamer und natürlich bebilderter Höhepunkt in der Austro-Pop-Zeittafel aus. Zu Dolezal: Gut, der hat natürlich viele gekannt und vieles dokumentiert, noble Zurückhaltung - etwa bezüglich der Selbstdarstellung in Wort und Bild - sieht dennoch anders aus. Journalistisch betrachtet ist das Werk auch nicht mehr als aufwändig gestaltetes Altpapier. Die Interview-Fragen sind grottig formuliert, die scheinbar ebenfalls weitgehend unredigierten Antworten beleuchten in ihrer Ungelenkigkeit eine weitere Facette des austropopischen Elends. Dass am Umschlag hinten "Powered by Planet.tt" steht, rundet das Bild ab.

Als buchstäblichem Wurmfortsatz widmet man sich auf den letzten 20, 30 Seiten einigen Zeitgenossen. Kollege Sven Gaechter spricht über eines seiner Lieblingsthemen, K&D, Stereoface, die unvorgestellt und ansatzlos daher kommen, dozieren übers live Spielen, und am Ende kommt noch so eine Art Kampfaufruf für eine „neue Blüte“ (rot gedruckt!) des Austro-Pop samt Verhaltensregeln für diese zu erreichenden seligen Zeiten. Einer dieser Punkte lautet: „Wenn wir weniger nörgeln, uns weniger in Selbstmitleid ergehen und mehr Interesse an österreichischer Popkultur zeigen (weil sie doch die Unsrige ist).“

Diesem Ansatz widersprechen zwar die 230 Seiten davor, das wahre Schmankerl steht meiner Meinung nach aber in der Klammer. Die sagt in weinerlichem Ton: Nichts kapiert. Wer Pop national definiert, hat ihn seinem Wesen nach nicht verstanden. Dass abseits dieser Ansammlung von Irrtümern längst tagtäglich zig Bands, Musikerinnen und Musiker eine andere Realität leben, entgeht Dolezal und Prokopetz natürlich.

Sollte sich jemand irrtümlich für dieses Machwerk interessieren, ich verschenke meines gerne. Anfragen mit Postanschrift an die unten stehende Mail-Adresse, Diskretion wird zugesichert, schwöre! (Karl Fluch, derStandard.at, 11. 12. 2009)

 

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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
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per verser
01
15.12.2009, 09:40

jo mei, in wirtschaftlich noch etwas besseren zeiten und als alle noch glaubten, daß es schon irgendwie weitergeht und niemals so schlimm kommen würde, gabs halt in dem haufen an schrott ein paar echte highlights: die frühen drahdiwaberl, der frühe falco, der frühe wilfried, hansi lang, harri stojka express, minisex, ronni urini. und noch ein paar andere - für österreich war das in wahrheit erstaunlich viel.

man muß das buch ja ned kaufen, am besten ignorieren.

und dem prokopetz ist immerhin zugute zu halten, daß er maßgeblich für die qualität des frühen ambros verantwortlich war.

mucki123
 
20
15.12.2009, 02:12
mucki123

Ich habe mir die Kritik des besagten Herrn Karl Fluch angesehen und muss sagen, ich war schockiert, wie man so über einen Teil Österreichischer Kultur schreiben kann. Es ist mir klar, dass Austropop nicht jedermans Sache ist, jedoch irgendwas gefällt doch wohl jedem, oder? Ich bin zwar kein Journalist, jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass man so über ein Buch schreiben kann bzw. trotz allem einen Teil der Österreichischen Musikszene so in den Dreck ziehen kann.
Als kurze Anmerkung: Ich bin nur durch Zufall auf dieser Homepage gelandet und habe mich aufgrund dieser überaus frechen Kritik extra registriert um dies los zu werden, mir hat es umgangssprachlich "die Kabel z'rissen" wie ich das gelesen habe!

per verser
00
15.12.2009, 09:33

er kritisiert ja nicht austropop, sondern das buch. und das ist offenbar genau so gemacht, wie man es von seinen autoren erwarten würde. insofern geht ihre kritik an fluch am thema vobei

c70
00
15.12.2009, 08:35
verrissen wird lediglich das Buch und die ..

