Wien: Neues Image für alten Porzellanladen

9. Dezember 2009, 19:40
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Neben den Sängerknaben baut kommendes Jahr auch Europas zweitälteste Porzellanmanufaktur um: Augarten soll touristischen Zentrum werden

Wien - "Wir haben ein etwas verstaubtes Ansehen", sagt Claudia Uth und stemmt sich gegen zwei käseradgroße Mühlsteine, die Porzellanscherben zermahlen. Das Pulver wird später in die Masse gemischt, aus der das Augartenporzellan gebrannt wird.

Frau Uth ist Sprecherin der Manufaktur Augarten, der zweitältesten in Europa - nur Meißen ist noch älter. Gegründet wurde sie 1718, seit 1923 wird in einem ehemaligen Jagdschloss im Augarten gedreht, gegossen und gebrannt. Jetzt soll nicht nur das Image erneuert werden, sondern auch das, was vom barocken Schloss übrig ist: 2011 sollen dort ein neues Museum und ein Restaurant eröffnen.

Der Großteil des Gebäudes wurde in den Fünfzigerjahren neu gebaut, nur die Fassade und Teile des Deckenstucks sind noch original. Die denkmalgeschützte Front bleibt unangetastet, im Inneren soll umgebaut werden.

"Der vordere Bereich, wo jetzt die Empfangshalle und der Shop untergebracht sind, wird entkernt, einige Wände werden herausgerissen", erklärt Uth. Dadurch soll die Raumaufteilung wieder so ähnlich werden, wie sie einmal war.

Kern des geplanten Museums wird der alte gemauerte Brennofen, ein Ziegelturm, der das ganze Gebäude durchbohrt. Früher wurde in diesem holzbefeuerten Ofen Porzellan gebrannt. Momentan ist er teilweise eingemauert, im Zuge des Umbaus soll er völlig freigelegt werden. Rund um ihn herum werden etwa 250 Quadratmeter Ausstellungsfläche entstehen. Gezeigt werden sollen Geschirr und Figuren, die Geschichte des Unternehmens und Details zur aufwändigen Herstellung des Porzellans.

Das geplante Restaurant soll etwa 90 Sitzplätze und im Sommer einen Gastgarten bieten. Ein Pächter und Betreiber wird derzeit noch gesucht. "Wienerisch soll es aber auf jeden Fall werden", sagt Uth.

Produktion bleibt im Schloss

Die Produktion wird im Schloss bleiben, allerdings wird sie verkleinert. Gebaut wurde die Anlage für 200 Mitarbeiter, derzeit arbeiten dort nur mehr 25. Sie fertigen pro Jahr etwa 60.000 Teller, Tassen, Schüsseln und Figuren in Handarbeit.

2003 ging das Unternehmen, damals in Staatsbesitz, in Konkurs, bis heute ist es defizitär. Früher waren die Republik oder Firmen die besten Kunden, jetzt soll modernes, schlichtes Design jüngere Kunden ansprechen. 30 Prozent der Produktion sind bereits maßgefertigte Bestellungen.

Der Umbau ist derzeit in der Einreichphase, 2010 sollen die Arbeiten beginnen, im Frühjahr 2011 soll dann eröffnet werden. Auch die Nachbarn haben Pläne: Die Sängerknaben wollen bekanntlich im Bereich des Augartenspitzes einen neuen Konzertsaal bauen. Zusammen mit der neugestalteten Manufaktur, hofft Frau Uht, könnte sich der Augarten dann zu einem touristischen Zentrum entwickeln. (Tobias Müller, DER STANDARD Printausgabe 10.12.2009)

  • In diesem Ofen werden derzeit Teller, Tassen und Figuren gebrannt. Rund um seinen Vorgänger, einen mit Holz befeuerten Ziegelofen, soll das neue Museum der Manufaktur entstehen
    foto: standard/matthias cremer

    In diesem Ofen werden derzeit Teller, Tassen und Figuren gebrannt. Rund um seinen Vorgänger, einen mit Holz befeuerten Ziegelofen, soll das neue Museum der Manufaktur entstehen

  • Die denkmalgeschützte Front soll unangetastet bleiben. Nur im Inneren soll umgebaut werden.
    foto: standard/matthias cremer

    Die denkmalgeschützte Front soll unangetastet bleiben. Nur im Inneren soll umgebaut werden.

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    Gebaut wurde die Manufaktur für 200 Mitarbeiter, derzeit arbeiten dort nur mehr 25. Sie fertigen pro Jahr etwa 60.000 Teller, Tassen, Schüsseln und Figuren in Handarbeit

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