Neue Spitze für Credit Suisse

10. Dezember 2009, 20:03
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Urs Rohner wird ab April 2011 Verwaltungsratspräsident - Übergangslösung - Hürdenläufer am Ziel

Zürich - Wechsel an der Spitze der Credit Suisse: Vizepräsident Urs Rohner steigt im April 2011 zum Präsidenten der Schweizer Großbank auf. Er folgt auf Hans-Ulrich Doerig, der sein Amt dann nach nur zwei Jahren bereits wieder abgibt, wie die CS am Donnerstag bekanntgab. Der 69-jährige Doerig war erst im vergangenen März zum CS- Präsidenten bestimmt worden. Sein Vorgänger Walter Kielholz hatte den Posten aufgegeben, um bei dem in Schwierigkeiten steckenden Rückversicherer Swiss Re als Präsident klar Schiff zu machen.

Unter Doerig hatte die Credit Suisse nach ihrem Rekordverlust im Vorjahr wegen der Finanzkrise wieder auf den Erfolgspfad zurückgefunden und Glanzresultate erzielt. In den ersten neun Monaten dieses Jahres häufte sie wieder einen Reingewinn von 5,9 Mrd. Fr. an, nachdem sie 2008 mit 8,2 Mrd. Fr. noch den schlimmsten Verlust ihrer Geschichte erlitten hatte. Allerdings galt Doerig bereits bei seiner Ernennung zum CS- Präsidenten wegen seines Alters als Übergangslösung. Der 69-Jährige blickt auf eine über 30-jährige Karriere im Dienste der Großbank zurück.

1973 war der Absolvent der Hochschule St. Gallen in die damalige Schweizerische Kreditanstalt (SKA) in Zürich eingestiegen, nachdem er zuvor während fünf Jahren für die US-Großbank J.P. Morgan in New York gearbeitet hatte. 1982 stieg Doerig in die Generaldirektion der SKA auf, welcher er 1996 auch kurz Vorstand. Mit Ellenbogen nach vorne gedrängt hat Doerig sich offenbar nie. Im Gegenteil: In seinem Lebenslauf reiht sich ein Vize-Amt ans andere, zur Nummer 1 wurde er bestenfalls nur für kurze Zeit, wie etwa als er für ein Jahr Präsident der SKA-Generaldirektion war.

Stattdessen stand Doerig oft im Schatten anderer: 1993 etwa wurde Josef Ackermann und nicht er Präsident der SKA, 1996 wurde Lukas Mühlemann Konzernchef der neuen Credit Suisse und 2003 Walter Kielholz Präsident des CS-Verwaltungsrates. Nun folgt auf den Mann, der gemäß eigenem Bekunden gelbe Kravatten liebt und den das Magazin "Bilanz" einst als Edelreservisten bezeichnete, Urs Rohner.

Der 50-Jährige habe wesentlich zum Erfolg der CS beigetragen, schreibt die Credit Suisse. "Der Verwaltungsrat und ich sind überzeugt, dass Kontinuität, Konsistenz und die strukturierte Übergabe von Verantwortlichkeiten entscheidend sind für den Erfolg der Credit Suisse", wird Hans-Ulrich Doerig in einer Aussendung zitiert.

Nun ist Rohner, einst Schweizer Meister im 110 Meter Hürdenlauf, am Ziel. Nach seinem im Eiltempo durchgezogenen Jus-Studium arbeitete Rohner während knapp 16 Jahren als Anwalt in Zürich und New York. Im Jahre 2000 wurde er überraschend Chef des deutschen TV- Senders ProSieben Media in München. Dort setzte er die Fusion mit Sat.1 (APA)

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