Ronald Pohl

    10. Dezember 2009, 23:34
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    Best of ...

    ...Album:
    EXTRA LIFE
    Secular Works
    (Loaf)
    Ein ehemaliger John-Zorn-Mitstreiter namens Charlie Looker spielt mathematischen Rock: Über erhabenen Riffs, die Robert Fripp geschrieben haben könnte, erzählt der Zarenberater Rasputin "Fairy tales" - immer vorausgesetzt, Rasputin wäre 1917 als blinder Passagier nach New York übergesetzt. Tönende Geometrie für Swans-Fans. Groß.

    ... Newcomer:
    A PLACE TO BURY STRANGERS
    Exploding Head
    (Mute)
    Ein Erbauer von Gitarreneffektgeräten deutet das Erbe der Jesus & Mary Chain neu: Songs werden wie Rösser, die eine Furt durchqueren müssen, durch diverse Hallkammern gejagt. Jesus' Darklands, auf 45 Umdrehungen gespielt: Donner und Doria. Die Götter müssen verrückt sein. Und My Bloody Valentine lieben!

    ... Österreich:
    KREISKY
    Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld
    (Wohnzimmer)
    Die gewöhnliche Mieselsucht ist, so man sie als Produktivkraft zu gebrauchen weiß, ein gut desinfiziertes Werkzeug der Erkenntnis. "... Aber seit du fort bist / ist mein Asthma weg": Wie kann man seiner Ex schöner heimleuchten? Misanthropie, die sich in unwirsche, aber extrem federnde Songattrappen kleidet.

    ... Re-Issue:
    SIOUXSIE AND THE BANSHEES (Universal) Das mittlere Werk ("Hyaena" u. a.) der britischen Goth-Hexe enthält die Quintessenz von Merry Ol' England: Charles Dickens besucht Sid Vicious zum Kaffeeplausch.
    THE FEELIES (Domino) Dieser von Steve Reich beeinflusste, hyperaktive Powerpop des Wahnsinns zeigt, dass Schüler in Pullundern smart sind.

    ... Helden:
    PETER HAMMILL
    Thin Ai
    r (Rough Trade)
    Seine rhetorisch bis zum Zerplatzen gespannten Songs über Death, Doom und Damenwelt sind sperrige Relikte: sparsam instrumentierter Neo-Folk, der von der Hinterlassenschaft des "guten" Progressive Rock zehrt. Dieser Mann sagt, was Sache ist. Dieser Todesbarde nahm die beste Punk-Platte auf, bevor es Punk gab ("Nadir's Big Chance") ...

    ... Absturz:
    JOCHEN DISTELMEYER
    Heavy
    (Columbia)
    Gesetzt den Fall, dieser Hamburger Herrensänger wäre - aus den absehbar falschen Gründen - nicht so unabsehbar beliebt: Wer würde dieser faden instrumentierten Bedenklyrik für bundesdeutsche Jürgen-Trittin-Gedenkwähler überhaupt Gehör schenken? Für Eltern von Integrationskindergärten, die beim Laternenfest Strafdienst schieben.
    (DER STANDARD, Printausgabe, 11.12.2009)

     

    • "Secular Works"
      foto: loaf

      "Secular Works"

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