Schulkinder allein daheim

11. Dezember 2009, 10:28
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Jeder zehnte Schüler mit berufstätigen Eltern ist nachmittags allein, zeigt eine AK-Studie - Nur 29 Prozent haben einen fixen Nachmittagsplatz in Hort oder Schule

Wien - Jeder zehnte Pflichtschüler, der voll berufstätige Eltern hat, ist am Nachmittag unbetreut. Das zeigt eine am Freitag veröffentlichte Studie der Arbeiterkammer (AK). 43 Prozent der Kinder werden demnach privat betreut, vor allem von den Großeltern. Für zwei von zehn Kindern (19 Prozent) gibt es eine Mischform aus privater Betreuung und zeitweiser Betreuung etwa in einem Hort, 29 Prozent haben durchgängig einen Platz in Schule oder Hort.

Insgesamt lebt in Österreich nur ein Drittel der Kinder zwischen sechs und 14 Jahren in Familien, in denen beide Elternteile ganztägig arbeiten. Für die AK zeigt das die schwierige Vereinbarkeit von Vollzeit-Berufstätigkeit und Familie.

Auch wenn prinzipiell eine Betreuung für die Kinder existiert, kommt es immer wieder zu Lücken: So sind etwa vier Prozent der Fünf- bis Siebenjährigen, 14 Prozent der Acht- und Neunjährigen sowie 32 Prozent der Zehn- und Elfjährigen nachmittags trotz prinzipiell existierender Betreuung manchmal allein.

AK fordert mehr Ganztagsschulen

Auf die Frage nach der Auswirkung der unterschiedlichen Betreuungsarten auf die schulische Entwicklung der Kinder zeigten die Eltern eine Präferenz für die "echte" Ganztagsschule mit einem Wechsel von Lern- und Freizeit über den ganzen Tag verteilt. 80 Prozent maßen ihr eine "sehr positive" oder "eher positive" Auswirkung zu. Die reine Nachmittagsbetreuung an Schulen wurde von 60 Prozent positiv bewertet, der Hort von 55 Prozent und die rein private Betreuung von 54 Prozent.

Die AK fordert daher einen Stufenplan für "die generelle Umstellung vom Halbtags- auf ein Ganztagsschulsystem": Zunächst soll es eine Ganztagsvolksschule pro Bezirk geben, dann nur noch Ganztagsvolksschulen. Längerfristig soll dann die gesamte Mittelstufe Ganztagsbetreuungsangebote machen können. Gleichzeitig müsse die Qualität erhöht werden. Bei der Art des Angebots plädiert die AK für echte Ganztagsschulen. "Hier haben wir die besten Ergebnisse", so AK-Präsident Herbert Tumpel in einer Aussendung. "Alle Kinder müssen bestmöglich gefördert werden. Kein Kind soll auf der Strecke bleiben, weil es keine Betreuung gibt oder nur in mangelhafter Qualität." (APA)

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