Aktienindizes setzen Seitwärtsbewegung fort

11. Dezember 2009, 14:39
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Hans Engel

Die abgelaufene Börsenwoche verlief in den USA ohne wirklich spannende Vorkommnisse. Im Umfeld eines kurzfristig wieder etwas stärkeren Dollars, nur geringfügig angestiegener Bondrenditen, des rückläufigen Ölpreises sowie eines Goldpreises, der aktuell im Aufwärtstrend eine kleine Korrektur eingelegt hat, setzten die wichtigsten Aktienindizes ihre Seitwärtsentwicklung fort. Aktieninvestoren zeigten zuletzt offenkundig wenig Interesse, viel an ihren aktuellen Positionierungen zu ändern. Frühestens zu Jahresbeginn ist zu erwarten, dass die Risikobereitschaft wieder zunimmt. Diese Prognose wird unterstützt von Statistiken, aus denen hervorgeht, dass Investoren im Durchschnitt in den ersten Monaten eines neuen Jahres meist die riskanteren Aktien bevorzugen und die defensiveren Titel abstoßen.

Aktuell gibt man sich anscheinend mit den Buch- oder wirklichen Gewinnen dieses Jahres zufrieden. Es gibt zudem aktuell auch wenig Grund für wesentliche Umschichtungen in den Portfolios. Die Änderungen im Umfeld geschehen derzeit in einem sehr moderaten Tempo. Aktuell ist also immer noch ein guter Zeitpunkt, US-Finanzaktien aus den Portfolios abzuschichten. Das Umfeld ist in den USA in diesem Sektor schlichtweg als schlecht einzuschätzen. Aktien von US-Finanzfirmen wie AIG oder Citigroup und vielen anderen Firmen, die selbst in den USA als "Zombie Banks" bezeichnet werden, sollten also langfristig weiterhin gemieden werden. Es gibt genügend qualitativ hochwertige europäische Alternativen dazu. Das Faktum, dass Citigroup derzeit bemüht ist, Staatsgelder zurückzuzahlen, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Probleme bei diesem Unternehmen nicht nur einige Quartale, sondern voraussichtlich noch einige Jahre andauern werden.

Boeing startet den "Dreamliner“ im Testbetrieb

Boeing, ein führender Flugzeughersteller, der auch militärische Waffensysteme produziert, gab neulich bekannt, dass nach einer nunmehr bereits zweijährigen Verspätung das neue Passagierflugzeug 787 („Dreamliner") zu Testflügen noch in diesem Monat abheben wird. Nach Aussagen von Boeing ist dieser neue Flugzeugtyp aufgrund des Einsatzes neuer Materialen anstatt Aluminium deutlich leichter als herkömmliche Flugzeuge. Damit wären Treibstoffersparnisse um bis zu 20% möglich. Das würde den vielfach angeschlagen Luftlinien nutzen, und damit - wenn das Flugzeug später dann auch wirklich ausgeliefert werden kann - den Druck auf den europäischen Mitbewerber EADS erhöhen. Investoren sollten trotzdem daran denken, dass es grundsätzlich vertretbarere Methoden gibt, Erträge zu erzielen als mit dem Kauf von Anteilen an Rüstungsfirmen. Boeing erzielt nämlich den größten Teil seiner Umsätze mit Waffensystemen. Die kanadische Firma Bombardier stellt eine alternative Anlagemöglichkeit dar, jedoch sollte man bei dieser Aktie für einen Kauf noch einige Wochen zuwarten. Der Zeitpunkt ist derzeit nicht optimal.

Wenig erfreulich ist aktuell die Situation für viele Ölfirmen, wo die hohen Lagerbestände und eine niedrige Nachfrage die weiteren Aussichten eintrüben. Chevron, der zweitgrößte US-Konzern in diesem Sektor, plant zwar im kommenden Jahr im Explorationsbereich insgesamt USD 22,8 Mrd. zu investieren (2009: ca. USD 21,6 Mrd.), reduziert aufgrund der gesunkenen Nachfrage nach den Endprodukten die Raffineriekapazitäten und streicht die geplanten Investitionen in diesem Bereich im nächsten Jahr deutlich (USD 3,4 Mrd. in 2010 nach ca. 4,3 Mrd. in 2009). Die Aktie ist in diesem Jahr klar abgeschlagen im Vergleich zum S&P 500, aber immer noch etwas dynamischer als der Branchenprimus Exxon Mobil.

Etwas besser geht es aktuell den größeren Technologieunternehmen, wie beispielsweise National Semiconductor Corp. Der Konzern gab zuletzt Quartalsumsätze in Höhe von USD 345 Mio. bekannt und übertraf damit die Erwartungen der meisten Marktteilnehmer. Auch die Nettogewinnmarge konnte angehoben werden. Die Aktie ist aktuell teuer bewertet (KGV 32), die Gewinne sollten nächstes Jahr allerdings deutlich ansteigen. Für risikobereite Investoren, die auf die meist bessere Performance der Technologieaktien zu Jahresbeginn setzen, stellen Anteilscheine von National Semiconductor eine interessante Anlagemöglichkeit für eine eher kurze Haltedauer dar.

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