.. wahrlich unglückliche Definition von "Austropop".

Zur Musik an sich. Wenn so wie ich, vermutlich die meisten Austropop mit EAV, STS, Ambros, Hansi Lang, Falco & co verbinden, so ist wohl umumstritten das in den 1970er/80er Jahren diese Musiker gleich mehrere Generationen via Radio unterhalten haben.
Seither ist es allerdings auch recht ruhig geworden.
Ist halt alles schon lange her und oft aufgewärmt.
Und K&D das Austropop - Pickerl umhängen wäre wohl mehr als falsch.
Persönlich fand ich die TV-Serien schon eher langweilig. Im Stile der deutschen Privatsender durften Stars, Sternchen ihre Zweizeiler von sich geben..

Dyne
00
14.12.2009, 23:33

Noch besser das Buch:

Die sensationellen 30 Jahre der erfolgreichsten
österreichischen Indie-Rock-Bands !

Mit den Biographien jedes einzelnen Fan´s könnt´s
annähernd so dick werden wie das Prokopetz-Buch...

Edward NORTON
00
14.12.2009, 15:08
Mag sein, dass das Buch kein must have ist, aber die Selbstironie des Layouts darf man auch als Rezensent erkennen. Teil II

Würde diese betagte Rarität heute mit dem kewlen Brightener Dialekt des Gastsängers released werden und nicht bekannt sein, dass dieser Song eine Austropop Produktion ist, hätten alle Indie Musikredakteure eine feuchte Hose.

Diese scheinen vergessen zu haben bzw. zu jung zu sein, dass Austropop seinerzeit alles vereinte was heute hipp und independend ist.

Edward NORTON
00
14.12.2009, 15:02
Mag sein, dass das Buch kein must have ist, aber die Selbstironie des Layouts darf man auch als Rezensent erkennen. Teil I

Die Überheblichkeit der dargebotenen Kritik zeugt eher von einer persönlichen Abrechnung mit dem Austropop der wiederum auf Eindimensionalität im Musikverständnis zurückzuführen sein muss. Es ist mehr Kalkül als Journalismus, wenn man man auf Musikgattungen mit fehlendem Prestige eindrischt.
Es bedarf vorerst der Reflexion, dass es ausgesprochen mutig und independend ist, Musik in keiner Weltsprache zu veröffentlichen. So gesehen ist Austropo mutiger als Yo La Tengo. Das Potential war immer vorhanden. Ein gutes Beispiel, wie sehr sich viele Menschen vom Image der Musik einlullen lassen, ist zb. "Jones from Nr. 3" die englische Version von "Da Hofa" ff

andi ebner
00
13.12.2009, 22:38

immer wieder schön zu sehen, dass es bücher und auch cd`s gibt, die man nicht kaufen muss. spart jede menge geld.

Ziemlich leichter Stessa
00
13.12.2009, 20:06

Aber WIE nur, wie soll man ohne Codo, heiße Heidelbeeren und das Wissen, dass Good Old Hollywood dying is, leben, Herr Fluch?

dB
51
13.12.2009, 18:33
...dass tagtäglich zig Bands eine andere Realität leben....

Die Realität die diese zig anderen Bands heute leben, ist jede, dass sie nicht mehr von der Musik leben können.
Für manche wenige ist es ein Nullsummenspiel (das sind die Stars), für die grosse Mehrheit ein verdammt teures Hobby.
Tolle Realität.
Charly Fluch - Du bist schon ein Fixangestellter mit fixem Monatslohn (und Pensionsberechtigung), dass Du so Schwachsinn schreiben darfst? Schön für dich.

