Der erste flexible Flash-Speicher

10. Dezember 2009, 20:04
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Ein Linzer Physiker ist Mitentwickler der ersten flexiblen, organischen Flash-Speicherfolie

Wien/Linz - Wissenschafter aus Japan, Deutschland und Österreich haben den ersten flexiblen organischen Flash-Speicher entwickelt. Während Solarzellen oder Leuchtdioden durch die Verwendung organischer Halbleiter auf dünnen Plastikfolien bereits gebaut werden können, scheiterte man bei Flash-Speichern bisher. Von der erfolgreichen Konstruktion einer solchen Speicherfolie berichtet nun ein internationales Forschungsteam in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science".

Silizium-basierte Speicher

Flash-Speicher kennt man aus MP3-Playern, Digitalkameras oder Data-Sticks. Mittlerweile können auf diesen silizium-basierten Medien auf relativ kleinem Raum mehrere Gigabyte (GB) gespeichert werden. Dabei bleibt die Information auch ohne Energieversorgung erhalten.

Für verschiedene Anwendungen ist das spröde Silizium allerdings nicht geeignet. Doch bisher gelang es nicht, das für einen Flashspeicher notwendige Dielektrikum - die Isolationsschicht zwischen den Bauelementen des Speichers (Floating Gate, Control Gate) - in der erforderlichen Qualität als dünne Schicht auf eine Plastikfolie aufzubringen. 

Neue Entwicklung

Arbeitsgruppen um Takao Someya (Universität Tokio), Hagen Klauk (Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart) und Siegfried Bauer (Abteilung für Physik der Weichen Materie am Institut für Experimentalphysik der Uni Linz) ist dies nun mit einer sechs Nanometer dünnen Doppelschicht (bestehend aus einer Schicht Aluminiumoxid und einer selbstorganisierenden Monoschicht) gelungen.

Auf einer Folie von fünf mal fünf Zentimeter konnte man 676 Speichereinheiten (memory cells) anordnen, die jeweils ein Bit speichern können. Das ist extrem weit weg von den Speichermöglichkeiten eines silizium-basierten Flashspeichers - micro-SD-Karten bringen es heute durchaus schon auf 16 GB - "und wird es auch immer sein", wie Bauer erklärte. Man wolle auch gar nicht mit Silizium in Konkurrenz treten. Es gehe vielmehr darum, auf einer großen Fläche Speicherelemente dort anzubringen, wo es darauf ankomme. Große Datenmengen seien dafür gar nicht erforderlich, so Bauer.

Mögliche Anwendungen

Als mögliche Anwendungen flexibler Flash-Speicher nennt der Linzer Physiker beispielsweise Folien, die Druckbilder speichern, etwa im Bereich Orthopädie, wo man das Druckbild eines Fußes abspeichern könnte. Auch im Bereich Robotik, wo an großflächigen Sensoren für eine "elektronische Haut" gearbeitet wird, könnten ebenso großflächige flexible Speicher hilfreich sein. Auf Lebensmittel-Verpackungen könnte auf flexiblen Flash-Speichern etwa das Ablaufdatum gespeichert werden. Noch würden die Bauelemente weitere Optimierungen benötigen, "aber das ist ein Gebiet, wo es jetzt so richtig losgehen wird", ist Bauer überzeugt. (APA/red)

  • Die erste Flash-Speicherfolie mit 676 Speichereinheiten
    foto: image courtesy science/aaas

    Die erste Flash-Speicherfolie mit 676 Speichereinheiten

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