"Microsoft hat den Consumer-Markt verloren"

11. Dezember 2009, 13:33
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Analyst rät Microsoft sich endlich vom Handy-Markt zu verabschieden - Microsoft verstehe die Consumer-Welt einfach nicht

Während viele Analysten und Marktbeobachter glauben, dass die Welten von Business- und Consumer-Technologie zusammenwachsen, sieht es Mark Anderson vom Strategic News Service komplett anders. Seiner Meinung nach driften die beiden Bereiche auseinander und Microsoft sitze auf der Business-Seite, wie er gegenüber der New York Times erklärt hat.

"Business und Consumer driften auseinander"

Während Apple und Google und viele asiatische Hersteller den Consumer-Markt bedienen, würden Microsoft, IBM, Dell, Cisco und HP am Business-Markt bleiben. So wie es etwa Google nicht in den Enterprise-Bereich schaffe, habe auch Microsoft keine Chance mehr am Consumer-Markt, so die Einschätzung von Anderson. Beide Unternehmen und vermutlich auch andere Analysten würden ihm da wohl widersprechen. Googles Cloud-Ambitionen mit Google Docs und Co gelten auch für Unternehmen als zukunftsträchtig. Microsoft wiederum beherrscht den Desktop-Markt und ist mit seiner Xbox 360 und eigenen Spielen auch ein großer Player bei Gaming.

Verlierer am Handy-Markt

Wo man Anderson zustimmen muss, ist der Handy-Markt. Obwohl Smartphones mit Touchscreen lange Zeit als Business-Geräte für Außendienstmitarbeiter galten, haben es Hersteller, allen voran Apple, mit neuen Designs und moderner Software geschafft private Nutzer ins Boot zu holen. Microsoft ist das mit Windows Mobile bislang nicht gelungen. "Es ist Zeit, Microsoft zum Verlierer bei Handy zu erklären", meint der Analyst. Es sei besser Microsoft gebe diesen Markt endlich auf. Mit dieser Einschätzung ist Anderson nicht alleine. So hatte BusinessWeek-Autor Jack Gold im Sommer vorausgesagt, dass sich der Konzern innerhalb von zwei Jahren aus dem Geschäft zurückziehen werde.

Alles dreht sich um Apps

Anderson dürfte dem Marktanteil von Microsoft mit Windows im Desktop-Bereich offenbar deswegen keine Beachtung schenken, da für ihn Smartphones den Computer als innovative Plattform für Software-Entwicklung ablösen. Bei Apples und Googles mobilen Plattformen dreht sich alles um die Application Stores. Für Windows Mobile gibt es zwar ungleich mehr mobile Anwendungen, doch diese sind verstreut in verschiedenen Shops. In Microsofts eigenem Marktplatz gibt es vergleichsweise wenige Programme.

Kulturelles Problem

Microsofts Problem sei ein kulturelles, meint Anderson. "Handys sind Consumer-Artikel und Microsoft hat keine Consumer-DNA." Das merke man auch sofort, wenn man bei den Redmondern zu Gast sei. Spürbar ist das auch bei Auftritten den Chefs. Während Steve Ballmer meist in Anzug und Krawatte anzutreffen ist, mögen es etwa Sergey Brin und Larry Page von Google oder Steve Jobs von Apple leger. Das liegt wohl an den unterschiedlichen Biografien. Ballmer war bei Microsoft immer fürs Business zuständig, während Jobs und die Google-Twins aus der Geek-Ecke kommen. CEO bei Google ist eigentlich Eric Schmidt, dennoch stehen Brin und Page im Vordergrund - aus gutem Grund. Microsoft hat für die Consumer-Welt derzeit keine charismatische und sympathische Vorzeigeperson. Auch bei HP, Dell oder IBM sieht man Anzüge statt markanter Rollkragen-Pullis oder schrulliger Geek-Schuhe (wie sie Brin gerne trägt) an der Spitze.

Marktstrategie

Wie die Unternehmen nach außen auftreten hat sicherlich keine entscheidenden Auswirkungen auf den Erfolg eines Produkts. Die Marktstrategie ist da schon wesentlicher. Aber auch hier zeigt sich Microsoft teilweise zugeknöpfter als die Konkurrenz. So wurde der Musikplayer Zune HD zwar von vielen Medien in höchsten Tönen gelobt und verkauft sich gut, dennoch hat sich der Konzern bislang nicht für einen weltweiten Marktstart entschieden. Mit einer starken Spielekonsole und einem nach wie vor weitverbreiteten Betriebssystem für private Computer und Netbooks ist Microsoft am Consumer-Markt sicherlich noch eine Größe. Wie lange sich der Konzern auf diese beiden Bereiche stützen kann, bleibt abzuwarten. Ansonsten steuert der Konzern eine ähnliche Richtung wie IBM an, das mittlerweile gänzlich vom Consumer-Markt verschwunden ist. (Birgit Riegler/ derStandard.at 11. Dezember 2009)

 

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    Steve Ballmer kann den Consumer-Markt nicht ansprechen, meint Analyst Mark Anderson

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