Google-Chef: "Wer etwas zu verbergen hat, sollte es lieber gleich lassen"
Andreas Proschofsky, 11. Dezember 2009, 11:10
foto: nbc
Eric Schmidt sorgt für Sturm der Entrüstung - Mozilla-Entwickler fordert zum Umstieg auf Bing auf
In einem geradezu unglaublichen Tempo hat Google in den letzten Tagen neue - oder stark verbesserte - Produkte auf den Markt gebracht. Unter all die technische Begeisterung über die Innovationsfähigkeit des Unternehmens mischt sich aber auch die zunehmende Sorge über die Allmacht des Konzerns: All zu viele Fäden laufen mittlerweile auf den Servern von Google zusammen, so dass - zumindest theoretisch - ein recht vollständiges Bild über die Online-Aktivitäten und die Vorlieben der Internet-NutzerInnen erstellt werden könnte.
Interview
Insofern ist die Wahrung der Privatsphäre ein Thema, zu dem man sich beim Softwarehersteller in der Vergangenheit nur äußerst vorsichtig geäußert hat. Ausgerechnet Google-Chef Eric Schmidt spielt nun aber den sprichwörtlichen "Elefant im Porzellanladen" und sorgt mit einem aktuellen Interview für einen regelrechten Sturm der Empörung.
Nichts zu verbergen?
"Wenn Sie etwas tun, was niemand wissen sollte, sollten Sie es lieber gleich bleiben lassen", antwortet Schmidt dem US-Fernsehsender NBC auf eine Frage zum Thema Privatsphäre und Google. Im Nachsatz verweist er dann noch darauf, dass man durch US-Gesetze dazu verpflichtet sei, Informationen über Suchanfragen eine zeitlang zu speichern.
Bei solchen Aussagen kann es nicht weiter verwundern, dass Bürgerrechtsorganisationen wie die Electronic Frontier Foundation (EFF) scharfe Kritik üben. Für den Chef eines Unternehmens, das sich sonst gerne rühmt, äußersten Wert auf die Wahrung der Privatsphäre zu legen, sei eine derartige Naivität in so sensiblen Fragen geradezu erschreckend. Das Recht auf Privatsphäre habe nichts damit zu tun, ob man etwas zu verstecken habe oder nicht, es sei ein grundlegendes Menschenrecht, sekundiert Sicherheitsexperte Bruce Schneier.
Die deutlichsten Worte findet allerdings Mozillas "Director of Community Development" Asa Dotzler: In einem kurzen Blog-Posting, rät er den Firefox-NutzerInnen zum Umstieg auf Microsofts Suchmaschine Bing. Diese habe schlicht eine bessere Privacy-Policy als Google.
Abhängigkeit
Eine Aussage, die freilich etwas delikater Natur ist, ist Mozillas finanzielles Auskommen doch weiterhin primär von den Zahlungen Googles abhängig. Umgekehrt haben sich in den letzten Monaten deutliche Spannungen in dem Verhältnis Mozillas zu Google gebildet, wohl nicht zuletzt durch die direkte Konkurrenz im Browser-Bereich getrieben. Ob diese Animositäten eine Motivation für die Aussagen Dotzlers sind, oder dieser sie trotz des Naheverhältnisses getätigt hat, bleibt schlussendlich der Einschätzung der LeserInnen überlassen. (apo, derStandard.at, 11.12.09)
Google wird nicht dazu gezwungen, meine Vorlieben zu speichern. Punkt! Wenn vor Ihrem Fenster zur Überwachung der Straße Kameras installiert werden, die Sie vielleicht mit gefordert haben, werden's auch nicht achselzuckend meinen, es würde die Sicherheit erhöhen, wenn diese Kameras, Ihre Aktivitäten in Ihrer Wohnung mit aufzeichnet! Ich meine, wenn man nichts zu verbergen hat, braucht man ja keine Angst zu haben - und 100% Sicherheit, die man sich zB durch die Installation von Kameras erhofft, hat man halt nur, wenn ALLES mitgefilmt wird, nicht?
Wenn vor Ihrem Schlafzimmerfenster, weil Sie und alle Ihre Nachbarn aufgrund der Kriminalität in Ihrer Straße das gefordert haben, zur Sicherheit eine Kamera installiert wird, werden's sicher nicht so goschert reden, wenn diese Kamera dann zusätzlich auch noch Ihre Aktivitäten im Schlafzimmer, in der Küche oder unter der Dusche mit aufnimmt... Ich mein, wenn schon denn schon! Man hat ja nix zu verbergen, oder?
hat auch nichts zu befürchten. Dies war auch ein stehender Spruch der GESTAPO im dritten Reich. CEO Schmidt ist ähnlich ungeschickt in der Wortwahl wie niederösterreichische (Kurzzeit-) FPÖ Parteiobmänner ...
