Finanzierungs-Nachfrage massiv eingebrochen

11. Dezember 2009, 09:20
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Aus Angst vor der Zukunft wird weniger gebaut und mehr gespart

Wien - Die angespannte wirtschaftliche Lage wird im ersten Halbjahr auch den Privatsektor erreichen, prognostiziert der Chef der S-Bausparkasse, Josef Schmidinger. Das bereits totgesagte Bausparen erlebte zwar heuer eine ungeahnte Renaissance, mit mehr Vertragsabschlüssen denn je, gleichzeitig brach die Nachfrage nach Finanzierungen bei der S-Bausparkasse um 30 Prozent ein.

Nicht zuletzt, weil die unteren Einkommensbezieher mehr als 50 Prozent ihres Einkommens für Darlehensrückzahlungen verwenden müssten. Und darauf will sich in der Krise niemand einlassen, weder die Betroffenen, noch sind die Banken bereit zu finanzieren.

"Licht am Ende des Tunnels"

Bei der Raiffeisen Bausparkasse registrierte Generaldirektor Erich Rainbacher lediglich im ersten Halbjahr einen Einbruch bei den Finanzierungen um zehn Prozent, seit dem Sommer ginge es wieder aufwärts. Für 2010 ist Rainbacher nicht so pessimistisch, er sehe "Licht am Ende des Tunnels", nicht zuletzt, weil die Regierung signalisierte, im Frühjahr die thermischen Sanierungen wieder zu fördern. Das sei vor allem gut für das Gewerbe. Immerhin fließe bei Raiffeisen mehr als die Hälfte der Finanzierungen in die Sanierung.

Schlecht steht es um den mehr-geschoßigen Wohnungsneubau: "Um das System halbwegs stabil zu halten, bräuchten wir einen disponierbaren Leerstand von 80.000 Wohnungen jährlich." Davon sei man weit entfernt. Im Mehrgeschoßwohnungsbau wurden heuer lediglich 15.809 Einheiten neu bewilligt, der Bedarf läge bei 42.000 pro Jahr. Hält der Trend an, drohe schon bald ein neuer Preisschub, prophezeit Schmidinger. Deutlich rückläufig waren auch die Eigenheim-Bewilligungen, lediglich 13.295 gab es heuer (2006: 22.000), und 2010 liegt die Erwartung gar nur bei 10.000.

Die S-Bausparkasse senkt ab heute jedenfalls den Satz für Zwischenfinanzierungen von 1,97 auf 1,6 Prozent. Bestehende Darlehen werden im Schnitt um 2,25 Prozent billiger. Die schlechte Nachricht: Auch die Sparzinsen sinken von 3,3 auf lediglich ein Prozent. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.12.2009)

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