Defensive Aktien gefragt

11. Dezember 2009, 14:41
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

Der europäische Aktienmarkt verzeichnete diese Woche ein leichtes Minus. Der Stoxx 600 verliert 1% und sinkt auf 243,9 Punkte. Investoren kauften diese Woche defensive Aktien und stießen zyklische Titel und Finanztitel ab. Der Lebensmittelfirmen (+0,53%) und Medienunternehmen (+0,47%) waren die Top- Sektoren im Stoxx 600. Auch der Gesundheitssektor (+0,43%) zeigt weiterhin relative Stärke zum Markt. Finanztitel, allen voran Immobilienfirmen (-4,26%) sind weiterhin die klaren Underperformer. Auf Monatssicht underperformten sie den Stoxx 600 um durchschnittlich 8%.

Am Bondmarkt profitierten die deutschen Bunds von der Abwertung der griechischen Bonds. Die 2- jährigen Renditen sanken auf 1,13% (-0,08). Die 10- jährigen blieben fast unverändert bei 3,12%. Am Rohstoffmarkt kam es diese Woche zu einer Konsolidierung. Gold notiert nun bei USD 1.126 pro Unze (-7,6%). Auch Silber (-9,0%) und Kupfer (-3,72%) gaben nach. Der Ölpreis sank diese Woche um 8% auf USD 71,7 pro Barrel Brent. Für Verunsicherung am Markt sorgten die Hedginggeschäfte von Mexico. 2009 zeigte Mexiko ein gutes Gespür für den Ölpreis. Als viele Analysten noch von einem Preis für das schwarze Gold von USD 150- 200 ausgegangen waren setzte die mexikanische Regierung auf einen Verkaufspreis von USD 70 je Fass und verdiente prächtig. Für 2010 setzen die Mexikaner nun auf Put- Optionen mit einem Strike von USD 57. Am Aktienmarkt gab der Öl& Gas Sektor des DJ Stoxx 600 diese Woche um 1% nach. Seit Jahresbeginn zeigt der Sektor mit einem Plus von 17% auch relative Schwäche zum Markt (+23% YTD). Wir raten weiterhin dazu den Sektor zu meiden.

Inditex steigert Umsatz

Die letzte Woche auf unsere Empfehlungsliste aufgenommene Inditex meldete, dass ihr Gewinn im dritten Quartal gestiegen ist, was insbesondere mit der Eröffnung von Zara-Geschäften in Japan und China zusammenhängt. Der Nettogewinn belief sich auf EUR 456 Mio. Das entspricht einem Plus von 4,4% zum Vorjahr. Der Umsatz legte im Berichtszeitraum um 3,8% auf EUR 2,9 Mrd. zu. Damit wurden bei Umsatz und Gewinn die Erwartungen übertroffen. Der Einzelhändler betreibt nun insgesamt 4.530 Geschäfte in 73 Ländern und damit 266 mehr als zu Jahresbeginn. Besonders im Fokus stand in den vergangenen Monaten das Wachstum in Asien. Allein dort eröffnete Inditex im laufenden Geschäftsjahr 90 neue Filialen. Ein konkreter Ausblick vom Unternehmen blieb aus. Die Umsätze bei schon bestehenden Filialen sollen aber von August bis Anfang Dezember um 9% gestiegen sein.

Der Konsolidierungsprozess in der Automobilbranche geht weiter. Nachdem Peugeot und Mitsubishi in der Vorwoche Gespräche über eine Kooperation und eine Überkreuz-Beteiligung vermeldeten, handelte nun Volkswagen. Der Konzern gab eine strategische Allianz mit dem japanischen Auto- und Motorradbauer Suzuki bekannt. Dazu wird sich VW mit 19,9% an dem Kleinwagenspezialisten beteiligen. Im Gegenzug werde Suzuki bis zur Hälfte des erhaltenen Kaufpreises in VW-Aktien investieren. Die Transaktion soll bereits Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein. Volkswagen will mit Suzuki unter anderem einen Kleinwagen für den indischen Markt entwickeln. Das Fahrzeug solle dort für umgerechnet EUR 2.900 bis 3.600 verkauft werden. Damit wäre das Auto etwa doppelt so teuer wie der von Tata Motor produzierte Nano - das billigste Auto der Welt.

Suzlon sichert sich 100 Prozent an RePower

Der indische Windkraftkonzern Suzlon Energy strebt die vollständige Übernahme des deutschen Windradbauers Repower in den nächsten zwei Monaten an. Bisher hält Suzlon 91% an dem deutschen Unternehmen. Nun wolle man Minderheitsaktionäre auslösen. Derzeit ist Suzlon die Nummer fünf auf dem Weltmarkt, der zunehmend vom Schwergewicht Vestas und den finanzkräftigen Großkonzernen Siemens und General Electric dominiert wird. Suzlon in Asien und Nordamerika gut aufgestellt, Repower ist hingegen auf dem europäischen Markt stark vertreten. Auch ergänzen sich die Produktpaletten der Gesellschaften. Während die Inder kleinere, kostengünstigere Windkrafträder im Programm haben ist Repower bei Offshore-Anlagen führend.

ING will noch vor Weihnachten EUR 5,6 Mrd. Staatshilfe zurückzahlen. Dabei handle es sich um die erste Hälfte des Geldes, mit dem der Staat ING in der Finanzkrise unter die Arme gegriffen hatte. Die Rückzahlung einschließlich Zinsen und Kosten soll am 21. Dezember stattfinden. Insgesamt hatte der niederländische Staat die ING in der Finanzkrise mit EUR 10 Mrd. unterstützt. Das benötigte Geld für die Rückzahlung erwartet ING aus der Kapitalerhöhung über EUR 7,5 Mrd., die ebenfalls am 21. Dezember abgeschlossen werden soll.

Nächste Woche stehen die Unternehmenszahlen von Innovise PLC, Master Marine, Intermail, Sovolder, Servoca, Unitech Corporate auf dem Programm. Zudem berichten Danisco, Accenture, European Nickel und Carnival.

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