1,45 Milliarden Verlust, tausende Jobs wackeln

11. Dezember 2009, 13:30
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Ohne Kapitalzuschuss würde Kapitalquote 2009 und 2010 auf 3,8 bzw. 3,4 Prozent sinken

Wien - Die Hypo-Alpe-Adria-Eigentümer brüten derzeit über einem streng vertraulichen Restrukturierungskonzept, das den Kapitalbedarf berechnen hilft, damit die Hypo überleben kann.

Ohne Kapitalzuschuss ist die Hypo pleite, weil die Kernkapitalquote (Tier 1) nach hohen Abschreibungen - nach vorläufigen Rechnungen bis zu 1,7 Mrd. Euro - unter dem gesetzlichen Minimum von 4 Prozent zu liegen käme. Das Magazin "Format" zitiert aus dem brisanten Vorstandspapier. Demnach läge die Eigenkapitalquote (Tier-1) 2009 bei 3,8 Prozent. Im kommenden Jahr 2010 würde sie auf 3,4 Prozent sinken.

Das sind jedoch rein rechnerische Annahmen, weil Banken unter Aufsichtskuratel gestellt bzw. geschlossen werden müssten, sobald die Kapitalquote unter das gesetzliche Minimum von 4 Prozent sinkt.

Den für 2009 zu erwartenden Verlust der Hypo Alpe Adria beziffern die Autoren des Strategiepapiers mit 1,454 Mrd. Euro.

Fortführungskonzept

Zur Fortführung muss die Bank mit Unterstützung des Steuerzahlers zerschlagen werden, so das Magazin. Das 20-seitige Fortführungskonzept wurde an die Eigentümer und den Finanzminister persönlich geschickt. Damit haben die Beteiligten in ihrem Poker, wer Milliarden für den Fortbestand der Hypo aufbringen sollte, nun den gleichen Wissensstand. "Format" zufolge wird mit dem Papier klar, warum die Bayern, aber auch Land Kärnten und Grawe so bald wie möglich aus der Bank raus wollen.

Dem streng vertraulichen "Positionspapier des Vorstands" zufolge nehmen die Risikovorsorgen für faule Kredite in Österreich und Südosteuropa Furcht erregende Ausmaße an: Bis 2013 müssen 3,1 Mrd. Euro rückgestellt werden. Aufgrund der zahlreichen Problemkredite sei nach den Verlusten 2008 (520 Mio. Euro) und 2009 (1,45 Mrd. Euro) auch 2010 ein Minus schon fix. Es wird mit 109 Mio. Euro prognostiziert.

Zittern müssen die rund 7.500 Mitarbeiter der Hypo Group. Denn dass die Bank zerschlagen werden muss, steht bereits fest, auch wenn eine Trennung in einen Österreich- und einen Osteuropa-Teil nur schwer zu bewerkstelligen sei, wie "Format" schreibt, weil beide Bereiche zu stark miteinander verwoben sind.

Trennung in Good Bank und Bad Bank

Einer Trennung in eine Good Bank und in eine Bad Bank für belastete Assets und riskante Geschäfte haben Wirtschaftsexperten die ganze Woche das Wort gesprochen. Auch das österreichische Geschäft könnte abgegeben werden, schreibt nun das Format.

Bisher war ein konzernweiter Jobabbau von 2.100 Mitarbeitern geplant gewesen, davon 180 in Österreich. Nun sollen zumindest weitere 1.000 Jobs wegfallen. Vorgesehen sei etwa auch der "komplette Austausch der Geschäftsführungen" in fünf Leasing-Gesellschaften der Bank, heißt es im Strategiebericht.

Die Hypo Group werde sich aus sieben Ländern vollständig zurückziehen (Montenegro, Mazedonien, Bulgarien, Ungarn, Ukraine, Deutschland und Liechtenstein) und sich künftig auf sechs Kernländer (Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Serbien) beschränken.

Ausleihungen

Die Ausleihungen müssen dramatisch zurückgefahren werden, nach bisherigem Plan um 7 Mrd. Euro. Die Reduktion teilt sich nach "Format"-Informationen folgendermaßen auf:

- 1,9 Mrd. Euro in Leasing-Ländern und Montenegro;

- 1,6 Mrd. im Cross-Border-Portfolio;

- rund 0,5 Milliarden in Bosnien plus rund eine Milliarde Euro in Österreich;

- 1,3 Mrd. Euro durch "Abbau von Beteiligungen, Reduktion Global Markets, Nutzung methodischer Hebel durch Verbesserung der Dokumentationssituation". (APA)

 

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