ORF sucht Leiter für zentralen News-Desk im Hörfunk

11. Dezember 2009, 16:19
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Bisheriger News-Infochef Fuchs über Abberufungsversuch verwundert - "Neuausschreibung wäre nicht nötig gewesen" - Will Gang zur Gleichbehandlungsanwaltschaft prüfen

Im Zug der Personaleinsparungen und Strukturstraffungen wird es beim ORF-Radio ab 2010 einen zentralen News-Desk geben, von dem aus sowohl die Ö1- als auch die Regionalnachrichten, die Teletext-Information sowie Ö1-Online gesteuert werden. Ab 4. Jänner soll es für Ö1 und die ORF-Regionalradios ein einheitliches Nachrichtenformat geben. Per interner Ausschreibung suchte der ORF einen Leiter für den Newsdesk - zur Verwunderung des bisherigen Infochefs von Regionalradio/Teletext/Online/Französische Nachrichten, Wolfgang Fuchs.

"Ich bin seit Dezember 2004 Leiter dieser Abteilung, eine Neuausschreibung wäre also nicht nötig gewesen", schreibt Fuchs, der sich erneut um den Posten beworben hat, in einem Brief an die Personalabteilung des ORF. In seinem Bewerbungsschreiben weist Fuchs aber darauf hin, dass die Ö1-Nachrichten schon einmal in seinen Kompetenzbereich gefallen seien, als er die Funktionsgruppe 2004 übernommen habe. Diese seien dann aber - nach einer Intervention der damaligen Schüssel-Pressesprecherin Heidi Glück - in den Zuständigkeitsbereich des damaligen Ö1-Infochefs und Glück-Ehemanns Luis Glück gewandert. Fuchs selbst habe seit langem für die Zusammenfassung der Abteilungen plädiert und hält längerfristig auch die Einbeziehung der Ö3-Nachrichten in den Newsdesk für "sinnvoll und finanziell notwendig", schreibt er.

Der 55-Jährige Fuchs fürchtet, dass er nun aufgrund seines "zu hohen Alters" abgesetzt werden soll. Radio-Chefredakteurin Bettina Roither-Epp habe ihm nämlich erklärt, dass sie gerne eine Mitarbeiterin in der Funktion hätte, die jünger ist als sie selbst. Laut Fuchs-Brief soll ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz außerdem erklärt haben, "er schätze mich sehr, aber die Hebung der Frauenquote sei im Radio leichter durchzusetzen als im Fernsehen". Sollte eine "deutlich schlechter qualifizierte Kollegin zum Zug kommen" will Fuchs übrigens den Gang zur staatlichen Gleichbehandlungsanwaltschaft prüfen, schreibt er weiter. Fuchs ist seit 1980 beim ORF, wo er in der Nachrichtenredaktion des Hörfunks begann. Zehn Jahre lang war er bei der "ZiB" tätig. (APA)

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