Chef oder nicht Chef

10. Dezember 2009, 19:02
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Der Filmverein MacGuffin zeigt im Grazer Rechbauerkino eine umfassende Werkschau des dänischen Regisseurs Lars von Trier

Für österreichische Freunde des dänischen Regisseurs Lars von Trier lohnt sich in der kommenden Woche eine Reise nach Graz. Hier zeigt der Filmverein MacGuffin im Rechbauerkino die hierzulande bisher umfassendste Retrospektive zum Werks des Mannes, der einer der Mitbegründer des Manifests Dogma 95 war - eines Bekenntnisses zum Realismus im Film, dem von Trier in fast all seinen Spielfilmen treu blieb.

Viele seiner Filme verhalten sich wie ein künstlerischer, begleitender Kommentar zur Biografie des 1956 in Kopenhagen Geborenen, der seit seiner Kindheit immer wieder in Therapie ist. Im Rechbauerkino werden Kinofilme, Kurzfilme und eine TV-Serie gezeigt.

Der einzige Film, der bis 17. Dezember nicht gezeigt wird, ist von Triers jüngster Film, Antichrist (2009). Ihn können die Grazer im KiZ Royal sehen. Dafür erlebt der Film The Boss of It All am 12. 12. seine österreichische Erstaufführung.

Krankenhaus-"Geister"

Die an Brechts Der gute Mensch von Sezuan geschulte Parabel über einen Chef, der nicht Chef spielen will und deswegen einen Boss für seine Mitarbeiter erfindet, auf den er alle Entscheidungen und Verantwortungen schieben kann, für den er aber schließlich einen Schauspieler engagieren muss, fand seinen Weg nie in die österreichischen Kinos.

Auch ein fürs Kino eher ungewöhnliches Format wird in den nächsten Tagen über die Leinwand flimmern: Gleich heute, am Eröffnungstag, wird mit den ersten beiden Episoden der gruselig-trashigen Krankenhaus-Serie Geister (1994 bis 1997) gestartet - in einer noch nie im Fernsehen gezeigten längeren Fassung. Die Folgen drei bis acht laufen am Samstag, Sonntag und Montag, jeweils 21 Uhr.

Hemmungslos geweint werden kann am Dienstag und am Donnerstag: Breaking the Waves (1996), die Kontroversen auslösende Passionsgeschichte einer Frau, die sich bedingungslos für ihre Liebe aufopfert; und die noch aussichtslosere Leidensgeschichte Dancer in the Dark (2000), die angeblich Hauptdarstellerin und Sängerin Björk selbst derartig mitnahm, dass sie nicht nur für mehrere Monate nach Drehschluss in psychologischer Behandlung war, sondern unmittelbar danach nie mehr einen Film machen wollte. (Colette M. Schmidt/ DER STANDARD, Printausgabe, 11.12.2009)

 

 Eyes on Lars von Trier, Rechbauerkino, 8020 Graz, 11.-17. 12.

 

  • Immer wieder in Therapie und sich selbst treu geblieben: der dänische Regisseur Lars von Trier
    foto: christian geisnaes

    Immer wieder in Therapie und sich selbst treu geblieben: der dänische Regisseur Lars von Trier

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