Zeus bleibt am Boden

11. Dezember 2009, 19:00
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Die Fälschungen sortierte man aus, die echten Kunstwerke aus dem Besitz der Alitalia wurden in Rom versteigert

Italienische Zeitgenossen zierten die Hauptquartiere in Europa und New York, das eine oder andere Kleinformat schmückte bisweilen auch die First Class der DC-8-Flotte. Den Datierungen der einzelnen Kunstwerke entsprechend scheint die Akquisition weiterer Kunstschätze in den 90er-Jahren, als die Alitalia bereits mit enormen Verlusten zu kämpfen hatte, beendet worden zu sein.

Details, auch zu dem hier verprassten Budget, fehlen bis heute. Und das ist insofern von Relevanz, als sich in der vermeintlich so hochkarätigen Kollektion auch die eine oder andere Fälschung fand. Wann, von wem und wo diese schwarzen Schäflein angekauft wurden, ist derzeit Gegenstand firmeninterner Recherchen.

Als die ehemalige staatliche Fluglinie letztes Jahr unter Zwangsverwaltung gestellt wurde, war dieser Posten fraglos einer, von dem man sich ebenso wie von maroden Beteiligungen so schnell und so lukrativ als möglich trennen wollte. Zwar sollen sich führende internationale Auktionshäuser im Vorfeld um die Sammlung gematcht haben, den Zuschlag erhielt mit Finarte letztlich das größte Auktionshaus Italiens.

Besonders günstige Bedingungen, so verlautbarte man, hätten den Ausschlag gegeben. Im September 2009 wurde die Auktion, sie fand am 8. Dezember statt, angekündigt. Den Wert der rund 200 Bilder gab man mit zumindest einer Million an. Im Zuge der Katalogisierung entpuppten sich, wie berichtet (der Standard, 28. November 2009), Werke von Lucio Fontana, Gino Severini, Carlo Carrá, Corrado Cagli, Renzo Vespignani und Sante Monachesi als Fälschungen. Im Fall des italienischen Bestsellers Fontana - 2008 schlugen sich 230 Auktions-Verkäufe mit einem weltweiten Umsatz von 65,45 Millionen Euro zu Buche - kontaktierte man die Fondazione. Der Verdacht, wonach es sich bei Fontanas Raumkonzept um ein Plagiat handelt, konnte entgegen Meldungen in italienischen Medien, wie eine Anfrage seitens des STANDARD ergab, nicht verifiziert werden.

Aber Schnitte auf grünem Hintergrund, bestätigt Nina Laurini, hätte das neunköpfige Expertenteam dagegen sofort als Falsifikat entlarvt. Zusammen mit Gino Severinis Zeus, von der Sonne geboren, dem Titellos des Auktionskataloges, zählte es ehemals zu den Highlights der Sammlung.

"Wir gehen bei den Überprüfungen äußerst sorgfältig vor und wenden verschiedene Methoden an" , erklärt Laurini. Die jahrzehntelange Beschäftigung mit dem Œuvre Fontanas hätte ihr präsidiales Auge geschult, und deshalb seien eigentlich nur sehr selten Fälschungen im Umlauf. Die aktuelle befindet sich laut Augusto Fantozzi, dem für Alitalia verantwortlichen Sonderkommissionär, noch bei der Fondazione Fontana.

Ob sie - rechtlich vertretbar - dort vernichtet, Anzeige gegen unbekannt erstattet oder wie die anderen falschen Kuckuckskinder an Alitalia retourniert wird, steht noch nicht fest. Gesichert sind dagegen Nachforschungen seitens des Zwangsverwalters, schon um Korruption oder Mitwisser im ehemaligen Alitalia-Management ausschließen zu können.

Den erhofften Geldsegen brachte die Auktion nur bedingt, den einen oder anderen Gläubiger wird Fantozzi aber befriedigen können. In einer Aussendung bezeichnete Finarte das Ergebnis als beachtlichen Erfolg, zwar blieb es bei den Mindesterwartungen von 800.000 Euro netto (brutto 1,2 Mio), aber bis auf ein Gemälde, hätten alle anderen 186 Lots einen neuen Besitzer gefunden.

Lediglich Gino Severinis Zeus, von der Sonne geboren sei aufgrund des Formats (2,5 x 4,7 m) gescheitert. Vielmehr dürfte aber die für ein Werk dieser Periode hoch gegriffene Taxe von 350.000 Euro ein Hindernis gewesen sein. Die Anfänge der Sammlung reichen in die 1950er-Jahre zurück, damals begann der rege und vom Management der Alitalia goutierte Ankauf von Kunstwerken. (Olga Kronsteiner und Thesy Kness-Bastaroli, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 12./13.12.2009)

  • Gino Severinis Zeus gewidmetes Großformat scheiterte an der Taxe von 350.000 Euro.
    foto: finarte

    Gino Severinis Zeus gewidmetes Großformat scheiterte an der Taxe von 350.000 Euro.

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