AIDS

Tablette kein Ersatz für Kondom

11. Dezember 2009, 09:02
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    foto: apa/georg hochmuth

    Tablette statt Kondom: Eine sinnvolle Option für Paare mit Kinderwunsch, bei denen ein Partner HIV-infiziert ist.

Diskussion über Präexpositionsprophylaxe in Deutschland - Vorbeugende Aids-Pillen-Einnahme bietet keinen 100-prozentigen Schutz

Berlin - Safer Sex kann das nicht ersetzen. Außerdem besteht die Gefahr der Produktion von Resistenzen: In Deutschland gibt es eine Diskussion darüber, ob man mit einer Dreier-Kombination an Aids-Medikamenten gar eine medikamentöse Vorbeugung gegen eine HIV-Ansteckung betreiben könnte.

Experten äußern sich darüber in der angesehenen "Deutsche Medizinische Wochenschrift" (DMW). Eine Einnahme von Medikamenten zum Schutz vor Infektionen sei an sich nicht ungewöhnlich, berichten Dozent Stefan Reuter vom Universitätsklinikum Düsseldorf und sein Team. Bei der Malaria beispielsweise sei die Präexpositionsprophylaxe seit langem üblich. Auch zur HIV-Vorbeugung wird diese Option diskutiert, seitdem es gut verträgliche Wirkstoffe gibt, die nur einmal täglich eingenommen werden müssen. Einige Wirkstoffe wie Tenofovir und Emtricitabin erreichen laut den Experten hohe Konzentrationen im Genitalbereich, so dass theoretisch bereits am Ort der Übertragung eine Schutzwirkung erzielt werde. Die Autoren nennen sechs große klinische Studien mit insgesamt 19.000 Teilnehmern, in denen die Präexpositionsprophylaxe untersucht wird. Erste Ergebnisse sollen im nächsten Jahr vorliegen.

Tablette oder Kondom

In einer im Vorfeld in den USA durchgeführten Umfrage haben Reuter zufolge viele Frauen ihre Bereitschaft erklärt, sich durch die regelmäßige Einnahme von Tabletten vor HIV zu schützen. Jede vierte Frau gab an, dass sie dann seltener auf der Verwendung von Kondomen bestehen würde, sechs Prozent meinten, dass sie aufgrund der Tabletten wohl häufiger ihren Sexpartner wechseln würden.

Der Experte warnt vor Missverständnissen. Es sei bereits jetzt ersichtlich, dass die Tabletten keinen 100-prozentigen Schutz vor einer Infektion bieten. Sie könnten deshalb bisherige präventive Strategien wie den "Safer Sex" mit Kondomen nicht ersetzen. Eine sinnvolle Anwendung sieht der Infektiologe bei Personen, die sich vor ungeschützten sexuellen Übergriffen nicht schützen können oder bei Paaren mit Kinderwunsch, bei denen ein Partner HIV-infiziert ist. Aber auch für Personen mit einem hohen Infektionsrisiko oder für Prostituierte käme die vorbeugende Pille infrage.

Mehr Resistenzen

Der Experte befürchtet aber, dass sich viele Prostituierte das verschreibungspflichtige Medikament auf dem Schwarzmarkt besorgen könnten. Durch die unzuverlässige Einnahme würden die HIV-Infizierten dann nicht nur ihre eigene Gesundheit gefährden. Sie würden auch die Entwicklung und Übertragung von resistenten HI-Viren fördern, bei denen Medikamente wirkungslos wären: "Ein HIV-Test vor einer Präexpositionsprophylaxe ist daher zwingend erforderlich und muss regelmäßig wiederholt werden." (APA)

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Posting 1 bis 25 von 55
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sixela
20
15.12.2009, 21:53
Also

Die HIV-Ansteckwahrscheinlichkeit ist entgegen der Panikmache ohnehin sehr gering (0,1% pro GV mit Infizierten).

