Wie man Katzen richtig beschenkt

11. Dezember 2009, 16:22
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Tipps zur festlichen Jahreszeit

Alle Jahre wieder ein und dasselbe Problem: Die Geschenke für Familie, Freunde und Bekannte sind längst eingekauft und in ihren Verstecken verstaut - aber was schenken wir heuer unserer Katze / unserem Kater? Der meine (Balu) schaut mir gerade aus seinen achatfarbenen Mondaugen gelangweilt beim Schreiben zu und erinnert mich allein durch seine kätzische Gegenwart daran, dass ich mich mit dem Einkauf sputen muss.

Denn: Nichts ist kränkender für einen Kater, als wenn sich die ganze Familie am 24. Dezember lustvoll durch mannshohe Geschenkberge wühlt, er selbst aber leer ausgeht. Nicht einmal die Klettertour auf den Weihnachtsbaum macht dann noch wirklich Spaß.

Mit ein wenig Takt und Originalität sollte es ein Leichtes sein, das passende Katzenpräsent zu finden. Katzen, die gerne lesen, beschenkt man am einfachsten mit einem literarischen Werk. Klassiker, die immer wieder Freude bereiten, sind: E. T. A. Hoffmanns Lebensansichten des Katers Murr, Doktor Katzenbergers Badereise von Jean Paul oder Tennessee Williams' Katze auf dem heißen Blechdach.

Seelisch gefestigten Tieren mit einem Hang zur Gegenwartsliteratur darf man ruhig auch einmal härteren Stoff zumuten (Günter Grass' Hundejahre etc.). Künstlerisch anspruchslose oder jüngere Katzen sind dagegen mit einem Jahresabo der Micky Maus gut bedient. Alternative zu Buch und Comic: Eine CD mit den besten Songs von Cat Stevens.

Es muss nicht unbedingt Kultur sein. Praktisch veranlagte Katzen freuen sich auch über ein Maniküreset oder eine Mikrowelle zum Aufwärmen der Brekkies. Zunehmend beliebt auf dem Gabentisch: Der Gutschein für eine Schönheitsoperation nach Wahl (Fettabsaugung, Schwanzverlängerung, Felltransplantation). Wenn es besonders luxuriöse Weihnachten werden sollen, gibt es zur Bescherung entweder Schnürstiefeletten aus Nappaleder oder ein maßgekürschnertes Pelzmäntelchen (Achtung: Für ökologisch verantwortungsbewusste Katzen aus Webpelz!).

So großzügig zeigt sich das Christkind natürlich nur dann, wenn sich die Katze das ganze Jahr über tadellos benommen hat. Mit Balu habe ich vor ein paar Wochen wegen seiner Gewohnheit, sich hysterisch in unser Ledersofa zu verkrallen, ein ernstes Wort gesprochen. Wenn eine solche Kratzattacke noch einmal vorkommt, wird ihm das Christkind im nächsten Jahr etwas pfeifen. (Christoph Winder, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 12./13.12.2009)

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