U-Ausschuss geht mit Tumult zu Ende

11. Dezember 2009, 17:41
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    foto: apa/pfarrhofer

    "Abgedreht" und "Was vertuschen Sie" steht auf den Plakaten, die das BZÖ zur letzten Parlamentssitzung 2009 mitgebracht hatte.

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    grafik: apa

Die Schlussbilanz des Vorsitzenden des Spitzel-U-Ausschusses geriet zu einem Spektakel: Die Opposition provozierte, Martin Bartenstein signierte

Wien - In zwanzigfacher Ausführung strahlt sich Martin Bartenstein (ÖVP) plötzlich selbst entgegen - und das auch noch mit einer kasachischen Mütze auf dem Kopf: Als der Vorsitzende des Spitzel-U-Ausschusses am Freitag im Parlament zu seiner Schlussbilanz anhebt, reckt ihm jeder der zwanzig BZÖler jenes mittlerweile legendäre Foto entgegen, das den ehemaligen Wirtschaftsminister in eine Landestracht gehüllt auf Staatsbesuch in Kasachstan zeigt. Dazu prangt auf den selbstgebastelten Schautafeln der Orangen der Schriftzug "Abgedreht!" .

Damit hält die Oppositionspartei Bartenstein vor, in der Causa rund um den früheren kasachischen Botschafter in Österreich, Rakhat Alijew, befangen gewesen zu sein. Bartenstein hat allerdings schon mehrfach betont, dass es bei seinem Trip um die Lieferung von kasachischen Erdgas für die geplante Nabucco-Pipeline gegangen sei.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) setzt dem orangen Spuk jedenfalls ein jähes Ende - sie unterbricht die Sitzung und fordert das BZÖ auf, die Bartenstein-Bilder schleunigst wegzustecken.

Autogrammstunde

Als alles wieder seine Ordnung hat, startet Bartenstein sein Resümee über den gerade einmal drei Monate arbeitenden Spitzel-Ausschuss. "Das war kein Renommierstück des Parlamentarismus" , gesteht der Leiter des Gremiums da ein, und: Bei der Causa Kasachstan hätte er sich selbst die Ladung weiterer Auskunftspersonen gewünscht. In der Angelegenheit Peter Westenthaler wiederum - die Handyrufdaten des BZÖ-Mannes waren trotz dessen Immunität erfasst worden - attestiert Bartenstein der Staatsanwaltschaft "eine überschießende Vorgangsweise" , denn: Die Ankläger hätten den Abgeordneten zumindest als Zeugen befragen müssen.

Ansonsten schlägt sich der Vorsitzende auf die Seite der Koalition. So verteidigt Bartenstein den Verzicht auf Ladungen diverser (Ex-)Regierungsmitglieder: Im Gegensatz zum Eurofighter-Ausschuss "waren wir in diesem Fall nie auch nur ansatzweise bei einem Punkt, wo es um eine Weisung eines Ministers gegangen wäre. Nur weil die Opposition es will, lassen wir uns die Minister nicht vorführen" . Und überhaupt hätte sich Bartenstein im U-Ausschuss "den Verzicht auf persönliche Beleidigungen" und "etwas mehr Respekt" gegenüber Zeugen gewünscht. Spricht's, tritt vom Rednerpult ab - und signiert den Orangen einige Selbstporträts aus den Kasachstan-Tagen mit einem "Herzlichst, Martin Bartenstein" .

Die Opposition schießt sich daraufhin prompt noch einmal auf die Affäre Kasachstan ein. "Pilz, Stadler, Graf! Ich bin stolz, zu diesen Aufklärungszwergen zu gehören!" , dozierte Martin Graf (FPÖ), um sich dann dem "rot-schwarzen Spionage-Sumpf" zuzuwenden. Dazu prophezeit der Dritte Nationalratspräsident in Richtung der Ränge von SPÖ und ÖVP: "Sie werden der Aufklärung trotz des Abdrehens nicht entgehen können!"

Ewald Stadler vom BZÖ wiederum spricht von "aufklärungswürdigen Geldflüssen" . Wie Graf besteht auch Stadler darauf, die Rolle von SPÖ-Pensionistenchef Karl Blecha in der Causa Kasachstan noch näher zu beleuchten. Und dazu gleich die von Ernst Strasser, einst Innenminister, nun Delegationsleiter der Schwarzen in Brüssel. Stadler: "Sie haben beide für Kasachstan gearbeitet!"