Wenn man sie zusätzlich - wenn schon zu100%, dann doch z.B. zu 80% ausschließen kann, ist, ist sie fast schon vernachlässigbar. Insoferne ist dieser Medikamentencocktail schon eine interessante Sache.

presonic
00
14.12.2009, 18:26
Tablette statt Kondom: Eine sinnvolle Option für Paare mit Kinderwunsch, bei denen ein Partner HIV-infiziert ist.

tatsächlich? wie ist das, wenn die frau HIV-träger ist?
die WHO-zahlen sprechen eindeutig dafür, dass weder kondom noch tablette notwendig sind.
ehepaarstudien ergaben nämlich, dass die übertragung vom HIV-tragenden mann zur frau 1 :8000 ist und umgekehrt sogar 1:10000.
könnte es sein, dass sich HIV nicht so einfach übertragen lässt, wie man uns weißmachen will?

Tomse10
00
15.12.2009, 15:30
Hätten Sie auch einen Link zu diesen WHO-Zahlen?

Denn ich glaubte bisher auch immer, dass die Ansteckungsgefahr extrem hoch ist... Danke bereits im Voraus :)

presonic
00
15.12.2009, 20:17

ergänzung: aus diesem buch stammen die zahlen. das kapitel befasst sich wirklich eingehend mit der erstellung dieser zahlen und damit, was davon nach außen gegeben wird.

presonic
00
15.12.2009, 20:16

wenn du genaueres wissen willst zum thema, kann ich dir nur dieses buch hier wärmstens ans herz legen:
James Chin, The AIDS Pandemic the collision of epidemiology with political correctness (January 2007, Radcliffe Publishing, Ltd)
(james chin war jahrelang chef-epidemiologe und damit aids-zuständiger der WHO)

presonic
00
14.12.2009, 18:24

wer sich für das thema ernsthaft interessiert, dem ist folgender film vom HIV-entdecker und nobelpreisträger luc montagnier zu empfehlen.
http://www.youtube.com/watch?v=W... r_embedded

presonic
00
14.12.2009, 18:19

seltsamerweise korreliert die HIV-rate unter thailändischen prostituierten nicht mit der rate sonstiger geschlechtskrankheiten.

10 dag Meinungswurscht - dünn aufschneiden bitte!
 
00
12.12.2009, 18:51
Wichtiger Hinweis der Österr. Apothekerkammer!

Das Verschlucken eines Kondoms schützt nicht vor etwaigen Infektionen ... ;-)

hanslblasta
00
13.12.2009, 05:12
nach erfolgreichem Verschlucken eines Kondoms

ist man(n) aber mit 100% Wahrscheinlichkeit vor einem bald darauffolgenden Geschlechtsverkehr geschützt ;-)

oiso
22
12.12.2009, 14:18

der lasche umgang mit einer 100% tödlichen krankheit erschüttert mich!

oiso
00
12.12.2009, 20:25

viele scheinen nur allzu bereit, das infektionsrisiko und die krankheit auf die leichte schulter zu nehmen und das finde ich sich selbst, aber auch anderen gegenüber trotz therapieverbesserungen hochgradig unverantwortlich.

presonic
00
15.12.2009, 20:24

ganz ehrlich? "andere" sind erwachsen und selber für sich verantwortlich.
bei den zahlen der WHO ist es sowieso höchst unwahrscheinlich, dass HIV durch geschlechtsverkehr übertragbar ist.
was aber nicht gegen das kondom spricht. es gibt zahlreiche geschlechtskrankheiten, vor denen man sich schützen sollte und auch ungewollte schwangerschaften können so verhindert werden.
also in jedem falle 1:0 für das kondom.

the academic cyber sense
20
12.12.2009, 14:58

eine HIV infektion ist inzwischen alles andere als 100% tödlich. wer seine tabletten brav einnimmt hat gute chancen genau so alt zu werden wie ein nicht infizierter.

ich würde daher eine hiv infektion durchaus mit diabetes vergleichen.

World AIDS Day
01
13.12.2009, 12:59
im Prinzip ist Ihre Angabe ok

man schätzt die Lebenserwartung von jemand, der/die sich im Alter von 25 Jahren derzeit mit HIV infizierte, im Mittel auf 65 Jahre; die Lebenserwartiung von HIV-Positiven beträgt also gut um 10 Jahre weniger als bei HIV-Negativen. Das gilt auch nur dann wenn keine wesentliche Ko-erkrankung vorliegt (z.B. Hepatitis C).

Schauen sie bei Pubmed unter Lohse et al. (Ann Intern Med 2007).

