Fernwärme verleitet zum Verschwenden

  • Fast 300.000 Wiener beziehen ihre Energie aus Fernwärme, die etwa in der Müllverbrennungsanlage in Spittelau produziert wird. Die Abrechnung der Heizkosten sollte überdacht werden, empfiehlt der Rechnungshof, um die Kunden zum Energiesparen zu bewegen.
    foto: derstandard.at/gedlicka

    Fast 300.000 Wiener beziehen ihre Energie aus Fernwärme, die etwa in der Müllverbrennungsanlage in Spittelau produziert wird. Die Abrechnung der Heizkosten sollte überdacht werden, empfiehlt der Rechnungshof, um die Kunden zum Energiesparen zu bewegen.

Rechnungshof kritisiert hohe Fixkosten für Fernwärme-Kunden: Wer Energie verschwendet, muss selten mit Mehrkosten rechnen - Finanzstadträtin in Bedrängnis

Wien - Mit drei Pullovern in der ungeheizten Wohnung überwintern oder bei offenem Fenster monatelang durchheizen: Für die knapp 300.000 Kunden der Fernwärme macht das kostentechnisch kaum einen Unterschied, meint die Wiener VP, die schon seit längerem das Abrechnungssystem kritisiert. Denn Fernwärme-Rechnungen bestehen großteils aus Fixkosten, oft bis zu 90 Prozent, monieren die Schwarzen, die den Anreiz zum Energiesparen vermissen.

Der nicht-amtsführende VP-Stadtrat Norbert Walter sieht seine Kritik nun durch einen Rechnungshof-Rohbericht bestätigt, der in den bestehenden Verträgen mit den Fernwärme-Kunden "keinen Anreiz für eine energiesparende Beheizung der Wohnung" ortet. Weiters empfiehlt der RH, die Fernwärme solle "Überlegungen hinsichtlich eines energiesparenderen Tarifsystems anstellen" . "Neben dem Energiespargedanken", heißt es im Bericht weiter, sollen auch "die Anliegen der Mieter nach einer überwiegend verbrauchsabhängigen Heizkostenabrechnung (...) berücksichtigt werden." Die zuständige Finanzstadträtin und Vizebürgermeisterin Renate Brauner (SP) sei hier gefordert, meint Walter, "im Sinne des Umweltschutzgedankens auf das Unternehmen einzuwirken" .

Es gebe Überlegungen und Pilotprojekte für neue Tarifmodelle, vor allem für Niedrigenergie- oder Passivhäuser, heißt es dazu seitens der Fernwärme. Grundsätzlich sei man an den "amtlichen Preisbescheid" gebunden, der in der Kompetenz des Landeshauptmanns - also von Michael Häupl (SP) - liegt.

Verstimmung im Rathaus

Auch ein anderer durchgesickerter Rohbericht sorgt für Verstimmung im Rathaus: Mit 390 Millionen Euro an Überschüssen aus Wasser-, Kanal- und Abfallgebühren soll die rote Regierung von 2005 bis 2007 das allgemeine Budget der Stadt querfinanziert haben, anstatt Rücklagen für Investitionen zu bilden, während etwa die für die Wasserwerke zuständige Magistratsabteilung 31 Kredite aufnehmen musste.

In ihrer Stellungnahme verneint die Stadtregierung freilich einen Zusammenhang zwischen den Darlehen und den mangelnden Rücklagen. Außerdem hält man im Büro von Stadträtin Brauner die "zwingende Verwendung" der Überschüsse für Rücklagenbildung für "aus betriebswirtschaftlicher Sicht unzulässig" - genau das empfiehlt aber der Rechnungshof.

"Sehr hohen Erklärungsbedarf" seitens der SP sieht nun der Klubobmann der VP, Matthias Tschirf. Er hat aus den Rechnungsabschlüssen und dem Voranschlag für 2010 errechnet, dass seit 2001 über eine Milliarde Euro an Überschüssen aus Gebühren erwirtschaftet worden sei. (Andrea Heigl, DER STANDARD - Printausgabe, 11. Dezember 2009)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 176
1 2 3 4 5

Meine Wärmekostenabrechnung. Eine der letzten ungelösten Mysterien der Menschheit.

Fernwärme über Kelag geliefert, über Ista verteilt. Da soll sich wer auskennen?

