Worauf es bei Weihnachtsreden ankommt

11. Dezember 2009, 17:01
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Mit harten Zahlen, Daten, Fakten lässt sich bei Firmenweihnachtsfeiern kaum eine angenehme Stimmung erzeugen - Neben den richtigen Worten ist auch der passende Ton bei der Ansprache entscheidend.

"Die Atmosphäre bei der Weihnachtsfeier fällt nicht von den Wänden. Für eine angenehme Stimmung leistet jeder Einzelne seinen Beitrag", sagt die Leiterin der Schule des Sprechens, Tatjana Lackner. Nicht nur die richtigen Worte sondern auch den passenden Ton bei der Weihnachtsansprache zu wählen sei für die Atmosphäre ein wichtiger Beitrag. 

Die Natur kenne drei Formen: gerade, konvex und konkav. Diese Formen finden sich auch in den Kommunikationstrategien wieder, erklärt Lackner, und sie sollten je nach Anlass eingesetzt werden (siehe Grafik). Eine gerade oder direkte Kommunikationsform sei beispielsweise für Mitarbeitergespräche die geeignete Strategie, konvex als bestimmende Kommunikation soll in Unternehmen dann gewählt werden, wenn es um Zielvereinbarungen und Reports an die nächsten Ebene geht. Eine konkave oder gewinnende Kommunikation sei bei Präsentationen, Akquisitionsgesprächen und bei Weihnachtsreden die passende Strategie. "Bei diesen Anlässen geht es darum, die Zuhörer ins Boot zu holen", ergänzt Lackner.

Keine Arbeitsklausur

Die Weihnachtsrede sei keine Arbeitsklausur. Mit harten Zahlen, Daten, Fakten werde kaum eine feierliche Stimmung aufkommen, genauso wenig, wenn die Ansprache des Chefs hauptsächlich für Eigenmarketing genutzt werde, so die Sprechtrainerin. Zu viel Lobhudelei in der Weihnachtsrede sei ebenfalls nicht angebracht. 

Einzelne Abteilungen und Mitarbeiter, die im vergangenen Jahr Besonderes geleistet haben, können aber sehr wohl namentlich genannt werden. "Mitarbeiter sind nicht nur Arbeitsmarionetten, sie haben auch ein Leben außerhalb des Unternehmens", sagt Lackner. Je nach Firmengröße und Unternehmenskultur könne bei der Weihnachtsrede durchaus auch auf Privates wie beispielsweise Babyzuwachs Bezug genommen werden. 

Bei der Weihnachtsansprache gehe es darum, das Wir-Gefühl zu stärken. Zu viel Optimismus und ein Schönreden der wirtschaftlich angespannten Situation müsse nicht sein. Viel mehr solle ein kritischer Blick auf das vergangene Jahr geworfen und gleichzeitig eine glaubwürdige Perspektive für das neue Jahr gegeben werden. „Was wir sein wollen und nicht, was wir haben, soll dabei das Thema sein", erklärt Lackner.

Zur Vorbereitung empfiehlt sie den Rednern, auch eine Blick auf die Teilnehmerliste zu werfen. „Die Rede sollte nicht länger als 25 Minuten dauern. Alles, was länger ist, wird langweilig", lautet ihr Rat. Jemanden spontan um eine Ansprache zu bitten sollte unbedingt vermieden werden. "Das ist auf jeden Fall ein Stimmungstöter." (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.12.2009)

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    Konkave oder gewinnende Kommunikation bei Weihnachtsreden

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    grafik: standard
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