Zettelwirtschaft

An dieser Stelle breitet sich wieder Tumult aus, diesmal auf der Besuchergalerie. Studierende, die die Bedingungen an den Unis satt haben, kreischen hinab ins Plenum "Die Demokratie setzt die Bildung des Volkes voraus!" Dazu lassen sie Flugzettel auf die Abgeordneten niederregnen, die Sicherheitsleute haben alle Hände voll zu tun.

Dann stellt auch der Grüne Peter Pilz klar, dass die "Notwehrgemeinschaft" der drei Oppositionsparteien fortgesetzt werde.

Zu guter Letzt ergehen sich die Ausschussmitglieder der Koalition noch in ein wenig Selbstlob. 121 Stunden, 2000 Seiten Protokolle, 21.000 Seiten Akten und Dokumente habe der U-Ausschuss hervorgebracht, rechnet Christine Lapp von der SPÖ vor. Und das alles "ohne Schwärzungen" , ergänzt Werner Amon von der ÖVP stolz.

Die Schlussbilanz des Vorsitzenden des Spitzel-U-Ausschusses geriet zu einem Spektakel: Die Opposition provozierte, Martin Bartenstein signierte, und ein gutes Dutzend Studierende protestierte. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.12.2009)

 


 

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 61
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Provo Kant
10
13.12.2009, 12:15
Tiefpunkt der Demokratur

Der 11.12.2009 wird als Tiefpunkt der Demokratur in Österreich in die Geschichte eingehen. Die Macht liegt nur mehr in den Händen der Parteisekretariate.

mm-10-1
01
12.12.2009, 16:17
kann man alles so zusammenfassen:

ausser spesen,nichts gewesen?

wer redt ist bled
drum tuts ers ned
wer dennoch rein
fällt hinein
bled


Fanny Frey
02
12.12.2009, 15:19
Super übrigens auch Herr Cap! "2. Er hat keinen Hinweis auf Verfehlung von Ministern gegeben."

Nachlese:
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDe... cob=455833

per verser
01
13.12.2009, 12:11

faymann und cap - zwei der fähigsten övp-ler, die die volkspartei je anzubieten hatte.

also dann ...
00
12.12.2009, 14:19
das ösi-parlament

ist längst zu einem ableger der löwiner - bühne...
verkommen.
in D findet wenigstens noch eine sachdiskussion statt - die ösi-parlamentarier sind (zu mindestens 80 %) dafür einfach zu d o o f .

Stan Laurel
02
12.12.2009, 13:11
ÖVP blockierer Partei

Daß eine 26% Partei über alles bestimmen kann, geht mir am meisten auf die Nerven.
Und die SPÖ spielt hier schön brav mit.
Ich hoffe, daß diese beiden Parteien niemals wieder zusammen eine 2/3 Mehrheit haben, denn das würde der Demokratie und den Parlamentarismus noch mehr schaden.

Franzi Sobotka
17
12.12.2009, 11:27
Eine Denkweise wie zu Zeiten der Monarchie, aus Bartensteins Mund protokolliert:

"Nur weil die Opposition es will, lassen wir die Minister nicht vorführen" Danke für die Offenheit!

Höchst an der Zeit, dass die Opposition mit ordentlichen Minderheitsrechten ausgestattet wird, damit wir auch mal in modernen Zeiten ankommen in Österreich.

krankes-kind
00
13.12.2009, 16:56

Ihnen ist der sprachliche Unterschied zwischen "vorladen" und "vorfuehren" bewusst?

per verser
11
13.12.2009, 08:44

es wäre besser, die övp bei den nächsten nationalratswahlen mit einer ordentlichen minderheit auszustatten, ich denke an 8-9%

ich finde keinen namen
01
12.12.2009, 11:03
zirkus maximus - austrikus

ich wart ja nur darauf das ich löwen reinlassen darf

clangi
00
12.12.2009, 09:24
schön langsam glaub ich...

untersuchungsausschüsse sind allesamt eine reine farce, nur um das dumme volk beim glauben zu halten, dass korruption usw. auch bei politikern verfolgt wird!
ist jemals was dabei rausgekommen??

ministry of silly walks
34
12.12.2009, 00:14
Da sagt man immer ...

