Deix-Karikaturen: Kirche schaltet Justiz ein

11. Dezember 2009, 17:55
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Arbeiten würden gegen das NS-Verbotsgesetz verstoßen und religiöse Lehren herabwürdigen - Deix: "Beweisen, dass Gott so nicht aussieht"

Wien - "Verletzte religiöse Gefühle", die nächste Runde: Zwei Karikaturen von Manfred Deix haben mehrere Diakone der Erzdiözese Wien veranlasst, der Staatsanwaltschaft Wien eine Sachverhaltsdarstellung zu übermitteln. Wie es in einer Aussendung der Erzdiözese heißt, verweisen Andreas Frank, Max Angermann und Gerhard Sarman darauf, "dass in den Deix-Karikaturen zum Thema 'Gott' (12. November) bzw. 'Kruzifix' (19. November) u.a. auch gegen das NS-Verbotsgesetz verstoßen wird; außerdem würden religiöse Lehren herabgewürdigt (Paragraf 188 Strafgesetzbuch)." Erschienen sind die Zeichnungen in "News".

Stellungnahme

"So einen Unsinn muss ich nicht kommentieren", meinte Manfred Deix in einer Stellungnahme auf News.at: "Wer meine Bilder und meine Geschichte kennt, weiß auf welcher Seite ich stehe." Weiters schreibt er: "Die Damen und Herren müssen mir einmal beweisen, dass Gott so nicht aussieht oder ausgesehen hat. Ich habe nur gemutmaßt. Offenbar gehen einzelne Mitglieder der offiziellen katholischen Kirche jetzt den Weg, den vor ihnen bereits radikale Moslems gegangen sind und verfolgen jetzt Karikaturisten..."

Es handle sich bei der Sachverhaltsdarstellung nicht um eine Aktion der Erzdiözese, sondern um "eine Initiative der Diakone, die in ihren Kontakten mit Gläubigen öfters darauf angesprochen wurden", erklärte der Sprecher der Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger. Normalerweise würde zu einer Veröffentlichung dieser Art nicht Stellung genommen, "doch hier ist eine Schwelle überschritten worden". Angermann präzisiert: "Es ist keine Klage. Die Sachverhaltsdarstellung will nichts anderes, als die Staatsanwälte aufmerksam zu machen: Das ist erschienen, es gab Proteste, bitte schaut euch an, ob das in unserem pluralen Staat in Ordnung ist. Wir wollen nicht wehleidig sein, sondern es geht uns darum, Grenzen aufzuzeigen im Sinne eines pluralen Zusammenlebens auf der Basis von Toleranz".

Was zu sehen ist - und wie

Auf der Karikatur vom 19. November (Bildzeile: "Entwurf für ein multikulturelles Kompromisskreuz") wurden Aussendung Symbole von Christentum, Islam und Buddhismus mit den Symbolen zweier Totalitarismen - Nationalsozialismus (Hakenkreuz) und Kommunismus (Hammer und Sichel) - zusammenmontiert. Die Diakone betonen dazu: "Dadurch, dass das Symbol des Nationalsozialismus kritiklos auf eine Stufe mit den Symbolen von Weltreligionen gestellt wird, erscheint auch die verbrecherische NS-Ideologie gesellschaftlich quasi rehabilitiert, neu anerkannt bzw. verharmlost".

In einer Aussendung wird darauf hingewiesen, dass "viele Christen, angefangen von einem Franz Jägerstätter oder einem Dietrich Bonhoeffer" ihr Leben hingegeben hätten, "weil es mit menschenverachtenden Ideologien wie dem Nationalsozialismus nie einen Kompromiss geben kann". Die Deix-Karikatur "Entwurf für ein multikulturelles Kompromiss-Kruzifix" vom 19. November stelle daher auch eine "unglaubliche Verhöhnung" zigtausender Opfer von Nationalsozialismus und Kommunismus dar.

Durch die Deix-Karikaturen hätten sich viele gläubige Menschen in ihren religiösen Gefühlen verletzt gefühlt, befinden die Diakone. Was Deix gezeichnet habe, sei eine "visuelle Rücksichtslosigkeit", die ihrer Meinung nach mit der Freiheit der Kunst nicht begründet werden könne, sondern eine "Grenzüberschreitung" gegen die großen Religionen insgesamt darstelle.

Reaktion von "News"

"Manfred Deix wollte sicherlich keine religiösen Gefühle verletzen", sagte Oliver Voigt, Generalgeschäftsführer der "News"-Gruppe. "Karikatur kommt von caricare oder caricatura und bedeutet Überladung bzw. Übertreibung. Manfred Deix verzerrt jede Woche ironisch-satirisch und im Rahmen der künstlerischen Freiheit greifen wir grundsätzlich nicht in die inhaltliche Gestaltung seiner Karikaturen ein." (APA/red)

Stein des Anstoßes:
Karikatur 1, Karikatur 2

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Karikaturist Manfred Deix - "verletzt religiöse Gefühle".

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