Die Verfehlungen der Stadt Wien, die vom Rechnungshof aufgezeigt werden, häufen sich in letzter Zeit. Dass dies für Häupl und Co kurz vor einem Wahljahr keineswegs positiv ist, liegt wohl auf der Hand. Deswegen fühlen sich die Rathausroten auch so bemüßigt sich in Selbstverteidigung zu üben und mit Füßen und Händen zu wehren. Es ist nur zu hoffen, dass dieser Trend anhält, damit die Leute kapieren, in welcher politischen Bredouille Wien sich befindet.

Najo

Würde die Övp oder gar die Blauzwerge den Laden führen hätt ma schon einen handfesten skandal
ohne schuldigen meinst du lieber VedraloSpiralo
stimmts oder hab ich recht??

Energieverschwendung erschweren ist sinnvoll!

Das zu einem hohen Prozentanteil pauschalierte Verrechnungssystem z.B. durch die Fa. TECHEM verleitet viele Wohnungsmieter -u. Eigentümer zum Energievergeuden.
Fast 2/3 der Heizkosten sind pauschaliert, d.h. sie werden verechnet, selbst wenn die Wohnung leer steht oder nur gering beheizt wird. Nur der geringe Restanteil kann durch ein energiebewustes Heizverhalten beeinflusst werden. Dieses Abrechnungssystem verleitet viele dazu, die Heizung voll aufgedreht zu lassen und wenn es zu warm wird, die Fenster zu öffnen um die Innentemperatur abzusenken.
Ein energiebewußter,eigenverantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen ist also nur dann gewährleistet, wenn jeder für sich bestimmen kann, wieviel er für ein Grad mehr oder weniger ausgeben will.

der rote sumpf in wien gehört endlich weg und die stadt an

haupt (nicht häupl) und gliedern rundum erneuert - bitte endlich weg mit rot!

sie bekommen doch ständig rot,

sie sind sie deshalb so gegen rot?
könnte sie nicht etwas ungustiöser werden,
dann würden sie von ihrem verhassten rot
noch mehr sehen

genau

wiener waehler nehmt euch endlich ein beispiel an niederoesterreich oder nordslowenien. da wird das geld nicht hinausgeschmissen sondern landet zielsicher bei einem amigo.

*schnarch*

Genau, darum erst aufzeigen, wenn in Wien das selbe level errreicht ist...

'Verdunster'

Nun, ich habe 'Verdunster' in meiner Wohnung - und am meisten Bezahle ich fuer einen Heizkoerper der NIE in Betrieb ist, durch's Fenster aber von der Sonne bestrahlt wird ...
Insgesamt haette ich aber trotzdem geren auch private Anbieter - bei der Stromrechnung war der Wechsel ein Minus von rd. 40% (das allermeiste geht nun fuer die 'Leitung' drauf ...)

Super!

Ich hab gleich überall die Heizung aufgedreht, wie ich das gelesen hab.

Als wie wo Sie das gelesen haben...?

^^

keine Heizzähler

In Wien läuft das so, dass große Wohnanlagen mit Fernwärme nicht einmal Heizzähler in den Wohnungen haben.

Denen fehlt jeder Vergleich, ob sie viel oder wenig verbrauchen. Und die Verrechnung ist Daumen mal Pi durch alle Wohnungen, wurscht ob sie Verschwender sind oder Sparefrohs.

und dann sekkieren sie die leute auch noch mit bescheuerten ableseterminen

die, wenn man die arbeitszeit in geld umrechnet mehr kosten als man sich bei der ablesung überhaupt einsparen könnte.

es gibt funkferngesteuerte wasserzähler, als wäre das auch bei der fernwärme möglich - nur ists politisch nicht gewollt, weil ein irres körberlgeld für die roten herausschaut!

so viele unklarheiten - schreit nach einer fernwärmeführung für derstandardleserinnen - oder noch besser: ein journalist gibt sich die und berichtet dann hier wie es technisch/kostenmässig abläuft.

es gibt einige alternativ anbieter für strom!

ich habe mit einem umstieg zu verbund die kosten massiv gesenkt und ich kann auch erkennen dass die abrechnungen etwas mit meinem/unserem verbrauch zu tun haben.
ob verbund "saubere" energie anbietet ist natürlich trotzdem zu hinterfragen.
billiger ist es auf jeden fall!