Meiner Meinung stellt sich primär die Frage ob das System ohne Kontrolle in dieser Form überhaupt noch haltbar wäre.
Und ob wir Bürger das System überhaupt in dieser Form aushalten wollen.
Immer mehr Menschen sind unzufrieden mit dem Kapitalismus und ihrer Rolle darin, andere, welche weniger sind aber viel mehr Macht im System haben, wiederrum wollen es unbedingt und um jeden Preis halten.
Die Frage ist nur, wo man sich selbst sieht, Oben oder Unten in diesem gespannten Revolver.
Unsere Gegenwart ist vermutlich "allerhöchste Zeit" etwas gegen die Kontrolle zu unternehmen, sofern wir das überhaupt wollen.
ob das system ohne kontrolle in dieser form haltbar wäre kann ich ganz bewusst verneinen, denn ohne derartige kontrolle hätte es sicherlich eine andere form!
natürlich wollen wir nicht mehr zahlen als nötig aber aushalten können wir das leicht, dafür müssen ja schliesslich unsere politiker sorgen!
solange männer und frauen ihre eigenen "partner" betrügen, solange wird der mensch versuchen andere menschen zu kontrollieren!
vielleicht wurde mit der ermordung jfk's schon alles anders und der pöbel wird einfach im unklaren gelassen; erspart es doch den ganzen ärger mit den wahlen, weil diese zur show werden.
ich bin nun jetzt wirklich kein fan von datenspeicherung durch google aber es ist immer der gleiche blödsinn in den artikeln über google...
jeder der sich das interview wirklich angesehen hat weiss dass die aussage durch den fehlenden kontext verfälscht wird.
für die die's nicht kapiert haben:
wer was zu verbergen hat sollte es gleich lassen WEIL die anti-terror-gesetze nicht nur in den usa, sondern auch bei uns, datenspeicherung und deren abrufmöglichkeiten durch die behörden erzwingen.
anonymisierte statistiken und auswertungen haben einen marktwert für google und einen wert für mich weil ich dann keine tampon-werbung abbekomme die mich nicht interessiert.
individuelles tracking interessiert nur einen polizeistaat.
würde der staat google nicht dazu zwingen würde ein profitorientiertes unternehmen doch niemals kohle in individuelles tracking investieren.
...es wird vieles aus dem Kontext gerissen, weil es einfach lustig ist, Leute auf die Palme zu bringen! Das funktioniert mit aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen vom Ahmedinedjad, das funktioniert mit Halbwahrheiten über Microsoft oder Linux... wieso sollte es hier anders sein!? Mich wundert, daß man noch keine Nazi-Connection herbeiphantasiert hat - hieß es in den 40ern Jahren nicht auch, man müsse sich vor nichts fürchten, wenn man nichts zu verbergen hat?
das ist kein individuelles tracking, sie werden als anonyme einheit mit spezifischen interessen in interessengruppen zusammengefasst, glauben sie denn ernsthaft dass ein unternehmen loszieht und sie persönlich analysiert und anschreibt...?
nein, ihr account gehört halt z.b. mit zur interessengruppe der digitalfotografie wenn sie oft danach googlen, keiner kennt sie persönlich.
und google analytics ist natürlich ein benefit für google weil sie die daten bekommen, genauso wie jedes billigere vertragshandy, jeder geschenk-kugelschreiber, privatfernsehen dass durch werbung finanziert wird, alles profitorientierte unternehmen die etwas anbieten und etwas dafür bekommen.
das heisst kapitalismus, oder bäckt anker ihr semmerl aus nettigkeit..?
Entschuldigen Sie bitte, aber Sie sind Ahnungslos. Natürlich verwenden wir individuelles Tracking im Geschäftsverkehr. Wir rufen Leute sogar an, tagsüber die Büronummer, abends die Privatnummer damit unsere Stammkunden nicht abspringen.
Kaum jemand sieht darin eine Belästigung, im Gegenteil, er kauft umgehend weiter.
Und natürlich schauen wir uns Ausreißer aus der statistischen Trendkurve genauer an.
Der Grund? Jeder einzelne Kunde bringt uns Geld,
der den Aufwand lohnt.
ihre kunden haben ihnen die daten gegeben und auch die erlaubnis diese zu nutzen.
aber versuchen sie mal diesen datenstamm weiterzuverkaufen, vor allem wenn sie ihren kunden eine privacy-erklärung vorhalten auf der sie bestätigen dass sie das nicht tun sondern nur anonyme auswertungen weiterverarbeiten und verscherbeln.
Und weil's die ISPs (und die Statistik Austria und all die Geschäfte, bei denen wir Kundekarten haben etc. etc.) tun, ist's eh schon wurscht, wenn Google zusätzlich sammelt (und die Daten zu Werbezwecken, denn damit mach Google sein Geld, selbst weiter verarbeitet).
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