Klimagipfel: "Scheitern wäre ein Erfolg"

14. Dezember 2009, 10:08
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Bjørn Lomborg erklärt warum die Reduktion von CO2-Emissionen nichts bringt - Was stattdessen sinnvoll wäre und warum der Einzelne fast nichts tun kann

Es muss mehr in Forschung und Entwicklung der alternativen Energiequellen investiert werden, fordert Lomborg im Interview mit derStandard.at. Der Klima-Gipfel in Kopenhagen wird aber nicht zu diesem Ergebnis kommen. Wenn ein Scheitern des Gipfels zum Überdenken der Lösungsstrategien führen würde, "wäre das eine gute Sache". 

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derStandard.at: Sie sagen die Reduktion von CO2-Emission sei nicht der richtige Weg den Klima-Wandel zu verhindern? Warum nicht?

Lomborg: Zuerst möchte ich klarstellen, dass ich den Klimawandel nicht anzweifle. Woran ich aber zweifle ist die derzeitige Klima-Politik. Ich denke die Lösungsvorschläge, die derzeit auf dem Tisch liegen, funktionieren nicht. Ich sitze gerade im Bella Center in Kopenhagen, wo die Verhandlungen stattfinden. Jeder scheint hier dieselbe Politik wiederholen zu wollen, die schon in den vergangenen 18 Jahren nicht funktioniert hat. Seit der Konferenz in Rio im Jahr 1992 versprechen wir die CO2-Emissionen zu reduzieren. Aber es ist nichts passiert. Dann haben wir 1997 in Kyoto eine noch höhere Reduktion versprochen. Und wieder ist nichts passiert. Jetzt geht es wieder um Reduktion.

Ich denke es gibt einen klügeren Weg, den Klimawandel zu stoppen. Beim Copenhagen Consensus haben wir 28 der besten Ökonomen zusammen gebracht. Eine der Fragen war auch, was gegen den Klimawandel getan werden kann. Was die Experten gesagt haben war, dass die Reduktion der Emissionen ein unglaublich ineffizienter Weg ist, um die globale Erwärmung in den Griff zu bekommen. Es wäre besser die Investitionen in Forschung und Entwicklung von alternativen Energiequellen massiv zu erhöhen.

derStandard.at: Wenn es einen effektiveren, günstigeren Weg gibt, warum konzentrieren sich immer noch alle auf die Reduktion der CO2-Emissionen?

Lomborg: Politiker wollen als Retter der Welt wahrgenommen werden. Rauszugehen und zu sagen, wir wollen jetzt 0,2 Prozent unseres BIP für Forschung und Entwicklung alternativer Energiequellen ausgeben, klingt einfach nicht nach Rettung des Planeten, sondern eher nach einer technischen und bürokratischen Lösung. Es klingt einfach besser zu sagen, wir werden die CO2-Emissionen um 80 Prozent bis 2050 senken. Klingt gut - wird aber nicht passieren. Alle Politiker, die 1997 das Kyoto-Protokoll unterschrieben haben, sind nicht mehr im Amt und müssen sich auch nicht mehr für ihre damaligen Versprechen verantworten. Und auch Unternehmen profitieren von den ineffizienten Entscheidungen.

derStandard.at: Wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoll, wenn die Verhandlungen in Kopenhagen scheitern?

Lomborg: Was passieren sollte ist, dass jedes Land 0,2 Prozent seines BIP für Forschung und Entwicklung alternativer Energiequellen ausgeben sollte. Das wäre fantastisch. Es wäre klüger, einfacher und billiger. Auch China und Indien wären so leichter an Bord zu holen. Das Budget für Forschung und Entwicklung würde 50-mal so groß sein wie das derzeitige. Das ist was wir machen sollten. Leider wird es nicht das sein, was passiert.

Es sieht so aus, als würde es stattdessen eine politische Einigung geben und große Versprechen gemacht werden. Es wird auch ein schönes Abschlussdokument geben. Sie werden Champagner trinken, nach Hause gehen und sich so fühlen, als hätten sie die Welt gerettet. In zehn Jahren werden wir uns wieder treffen und fragen warum Kopenhagen wieder nicht funktioniert hat. In diesem Sinne wäre ein Scheitern ein Erfolg. Wenn es ein Scheitern braucht, um die Welt wach zu rütteln und zu einem anderen Weg führt, wäre es eine gute Sache.

derStandard.at: Warum ist die globale Erwärmung eigentlich so schlecht. Wäre es nicht einfacher und vielleicht auch billiger sich daran anzupassen, als zu versuchen diese Entwicklung aufzuhalten?

