Bilder schaffen Möglichkeitsräume

11. Dezember 2009, 17:02
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Nicht die Gedanken über die Wege zum Ziel sind relevant, sondern das Bild vom Ziel selbst - Ein einziges Bild in unserem Kopf kann nachhaltige Veränderung bringen, sagt osb-i-Gesellschafter Hellmut Santer

Wenn es um Veränderung, um Wünsche für eine bessere Zukunft, um mehr Gehalt oder eine Beförderung geht, denken wir meistens nur über die Wege dorthin nach, sagt Hellmut Santer, Gesellschafter des Beraters osb-i in Wien. Der Vorsatz, etwa um ein Drittel mehr Gehalt verdienen zu wollen, ende aber meist damit, kein Drittel mehr Gehalt zu verbuchen. Warum?

Nicht das vermeintlich Naheliegende, also der Weg zum höheren Gehalt - über Weiterbildung, noch stärkeres Engagement, Überstunden zum Beispiel -, ist zunächst wichtig, sondern die Erarbeitung eines Zielbildes, sagt Santer. Es gehe darum, sich ein klares und möglichst detailliertes Bild davon zu machen, wie man denn mit einem Drittel mehr Gehalt oder in der angestrebten Position leben, handeln und gestalten werde. Erst dieses Bild eröffne die relevanten Wege zum angepeilten Ziel, so der Berater sinngemäß. In diesen Zielbildern stecke unglaublich viel Potenzial, sagt er. Diese zu erarbeiten sei aber alles andere als trivial.

"Zahlen holen niemanden ab"

Bilder sind - bewusst oder unbewusst - die für uns einzige Form, Dinge emotional wahrzunehmen. Sie sind das Bindeglied zwischen innerem Erleben und äußeren Informationen. Sie verdichten von außen kommende Informationen zu einem Bedeutungsinhalt. Es brauche also emotional aufgeladene Bilder, Qualitäten, die Anschluss an das jeweilige Umfeld schaffen - zu Mitarbeitern oder zu einem Unternehmen.

Diese Unternehmensbilder müssten aber, so Santer, gemeinsam erarbeitet werden. Ansonsten würden sie immer der Wirklichkeit hinterherhinken. Genau deshalb seien Veränderungsprozesse in Unternehmen schwierig zu vollziehen, weil diese eine Überarbeitung des aus vielen Bildern zusammengestellten Selbstkonzeptes bedeuten.

Fehlende Bilder seien auch ein Grund dafür, dass "strategische Zahlenziele" nicht funktionieren - weil sie niemanden emotional abholen. Um die Realisierbarkeit von Zielen zu überprüfen, seien Zahlen sicher wichtig, um aber zum Ziel zu kommen, brauche es eindeutig andere Qualitäten. Zahlen bekommen nur dann eine Bedeutung, wenn sie eine Entsprechung im Leben haben - wie das 18. Lebensjahr oder die 100-Zentimeter-Grenze beim Wachsen eines Kindes - oder der PS-Vergleich beim Auto, grinst er.

Bilder können Zukunft aber genauso verschließen - Sozialisierung, Prägung, Ängste können Gründe dafür sein. Viele gestehen sich bestimmte Bilder gar nicht zu. Es gelte also negative Bilder, die eine erwünschte Zukunft verhindern, zu identifizieren, diese zu überarbeiten, zu entschärfen, zu verabschieden, zu verändern - oder eben neue Bilder zu kreieren, von denen man sich gerne leiten lassen will. Ohne Bilder seien Dinge für uns nicht (er)lebbar. Sie sind, so Santer, Aufbewahrungsgefäße für den emotional besetzten Möglichkeitsraum für unser Erleben und Entwickeln. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.12.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft führen über Bilder im Kopf. Sie sind die für uns einzige Form, Dinge emotional wahrzunehmen.

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