Reisen 2010: Kurzfristiger, weniger und teurer

11. Dezember 2009, 16:38
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Trend zur kurzfristigen Buchung hält an, Reiseaktivität geht zurück, leichtes Plus in Österreich. Flugtickets werden voraussichtlich teurer

Auch der Reisemarkt hat die Finanzkrise dieses Jahr zu spüren bekommen. Die Realität ist zwar nicht ganz so düster, wie es die Prognosen für das Frühjahr 2009 waren, trotzdem musste die europäische Reiseindustrie bei den Ankünften Einbrüche von acht Prozent hinnehmen. Das ist das Ergebnis des ITB World Travel Trend Reports.

Demnach haben die Europäer ihre Auslandsreisen um sieben Prozent verringert, die Lust, Geld für und auf Reisen auszugeben ist um 15 Prozent geschrumpft. Der Rückgang von Fernreisen lag mit zwölf Prozent deutlich höher als jener von Nahreisen, die aber immerhin noch mit einem Verlust von sechs Prozent zu Buche schlagen. Kein erfreuliches Jahr also für die Reiseindustrie in Europa. Und auch für das kommende Jahr sind die Aussichten alles andere als rosig. Es wollten zwar laut einer Umfrage im Oktober immer noch mehr als zwei Drittel mindestens soviel reisen wie 2009 - das sind 68 Prozent -, allerdings waren es im Vorjahreszeitraum noch 80 Prozent.

Österreicher reisten 2009 mehr

Die höchsten Rückgänge gibt es laut der Untersuchung in Großbritannien, in Russland und in Schweden. Einzig und allein die Österreicher reisten 2009 mehr als im Vorjahr und steigerten ihre Reiseaktivitäten um zwei Prozent gegenüber 2008.

Ein Trend, der sich immer mehr fortsetzt sind extrem kurzfristige Buchungen. Noch nie wurde so spät gebucht wie im Jahr 2009. Der Anteil jener, die eine Woche vor Reiseantritt ihre Buchung abgeschlossen haben stieg in der ersten acht Monaten des Jahres um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, erneut weniger geworden sind hingegen jene Buchungen, die zwischen einer Wochen und einem Monat vor Reisebeginn abgeschlossen wurden (fünf Prozent). Noch höher ist der Rückgang bei Buchungen, die drei Monate und länger vor der Reise gemacht wurden (13 Prozent).

Der Reisende, das unbekannte Wesen

Martin Buck, Direktor des KompetenzCenters Travel und Logistics der Messe Berlin erklärt diese Entwicklung mit dem demographischen Wandel und der Rezession. "Der Urlauber lässt sich nicht in die Karten blicken und bucht kurzfristiger denn je. Gepaart mit dem wirtschaftlichen Umfeld kommen auf die Reiseindustrie gewaltige Herausforderungen zu", erklärt er. Der Reisende wird laut Buck für Veranstalter und Fluggesellschaften zunehmend unkalkulierbar.

Flugtickets werden teurer

Ob die Prognose über steigende Flugpreise die Reisefreudigkeit der Europäer anheizen wird, bleibt abzuwarten. Tatsache ist, dass die Fluggesellschaften versuchen müssen, aus der Verlustzone zu kommen. Erreichen wollen sie das über eine Erhöhung der Steuern und Abgaben beim Ticketkauf. Laut ITB World Travel Trends Report wird es zwar trotz der Krise ein dynamisches Wachstum im Luftverkehr innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte geben, zu Zeit sind jedoch die Flugpreise zu niedrig, um die Fluggesellschaften zurück in die Profitabilität zu bringen.

Verantwortlich für das zu erwartende Wachstum seien laut der Studio vor allem der chinesische Markt, gefolgt vom asiatisch-pazifischen Raum und Lateinamerika. Europa liegt mit 3,4 deutlich unter dem weltweit angenommenen durchschnittlichen Zuwachs von 4,9 Prozent.

Die guten Seiten der Krise

Laut Buck hat die Krise aber nicht nur negative Folgen für die Reiseindustrie: „Die Überkapazitäten sind weltweit im Luftverkehr abgebaut und ältere Flugzeuge mit hohem Kerosin-Verbrauch aus dem Verkehr gezogen worden." Abzuwarten bleibe auch, in wie weit sich das Feld der Geschäftsreisen verändern wird und ob in Zukunft Videokonferenzen und andere Kommunikationsmittel das Reiseverhalten beeinflussen werden. (ham/derStandard.at)

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    Was die Reisenden für 2010 erwartet : teurere Flugtickets.

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