...Österreich habe zuwenig Akademiker. Ich glaub im Parlament sitzen recht viele ... Man sieht was dabei rauskommt.

Recht ist Auslegungssache
03
12.12.2009, 07:11
Nanana, es gibt auch sehr gute...

...bis ausgezeichnete Akademiker!

Wie "gut" jemand in seinem Job ist - egal ob er jetzt Politiker oder Hilfsarbeiter ist - hängt einzig und allein von seinem Charakter und seiner Einstellung ab.

Und auch der Job ist nicht alles...

ministry of silly walks
00
12.12.2009, 12:48
Da gebe ich ihnen schon Recht...

...aber es gibt halt auch sehr viele, die studieren nur damit sie mit dem Titel angeben können oder weil es die Eltern so wollen und sind eigentlich nur schlecht. Sie kommen dann bei einer Partei unter, wenn sie eh nicht schon drin sind und steigen halt irgendwie auf. So schaut dann unser Parlament aus.

ohromat
18
11.12.2009, 23:44
die schlagzeilen heute:


ROTTWEILER BISS FRAU VIERTEL TOD!

ROGAN DARF WIEDER IN DIE DISKO!

JUSTIZ ERMITTELT - OH WUNDER!

...

(österreich erlebt den größten politischen skandal seit jahrzehnten)

postkastl71
01
11.12.2009, 23:17
um was gehts denn überhaupt noch

mr.bartenstein kümmere dich um deine lannacher sache.....der rest ihr wollt vorbilder sein...ein weiser hat mal gdsagt die menschen schätzen uns weil wir prinzipien über unseren vorteil stellen....hm in walküre ist das wieder aufgewärmt worden.......

che_guevara2
03
11.12.2009, 23:12

herrgott schau oba und schick uns wieder ein paar politiker!

Toerk Hvijed
01
11.12.2009, 20:55

Was für ein Kindergarten. Erschreckend, was Wir uns so ins Parlament wählen. Man müßte Hellseher sein.

Anschauungsunterricht Leben
02
11.12.2009, 19:43

Hätte nicht gedacht, dass mir irgendwann eine Aktion des BZÖ gefallen würde...

tramezzino
00
11.12.2009, 19:54

vor allem, weil die von 2000 bis 2006 ja nie in der regierung waren...

mm-10-1
00
11.12.2009, 19:40
bock=gärtner-----gewesen

Fanny Frey
115
11.12.2009, 18:32
Echt super ist übrigens auch das:

http://www.andreas-unterberger.at/2009/12/f... ender-faz/

Sehr lesenswert!

schmeiser
01
12.12.2009, 12:43

ich les den standard u.a., weil ich auf die äusserungen des herrn unterberger verzichten kann. seien sie so freundlich und unterlassen sie derartige werbepostings.

Stern von Brokot
46
11.12.2009, 19:43
Lächerliche Unterberger Werbung - Pfui Teufel ...

hallo! ich bin's! dein fernseher!
09
11.12.2009, 18:19
eur160 orf-mio, enthalten neben bildungsauftrag doch auch kost und logis(tik)? falls die audimaxisten nicht wissen sollten wohin *g*

ORF-Stadtstudio im Parlament
Der ORF erhielt ein neues Redaktionszentrum in der Wiener Innenstadt, nachdem das bisherige 60-Quadratmeter-Stadtstudio in der Hofburg den Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Im Herbst 2005 ging das Studio in Betrieb. Grund für den Wechsel des Studios von der Hofburg ins Parlament war die Schaffung eines innenpolitischen redaktionellen Zentrums in der Wiener Innenstadt mit einem größeren Platzangebot für Fernsehen und Radio.

Platz bietet das Studio bis zu drei Kameras, einem Regieplatz und Zwillingsschneideraum sowie einem digitalen Schnittplatz. Unverändert bleiben die TV-Kabine und der Regieplatz im Plenum. Die neue Gesamtfläche beträgt knapp 250 Quadratmeter für Fernsehen und Hörfunk, aufgeteilt auf

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