"Grün-Weiß ist keine Plattform für braune Idioten"

10. Dezember 2009, 19:16
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Klarstellung des Rapid-Präsidenten zu Gerhard Zeillingers Kommentar "Die Fahne hoch ..."

Ende November war im "Standard" unter der Rubrik "Kommentar der Anderen" ein solcher von Germanist und Historiker Gerhard Zeillinger zu lesen, der ein komplexes Thema aufgriff. Zeillinger zeigte mit persönlichen Erlebnissen soziale Missstände in unserer heutigen Gesellschaft auf, die sich mitunter leider in eine Richtung konzentrieren, die es berechtigterweise zu hinterfragen gilt: Jugendliche, fast noch Kinder, die neo-nazistisches Gedankengut zum Besten geben. Leider aber findet sich in diesem Kommentar auch eine mehrfache Erwähnung des SK Rapid, als dessen Präsident ich nunmehr schon seit 2001 fungiere.

Zu Beginn werden Jugendliche beschrieben, die nachts in Amstetten u.a. "Sieg Heil" singen. Der Autor schließt daraus: "Zuerst dachte ich, das müssen Rapid-Fans sein (...)."

Erneut findet der Autor in der Folge weitere vermeintliche Verbindungen zum SK Rapid, etwa wenn er berichtet von "in Rapid-Kreisen offenbar beliebten Liedern wie: 'Von Favoriten bis nach Auschwitz ziehen alle Juden hin...'" oder die Hypothese behandelt, dass "Nazisprüche" mittlerweile "Teil der 'Jugendkultur'" sind, "da muss man gar nicht erst Rapid-Fan sein (...)."

Als Präsident des SK Rapid wehre ich mich ob dieser ungeheuerlichen Pauschalisierungen von Rapid-Fans in ihrer Gesamtheit. Laut einer Umfrage der Agentur "Sport + Markt" zählt der SK Rapid auf die Unterstützung von rund einer Million Anhänger. Auch in dieser großen Zahl gibt es einige schwarze Schafe. Gegen diese geht der Verein massiv vor. Einzelfälle kann man leider nie ganz ausschließen. Jene, die neo-nazistisches Gedankengut verbreiten und den Fußball dabei als Bühne missbrauchen, gehören aus den Stadien verbannt und müssen auch die strafrechtlichen Konsequenzen tragen. Der SK Rapid hat sich, auch in der jüngsten Vergangenheit, mehrfach gegen diese Elemente ausgesprochen und arbeitet aktiv darin, dass sie kein Stadion mehr von innen sehen.

Nur Einzelfälle

Nun lese ich derlei Pauschalisierungen, die den SK Rapid und seine Fans in ihrer Grundgesamtheit undifferenziert ins national-sozialistische Eck stellen. Zwar wird dies vom Autor nie explizit getan; doch seine subjektiven Erlebnisse und die daraus gezogenen Vermutungen lassen dem Leser kaum einen anderen Schluss zu. Somit wird der SK Rapid in ein Licht gerückt, wo der Klub und seine Fans dezidiert nicht stehen. Weder gibt es faschistisch angehauchte Fangruppierungen bei uns, noch wird das Horst Wessel-Lied in diesen gelehrt.

Auch die Bebilderung des Kommentars (siehe Foto oben) ist zu verurteilen. Hier werden Rapid-Fans gezeigt (grün-weiße Utensilien sind klar zu erkennen!), sodass mithilfe der unmissverständlichen Bildunterschrift noch ein Konnex zu national-sozialistischen Liedern suggeriert wird.

Für Leute, die mit dem SK Rapid nicht so viel zu tun haben, möchte ich deshalb einmal mehr klar sagen: Neo-nazistisches Gedankengut hat bei unserem Verein nichts verloren.

Nützen Idioten den SK Rapid als Plattform für dieses, so ist das zu verurteilen. Es steht aber nie für die Gesamtheit der grün-weißen Fans, sondern für Einzelfälle. Dies ist aber ein Problem, welches es vor allem auch anderswo zu bekämpfen gilt: Nämlich in der Gesellschaft.

Rudolf Edlinger
Präsident des SK Rapid Wien
(DER STANDARD Printausgabe 11.12.2009)

  • Die Redaktion bemühte sich um eine "neutrale" Bebilderung. Rudolf Edlinger sieht das anders: "Grün-weiße Utensilien sind klar zu erkennen."
    foto: standard/newald

    Die Redaktion bemühte sich um eine "neutrale" Bebilderung. Rudolf Edlinger sieht das anders: "Grün-weiße Utensilien sind klar zu erkennen."

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