Lomborg: Es ist klar, dass wir uns an viele Sachen anpassen werden - wie wir es schon immer gemacht haben. Veränderungen, die es bisher bei der Temperatur oder Wasserständen gegeben hat, hatten natürliche Ursachen. Daran hat sich die Menschheit immer wieder angepasst. Das haben wir während der Eiszeit und während des Mittelalters gemacht. Die Niederlande haben ihr Land soweit angepasst, das jetzt 60 Prozent der Bevölkerung unter dem Meeresspiegel leben.

Aber dass wir und anpassen können bedeutet nicht, dass wir uns nicht um den Klimawandel kümmern sollen. Wir sollten uns um eine Lösung bemühen. Wir brauchen eine Lösung, die politisch durchführbar und wirtschaftlich klug ist. Ansonsten vergeuden wir nur Zeit.

derStandard.at: Warum gibt es derzeit einen solchen Hype um das Thema Klima? Es gibt auch andere globale Probleme - wie Hunger, Wasser, HIV - die aber weniger Aufmerksamkeit bekommen.

Lomborg: Das ist ein kollektiver Fehler, der uns daran hindert zu sehen was wirklich wichtig ist. Klima ist sicher wichtig, aber wenn man mit der Bevölkerung in zahlreichen Erdteilen trifft, dann wird klar, dass für die meisten andere Probleme mehr Relevanz haben. Menschen in Entwicklungsländern machen sich natürlich Gedanken über Klimaveränderungen, aber ihnen ist wichtiger, wie sie die kommende Woche überleben. Wir sollten uns natürlich um den Klimawandel kümmern, aber dabei die anderen Probleme nicht vergessen.

Der Grund warum das aber oft geschieht, ist weil es langweilige, alte Nachrichten sind. Wir wissen seit langem, dass Menschen an Unterernährung sterben. Aber das macht es nicht unwahr.

derStandard.at: Was kann jeder Einzelne gegen den Klimawandel machen?

Lomborg: Meine etwas deprimierende Antwort ist: Leider nicht sehr viel. Es geht nicht darum, was jeder einzelne beitragen kann, sondern wie wir unsere Gesellschaft organisieren. Natürlich ist es gut, keine Energie zu verschwenden, Energiesparlampen zu verwenden etc. Aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt des Gesamtproblems. Wenn jeder in der westlichen Welt auf energiesparende Glühbirnen umsteigen würde, könnten wir soviel CO2-Emissionen einsparen, wie China an einem Tag in die Luft bläst.

Hier geht es nicht darum guten Willen zu zeigen, sondern darum ein System zu erschaffen das funktioniert. Solarzellen müssen so billig sein, dass sie sich jeder leisten kann - und nicht nur wohlmeinende, klimabewusste, wohlhabende Menschen in der westlichen Welt.

Es kann nicht das Ziel sein, die Menschen und ihre Lebensweise verändern zu wollen, wie es viele der grünen Organisationen wollen. Es ist einfacher, klüger und besser die Technologien zu verändern. (derStandard.at, 11.12.2009)

  • Zur Person: Bjørn Lomborg ist Dozent an der Copenhagen Bussiness School und leitet das Copenhagen Consesus Center - ein Think Tank der mit der Frage beschäftigt, wie Hilfs- und Entwicklungshilfegelder am besten eingesetzt werden sollen. 
Lomborgs Beiträge und Bücher zum Thema Klimawandel sind viel
diskutiert. Lomborg bestreitet nicht, dass es den Klimawandel gibt und
dass das Phänomen von Menschen verursacht wurde.
    foto: project syndicate

    Zur Person: Bjørn Lomborg ist Dozent an der Copenhagen Bussiness School und leitet das Copenhagen Consesus Center - ein Think Tank der mit der Frage beschäftigt, wie Hilfs- und Entwicklungshilfegelder am besten eingesetzt werden sollen. 

    Lomborgs Beiträge und Bücher zum Thema Klimawandel sind viel diskutiert. Lomborg bestreitet nicht, dass es den Klimawandel gibt und dass das Phänomen von Menschen verursacht wurde.

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