Ljubisa Tosic

    10. Dezember 2009, 23:02
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    Best of ...

    ... Album
    NIKOLAUS HARNONCOURT
    Porgy & Bess
    (RCA)
    Der Revolutionär der Klangrede wurde unlängst 80. Ungebrochen ist indes sein Appetit auf (für ihn) Ungewohntes. Gershwins große Oper darf man getrost diesem Bereich hinzuzählen, Harnoncourt geht mit für ihn typischer Akribie ans Werk. Dass dies tolle Projekt auch noch auf CD gebannt wurde, ist aber das eigentliche Wunder.

    ... Newcomer:
    SIMONE KERMES
    Lava
    (Sony)
    Natürlich kennt man die Sopranistin. Ihre Auseinandersetzung mit barocken Opern hat sie jedoch auf so hohem Niveau vollzogen, dass man Frau Kermes hervorheben will. Hier gehen Virtuosität und Interpretenintelligenz eine besondere Beziehung ein - ob es nun um Koloraturwahnsinn oder die Ausleuchtung des Melancholischen geht.

    ... Österreich:
    VIENNA ART ORCHESTRA
    Third Dream
    (art-rec/Extraplatte)
    Interessanter Schwenk des VAO: Mathias Rüegg hat den Bandsound in Richtung Klassik mutieren lassen. Entstanden ist leichtfüßige, substanzvolle Kammerorchestermusik einerseits, andererseits auf der (als abstraktes Kunstwerk berückenden) 2-CD-Ausgabe eine Reihe klein besetzter, komplexer Stücke. Bemerkenswert.

    ... Re-Issue:
    BILLIE HOLIDAY
    commodore & decca masters
    (Universal)
    Erinnerung an die große Tragödin des vokalen Jazz: Die 3-CD-Box vermittelt in knisternder Klangqualität Holidays graziös in die Tiefe gehende Traurigkeit, die sich über einen magischen Vokalsound und interpretatorische Eigenheiten (großzügige Glissandi, verschlafene rhythmische Gestaltung) vermittelt.

    ... Helden:
    JOHN SCOFIELD
    Piety Street
    (Emarcy)
    Der gelassenste Gitarrist der letzten 1000 Jahre widmet sich hier jenem gospeligen Repertoire, das ihn seit Kindheitstagen begleitet. Entstanden ist entspannt-hitzige, bluesige Musik, die Scofield mit seinem Minimalismus adelt: Jede Note ein Volltreffer, jede Phrase ein Aphorismus. Und wie unangestrengt das alles daherkommt.

    ... Absturz:
    CARLA BLEY
    Christmas Carols
    (WATT)
    Die gefinkelte Komponistin und witzige Pianistin Carla Bley war immer ein Synonym für raffinierte, kauzige Musikdenke. Leider ist ihr gerade beim Eintauchen in das weihnachtliche Repertoire ein bisschen der Schmäh ausgegangen. Absturz ist ein zu hartes Wort. Aber als Sturz ins allzu Konventionelle muss man das hier schon bezeichnen.
    (DER STANDARD, Printausgabe, 11.12.2009)

     

    • Artikelbild
      foto: rca
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