Kommunismus


Es bedarf keines Rechnungshofes um zu wissen, dass das kommunistische/sozialistische System zur Ressourcenvergeudung* neigt, das war im kommunistischen Moskau vor 25 Jahren auch nicht anders.
*bei gleichzeitiger Mangelversorgung

Kommunistisches Abrechnungssystem

Sehr gut! Die Kritik an den Tarifen für die Fernwärme kann ich nur unterstützen. Mich hat es immer schon maßlos geärgert, dass ich als Energiesparer bei der Jahres-Ablesung der Heizkörper nur auf sehr wenig Stricherln gekommen bin, aber immer fleissig zahlen durfte und mein Sparen sich nur marginal auf die Endabrechnung ausgewirkt hat. Durch die blödsinnigen "Basis"Tarife, die viel zu hoch und so gut wie überhaupt nicht verbrauchsabhängig sind, wird der Verschwendung Tür und Tor geöffnet. V.a. die älteren Mitbewohner drehen die Heizung im Oktober an, bis sie durchlaufend im April wieder abgestellt wird. Der einzige Vorteil für mich bei Raumtemperaturen von mind. 25C unter mir: warmer Fussboden. Dafür zahle ich aber fleissig mit. Nein Danke!

Ich kenn mich ja nicht so gut aus,

aber angenommen ich beziehe Fernwärme und brauche nicht viel davon. Kann die Fernwärme, die ich nicht verbrauche nicht woanders eingesetzt werden? Diese Frage stell ich mir, weil hier in den Kommentaren die Rede davon ist, nicht genutzte Fernwärme sei verlorene Wärme.

Derzeit gibt es einen Fernwärme-Überschuss, andere Poster haben geschrieben dass der in die Luft bzw. in den Donaukanal abgegeben wird (wusste ich nicht). Die Situation würde sich ändern (und damit auch das Preisgefüge), wenn es zu einer Fernwärme-Knappheit käme. Um das zu Erreichen, müsste aber der Strombedarf und damit die Kraftwerksleistung sinken - oder sich wesentlich mehr Nutzer an das Netz anschließen. Mit einem Abdrehen der Heizung erreichen Sie nur, dass der Überschuss steigt.

sie wissen vieles nicht, glauben aber darüber schreiben zu müssen.

von der wienenergie homepage:
Zusätzlichen Energiebedarf decken die gas- und ölbefeuerten Spitzenkessel in den Fernheizwerken Arsenal, Inzersdorf, Kagran, Leopoldau und Spittelau ab.
NIX Überschuss!

Fernwärme ist kein "Abfallprodukt"

sondern Fernwärme wird beim Verbrennen unter anderem von Hausmüll (in Wien Spitelau) erzeugt. Hausmüll brennt aber sehr schlecht, auch da serh feucht. Und dabei muss massiv Heizöl zugegeben werden.

Im Prinzip ist Fernwärme nur eine andere Form von Heizöl.

Hausmüll wird deswegen verbrannt um das Volumen zu reduzieren. Da sonst nicht genug Deponievolumen für Hausmüll vorhanden ist.

Hausmüll brennt nicht schlecht

Hat im Jahresdurchschnitt einen Heizwert wie braunkohle. Ölbrenner hat keiner mehr in Betrieb. Gasbrenner werden zum An- und Abfahren der Anlage verwendet, außerdem muss im Herbst manchmal Stützfeuer gegeben. Kann aber nicht als Öl/Abfallgemisch gesehen werden.

Das andere Problem: man kann nicht nach Weihnachten 1.000.000 t verbrennen und im Sommer die Anlagen abstellen. Das wäre nicht wirtschaftlich, daher kann ich mir nicht vorstellen, dass die Fernwärme die Leistung nach der Fernwärmeleistung regelt.

Das stimmt so nicht. Die Müll/Heizöl-Mischung (hör ich zum ersten mal, aber klingt logisch) wird verbrannt, um Elektrizität zu erzeugen - und den Hausmüll zu reduzieren. Spittelau und Flötzersteig sind Elektrizitätskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung. In diesen E-Kraftwerken - und in allen anderen E-Kraftwerken, wo nur aus Heizöl oder Kohle (oder Biomasse) Strom produziert wird, zB Simmering, Pfaffenau usw. haben einen Nutzungsgrad von ca. 55%. Der Rest ist Abwärme, die sich nicht wirtschaftlich in Strom verwandeln lässt. Ein Teil davon wird als Fernwärme genutzt. Der Rest verpufft.

Egal ob du Strom erzeugst oder nicht...

...es fällt immer Restweärme an.


Posting 1 bis 25 von 176
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.