Leben, anders

13. Dezember 2009, 18:27
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Weiterleben nach einem Unfall oder mit einer chronischen Erkrankung - "Trotzdem" präsentiert ein Panoptikum von Lebensgeschichten

Weihnachten ist hart für Menschen, die krank sind, denn es ist immer auch eine Zeit, Bilanz zu ziehen. Wer krank wird, ist gezwungen, sein Leben zu ändern. Das klingt unerträglich banal, und gerade deshalb ist es für jene, die selbst oder als Angehörige betroffen sind, auch eine so große Herausforderung. Selbstbestimmung aufgeben, Hilfe annehmen, Mitleid aushalten - das sind neben der Erkrankung selbst plötzlich zentrale Themen des Alltags. Trotzdem ist ein Buch, das zeigt, wie 19 Menschen ihr Leben nach Unfällen trotz chronischer Erkrankungen oder nach schweren Schicksalsschlägen weiterleben.

Es ist ein Panoptikum von Lebensgeschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die oberösterreichische Autorin und Journalistin Christine Haiden präsentiert sie in Interviewform. Sie hat mit Prominenten und Nicht-prominenten gesprochen, mit Menschen aus vollkommen unterschiedlichen sozialen Schichten, mit unterschiedlichen Problemen und Menschen aller Altersstufen. Sie spricht an, was Realität sein kann - etwa Alkohol als Problemlöser, zwischenmenschliche Enttäuschungen oder die Lust, einfach alles hinzuschmeißen. Aber es geht auch um Wege der Bewältigung, um Vorbilder, Zorn, Ansporn und manchmal auch um Humor, der in Konfrontation mit dem Tod mitunter sehr schwarz sein kann. Was den Geschichten gemeinsam ist: Die Protagonisten haben jeder für sich entdeckt, was wesentlich im Leben ist - und das ist ganz generell auch für jene, die gesund sind, eine ganz gute Sache. (Karin Pollack, DER STANDARD Printausgabe, 14.12.2009)

Christine Haiden, Petra Rainer: "Trotzdem". Residenz Verlag 2009

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