"Eine einzigartige strategische Chance"

10. Dezember 2009, 19:01
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Noch im Sommer verteidigten Bayern den Kauf der Bank

Wien - Die Dokumente zum Verkauf der Kärntner Hypo an die BayernLB (BLB) im Frühling 2007 zeigen, wie groß das Interesse der BayernLB an der Kärntner Bank damals war - und wie die klammheimlichen Vorbereitungen liefen.

Am 24. April 2007 schickten BLB-Chef Werner Schmidt und sein Vize, Theo Harnischmacher, das "Angebot zum Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an der Hypo von Landesholding und Berlin & Co" ab - und zwar an Berlin-&Co-Gesellschafter Tilo Berlin in Hamburg und Jörg Haider in Klagenfurt.

Die Banker zeigten sich "überzeugt, dass man die Hypo mit der BayernLB zu einem führenden Finanzdienstleister in CEE ausbauen" könne. Die Welt war damals noch besser: Die Bayern empfahlen sich als "langfristig orientierter Investor, der über seine Kapitalstärke und sein Know-how das künftige Wachstum der Hypo sichern und das hierfür notwendige Kapital zur Verfügung stellen" könne.

Keine finanziellen Konsequenzen

Als Kaufpreis bot man 1,6 Mrd. Euro (für 50 Prozent plus eine Aktie) - die gewünschte Barzahlung wurde ausdrücklich zugesagt. Allerdings bedungen sich Schmidt und sein Vize weitere Informationen aus, "weil eine erste Analyse ... bei Problemkrediten und im übrigen Kredit-Portfolio zusätzlichen Risikovorsorgebedarf vermuten lasse" . Und man ging davon aus, dass der damals "noch nicht fertig gestellte Nationalbank-Bericht ... keine negativen finanziellen Konsequenzen für die Bank ergeben" würden. Dem war dann nicht ganz so: Der OeNB-Vor-Ort-Prüfbericht vom 25. Mai listete gravierende Mängel auf - da war der Kaufvertrag aber gerade unterschrieben. Festgehalten wurde am 24. April eine etwaige "Kaufpreisminderung von maximal 100 Mio. Euro" . Die Kärntner hatten den Münchnern Exklusivität für die Verkaufsgespräche zugesichert - aber nur bis 15. Mai. Umso mehr war den "weiteren Gesprächen mit hohem Interesse entgegensehenden" BayernLB-Chefs "bewusst, dass sowohl ein attraktiver Kaufpreis als auch der zeitnahe Abschluss der Gespräche eine entscheidende Rolle für die Verkäufer spielen".

"Keine opportunistische Transaktion"

Auch im heurigen Sommer verteidigten die Bayern den Kauf noch vehement, auch der Aufsichtsrat habe ihn als"einzigartige strategische Chance gewürdigt" . In ihren Anmerkungen zum (inzwischen zurückgezogenen) kritischen "Linner-Bericht zum Hypo-Kauf" weisen die Bayern ausdrücklich darauf hin, dass der Kauf "keine opportunistische Transaktion war" , sondern der damaligen "systemischen Umsetzung der Osteuropastrategie" der Banken entsprach. Andere hätten damals noch viel teurer eingekauft, der Hypo-Kaufpreis habe der "damaligen Marktsituation" entsprochen.

Zwar wurde noch vor dem Kauf Vorsorgebedarf offenbar, aber: "Diese Erkenntnisse flossen in die Kaufpreisverhandlungen ein, bei der allerdings keine Kaufpreisreduzierung durchgesetzt werden konnte. Somit entsprach das finale Verhandlungsergebnis in der Tat einer Nettoerhöhung gegenüber dem unverbindlichen Angebot um 125 Mio. Euro - blieb aber unter der definierten Kaufpreisbandbreite" .

Letztendlich, so die Bayern, sei der Verhandlungsspielraum des Vorstands "eingeschränkt gewesen, und zwar "aufgrund der Drohkulisse einer möglichen Öffnung des Verkaufsprozesses" .(gra, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 11.12.2009)

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