"Maddies Eltern" kehren nach Portugal zurück

10. Dezember 2009, 19:27
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Prozess gegen ehemaligen Polizeichef Amaral verschoben - McCanns streben Buchverbot an

London - Zweieinhalb Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden von Madeleine McCann sind ihre Eltern wieder nach Portugal gereist. Kate und Gerry McCann wollten am Freitag in Lissabon am Auftakt des Prozesses gegen den ehemaligen Polizeichef Goncalo Amaral teilnehmen, so ihr Sprecher in London. Nun wurde der Prozess auf den 11. Jänner verschoben, da Amarals Anwalt unter Quarantäne stehe, weil dessen Sekretärin an Schweinegrippe erkrankt ist, teilte das Gericht am Freitag mit. 

Der Prozess wurde von Maddies Eltern angestrengt. Amaral hatte nach dem Verschwinden von Maddie im Mai 2007 die Ermittlungen geleitet und dabei im September 2007 die Eltern zu Verdächtigen erklärt. Einen Monat später wurde ihm der Fall weggenommen, im Juli 2008 erklärten die neuen Ermittler, dass die McCanns nicht länger als Verdächtige gelten.

Buchverbot

Die Eltern von "Maddie" streben ein endgültiges Verbot von Amarals Buch "Die Wahrheit über die Lüge" an. Der inzwischen pensionierte Beamte schreibt in dem Buch, "Maddie" sei tot und die Eltern hätten etwas damit zu tun. Die McCanns hatten im September bereits eine einstweilige Verfügung erwirkt. Nach dem Beschluss eines Zivilgerichts mussten alle Bücher aus Geschäften und Lagern entfernt werden. Von Amaral fordern die McCanns zudem 1,2 Millionen Euro Schadenersatz wegen übler Nachrede und Verleumdung. "Wenn es Leute gibt, die unsere Suche behindern, können wir nicht einfach still halten", hatte Kate McCann damals erklärt.

Amaral hatte wiederholt gesagt, er wolle gegen die Verbote kämpfen. "In Portugal herrscht doch Meinungs- und Informationsfreiheit", sagte er am Freitag zu Journalisten. Vor dem Gericht hatten sich Dutzende versammelt, um gegen ein Verbot des Buches zu protestieren. Einige trugen Plakate mit der Aufschrift "Nie wieder Zensur".

Verschwunden

Madeleine McCann war am 3. Mai 2007 kurz vor ihrem vierten Geburtstag aus der Ferienwohnung ihrer Eltern an der Algarve-Küste im Süden Portugals verschwunden. Unklar ist, ob es sich um eine Entführung handelte. Die Polizei ermittelte zunächst in diese Richtung. Später vertrat sie jedoch die These, "Maddie" sei tot, und erklärte die Eltern zu Verdächtigen. Amaral wurde im Oktober 2007 von dem Fall abgezogen. Im Juli 2008 wurden die Ermittlungen ergebnislos eingestellt.

Bis heute fehlt jede Spur von der kleinen Britin, ihre Familie lässt weiter durch private Ermittler nach ihr suchen. Im November 2009 stellte die britische Polizei ein neues Video ins Internet, das zeigt, wie das britische Mädchen heute aussehen könnte. (APA)

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