Prinzipiell werden aber mit solchen Aussagen Belastungen durch eine chronischer Erkrankung unterschätzt. Die Unterschiede zwischen HIV und anderen chronischen Erkrankungen sind eher kleiner als die Gemeinsamkeiten.

the academic cyber sense
10
14.12.2009, 14:02

chronische erkrankungen sind nie lustig.

ich weigere mich zu akzeptieren, dass HIV kranke besonderen leidensdruck haben und eine "extra" behandlung brauchen.

es ist nicht leicht als hiv infizierter, dass ist mir klar. aber 4x jährlich zu einem spezialisten zu gehen und dort bluttests zu machen und 2x täglich jeweils eine oder zwei tabletten zu schlucken ist nicht schlimm.

hiv ist eine chronische erkrankung wie zb diabetes. ein diabetiker muss sich sogar viel mehr um seine erkrankung kümmern als ein hiv infizierter. 3x täglich BZ messen, entsprechend das insulin dosieren, etwaige unregelmässige speisen einplanen,...

ps: ich arbeite mit genügend hiv/aids patienten, daher erlaube ich mir auch dieses statement

World AIDS Day
00
14.12.2009, 23:39
mit chronischen Erkrankungen

haben Sie sich nicht viel beschäftigt. Würden sie sonst meinen letzten Absatz einfach so ignorieren?
Zugegeben der Reduktionismus auf Lebenserwartung und Medikalisierung von chronischen Erkrankungen ist durchaus Mainstream.

Eine umfassenedere Konzeption zu chronischen Erkrankungen täte Allen gut (Folgen für Beruf und Einkommen, Partnerschaft, Sexualität, Stigmatisierung (nicht auf HIV beschränkt) u.a.. Psychologische Folgen sind berträchtlich, Interessantes dazu können sie bei Susan Sontag "Krankheit als Metapher" nachlesen.

internetsüchtlerin
00
13.12.2009, 12:26

warum ist dann die lebenserwartung von hiv patienten kürzer?

oder sind die paar jahre egal....???

ich denke es ist kein spass hiv-positiv zu sein - allein schon die psychische belastung und täglich einen haufen tabletten zu schlucken - aber es ist jeder selbst für seinen körper verantwortlich

the academic cyber sense
10
14.12.2009, 14:05

hiv patienten haben eine signifikant erhöhtes gefässrisiko (herzinfarkt,...)

die pill load (anzahl der täglichen tabletten) hat in den letzten jahre durch neue medikamente erheblich abgenommen.

es gibt sogar die möglichkeit nur einer einzigen tablette täglich!!!


oiso
01
12.12.2009, 18:49

wie waren die zahlen nochmal und aus welcher studie mit wievielen probanden über wieviel jahrzehnte? oder ist das einfach ihre private einschätzung, die sie uns hier mitteilen?

tom2312
00
12.12.2009, 20:04

Genau diesen Vergleich hab ich schon vor zehn Jahren von Norbert Vetter gehört - und der ist in Sachen HIV sicher eine der Autoritäten hierzulande.

the academic cyber sense
10
12.12.2009, 22:26

einige seiner mitarbeiter sind HIV experten, kollege vetter selber hat nichts mit hivkranken zu tun, ist auch nicht sein spezialgebiet.

tango korrupti
01
13.12.2009, 10:19

er ist Vorsitzender des HIV/AIDS Ausschußes im obersten Sanitätsrat

the academic cyber sense
10
12.12.2009, 19:45

es gibt genügend HIV Patienten die sich in den 80ern infiziert haben, gerade noch bis zur einführung der HAART mit AIDS überlebt haben und seit dem vollkommen normal mit normaler cd4 zahl weiterleben. es ist bei diesen pat. anzunehmen, dass sie die nächsten 20-30 jahre weiterleben ohne opportunistischen infektionen zu bekommen.

aber du hast schon recht, dass es keine kohorten mit 50-80 jähriger beobachtung gibt.

meine meinung deckt sich mit allen führenden experten, daher sollte es kein problem zu sein es zu akzeptieren. du kannst aber gerne dein gegenteiliges wissen posten, nämlich dass HIV 100% tödlich ist.

wwg
01
12.12.2009, 16:29

diabetes ist sexuell nicht uebertragbar. schlechter vergleich.

presonic
00
14.12.2009, 18:17

diabeteskranke können familien haben, brauchen sich nicht vor infektionskrankheiten verstecken, diabetes ist in vielerlei hinsicht nicht vergleichbar.

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