PS: Seltsam dass diese ganzen Totgesagten auch 20-30 Jahre nach ihren Hey-Days noch immer ein Vielfaches an Alben verkaufen und an zahlenden Konzertbeuschern haben, als obige zig Bands.
Totgesagte leben eben länger.
Weiter so, lieber Standard.

harcourt
00
13.12.2009, 20:23

herr dolezal scheint hier persönlich anwesend zu sein.

Darius Minor
00
15.12.2009, 16:07
Und schon wieder daneben.

Dr. Bitter
11
13.12.2009, 16:34

Faszinierend.
Wie umnachtet muss ein Verlag sein, um ein Buch der beiden qualitätslosen Kasperln zu veröffentlichen?

Eigenverlag?


Das kleine Maßahmenpaket
11
13.12.2009, 10:33

Danke, kein Interesse, das Buch ist mehr so etwas wie eine gefährliche Drohung ;-)

Queen of Sheba
 
02
13.12.2009, 00:04
Am besten wegen unbefugter Verwendung eines Hoheitssymbols beschlagnahmen lassen !

Dyne
01
13.12.2009, 00:02

In Österreich muß sich ein Musikschaffender in Punkto Pop/Rock entscheiden :

A:Versuchen kommerziell erfolgreich zu sein=
Dann wird er von den (kunstsinnigen?)Kritikern zerissen und zur draufgabe
von den maßgeblichen großen Radiostationen und erst recht von den "Randgruppensendern"ignoriert.

B:Künstlerisch hochwertige Musik zu machen=
Von den (kunstsinnigen?)Kritikern in den Himmel gelobt und vom maßgeblichen großen Publikum ignoriert.

Enden tun beide auf die gleiche Weise....

Das potential der Musiker wäre sicher vorhanden-aber
die Infrastruktur bis zum Hörer ist einfach fatal!

Die österreichische Musikszene braucht nicht mehr oder weniger ein Wunder-ein ganz großes!

seayou
00
15.12.2009, 00:04

@ dyne: ich behaupte aus eigener erfahrung in österreich und gerade in wien hat man es als künstler/musiker um einiges leichter als in den meisten anderen europäischen ländern (von usa etc. red ich mal gar nicht) und gerade was wien angeht gibt es hier eine der besten szenen + infrastruktur europaweit.

die jammerei geht mal gar nicht wenn ihr soziale absicherung/regelmässiges einkommen haben wollt werdet beamte oder sowas.

Darius Minor
00
15.12.2009, 16:09
In der E-Mucke ja,

im Pop sicher nicht.

seayou
00
16.12.2009, 13:50

ich rede natürlich vom pop :)

dB
102
13.12.2009, 17:40
Bravo - nichts hinzuzufügen....

....ausser vielleicht dieses:
Diese ganzen Standard Forum Unker sollen bitte einmal eine Woche lang versuchen als Musiker in diesem Land vom Musikmachen zu leben.
Dann würden sie diesen ganzen Schwachsinn hier nicht posten.
Prokopetz?
Schrieb immerhin einige der grössten Klassiker der öst. Popgeschichte.
Dolezal?
Wurde einer erfolgreichsten Videoregisseure der Welt in den 80ern.
Und dann kommt so ein Charly Flucherl daher und will denen den Beruf erklären?
Her Fluch, sie sind Fixangestellter, oder?
Mit fixem Monatseinkommen?
Dann shut the f... up!

per verser
00
15.12.2009, 09:35

hallo rudi...

Darius Minor
32
12.12.2009, 18:51
Ist immer fein,

auf die Leich' hinzutreten, die man selbst totgeschrieben hat, gell?

zweckpessimistin
21
13.12.2009, 11:37
minor is your nick

minor is your post

mediocre and minor

Darius Minor
00
15.12.2009, 16:10
Ad hominem is' immer sehr tapfer,

gnae' Frau.

Ar Mutschgerl
00
13.12.2009, 09:16
Die war schon tot.

Starb vor zwanzig Jahren.

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