Irene Brickner

Willkommen im 20. Jahrhundert

10. Dezember 2009, 18:54

Eingetragene Partnerschaften als Fortschritt mit unzeitgemäßen Kompromissen

Es tut gut, endlich im 20. Jahrhundert angekommen zu sein - obwohl das 21. Jahrhundert bald auch schon zu einem Zehntel vorüber ist. So kommentieren Teile der Lesben- und Schwulenbewegung den am Donnerstag im Nationalrat erfolgten Beschluss von eingetragenen Partnerschaften für Homosexuelle.

Man kann ihnen nur beipflichten, drückt dieser Spruch doch das Element des Zuspätgekommenseins aus, von dem das neue Rechtsinstitut durchdrungen ist. Und zwar trotz der Fortschritte, die es mit sich bringt und die hier keineswegs geschmälert werden sollen. Immerhin sind dem Beschluss mehr als zwanzig Jahre erregte Diskussionen und letztlich erfolgreiches Lobbying durch Homosexuellengruppen vorangegangen. In einem Staat mit starken konservativ-katholischen Traditionen, die ursprünglich allein der Vorstellung, dass Gleichstellung von derart "sündigem" Verhalten möglich und notwendig sein könnte, krass entgegenstanden.

Daher: Ja, die eingetragene Partnerschaft, durch die es Männer- und Frauenpaaren ab 2010 ermöglichen wird, ihre Beziehung staatlich abzusichern, ist ein wichtiger und richtiger Schritt. Die Änderungen in den 77 Einzelgesetzen, die sie mit sich bringt, stellen diese in weiten Bereichen mit heterosexuellen Ehepaaren gleich - zum Beispiel beim Erben und vor der Sozialversicherung, im Fremdenrecht (binationale Paare) und beim Datenschutz.

Und: Jawohl, Teile der ÖVP sind dafür über ihren weit rechts ausholenden Schatten gesprungen. Für sie, vielfach Bürgermeister kleiner Gemeinden am Land, ist das beachtlich - so beachtlich, wie ihre Furcht vor regenbogenparadenähnlichen Aufläufen am Gemeindeamt (und schlechter Presse danach) übertrieben war.

Festzuhalten aber bleibt, dass die österreichische Homoehe light durch unzeitgemäße Kompromisse erkauft worden ist. Und dass die Gleichstellung zum Teil nur über Umwege möglich wird, die vor geltendem Menschen- und EU-Grundrecht nicht halten werden - ja die, auf diese Vorgaben bezogen, zum Teil sogar zusätzlich diskriminierend wirken können.

Das zeigt sich - Stichwort Umwege - zum Beispiel bei den komplizierten Machinationen rund um die Namensänderung nach einer Eintragung. Zwei Frauen oder zwei Männer dürfen keinen gemeinsamen Familiennamen, sondern nur einen gemeinsamen Nachnamen führen. Eine zivile Namensänderung aber kostet 580 Euro pro Person. Diese von Homosexuellenpaaren zu verlangen, wäre gleichheitswidrig. Also verfiel man auf die "Lösung", eingetragene Partnerschaften mit namensrechtlicher Gebührenbefreiung einhergehen zu lassen. Aber nur, wenn die Befreiung zusammen mit dem Aufgebot beantragt wird. Wer das versäumt: Pech gehabt!

Desgleichen wurde - Stichwort fauler Kompromiss - ein dezidiertes Verbot für Schwule und Lesben, nach dem Tod des Partners für dessen Kinder zu sorgen, nur durch eine Notiz im Erläuterungsteil des Gesetzes umgangen. Ein solches Verbot hätte eingetragene Partner schlechter als nichteingetragene gestellt - grundrechtlich unhaltbar.

Wozu das alles? Weil für die katholische Kirche, den Familienbund und eine Reihe konservativer Politiker zwei Männer und zwei Frauen niemals eine Familie sind, es niemals sein dürfen. Weil sie darauf bestehen, dass die mit Familie einhergehenden Rechte exklusiv jener Mann-Frau-Kind-Einheit erhalten bleibt, die angesichts hoher Scheidungsraten den Lebensstil von immer weniger Staatsbürgern bestimmt. Diese wären Umfragen zufolge mehrheitlich sogar dafür, die Ehe für Homosexuelle zu öffnen. Im Verhältnis dazu wirken die politischen Eliten des Landes ziemlich alt.( Irene Brickner, DER STANDARD, Printausgabe, 11.12.09)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 55
1 2
Topfenbaby
00
23.12.2009, 06:58
Es ist aber nicht nur die kath. Kirche,

der Familienbund und die Reihe konservativer Politiker, die die gesetzlich gleichgestellte gleichgeschlechtliche Beziehung ablehnen, sondern auch die isl. Glaubensgemeinschaft und ähnliche Vereinigungen.

Das wird gerne von Leuten wie Fr. Brickner verschwiegen.

Alphysiker
80
11.12.2009, 15:41

Wahre Fortschritt ware wann die Wissenschaft konnte die Homosexualitaet objetiv diskutieren. Leider heute die Unis sind noch zu 68 dominiert, und diese Thema sind Tabu, wegen die PC Zensur. Aber es gibt in die USA eine Gruppe Psychologen die denken dass die Homosexualitaet ist eine Abnormalitaet. Wann die Wissenschaft konnte auf dieses Thema objektiv diskutieren nur dann konnen die Arzten diese Leute hilfen.

burnhard666
00
11.12.2009, 22:45
wayne interessiert´s, ...

... wenn in den usa eine gruppe von psychologen irgendetwas denken, whatthefuckdoyoumean? ... gibt so schon genug gruppen, die über gebühr einfluss haben auf die gesellschaftlichen entwicklungen ...

mfg,

b.

dahofawors
11
11.12.2009, 17:48
also, bitte wikipedia zu diesem thema lesen

wobei meiner meinung nach hauptursache für homosexualität eine zu dominante mutter und ein fehlender vater ist.

und das gibts in unserem noch großteils patriarchalischem system in allen schattierungen.

dahofawors
00
11.12.2009, 17:51
bei frauen ist das wohl komplizierter

Freedom Fries
 
00
11.12.2009, 17:35

hat dir schon mal wer geholfen? dummheit chauvinismus sind allerdings nur bedingt heilbar. und bei dir scheint's da ja recht weit zu fehlen.

aber hauptsache die eigene unzulänglichkeit durch minderheitenhass kompensieren. rassismus, halt.

ob man die welt von dir heilen kann?

bobo de droite
15
11.12.2009, 15:38
frau brickner

durch ihre unkritische parteinahme für den islam haben sie sich jeglicher legitimation für LGBTs zu sprechen beraubt.

haben sie sich noch nie überlegt, dass, um wirklich teil europas werden zu können, der islam die gleiche kritik ertragen müsse wie der katholizismus ? SIE sind es ja, die ihn als fremdkörper definiert wenn sie jegliche auch noch so berechtigte kritik im namen des minderheitenschutzes ablehnen.

denkens einfach mal ein bisserl nach, frau brickner.

Fürst Metternich
00
11.12.2009, 16:46
Berichtigung

Herr oder Frau bobo,

Es ziehmet sich gut klarzustellen, das mein Posting Herr oder Frau Alphysiker gewidmet war.

Ihr Fürst

Fürst Metternich
01
11.12.2009, 16:20

Mein Guter! / Meine Gute!

Die 68 dominierte Wissenschaft ist Jahrhunderte davon entfernt Wesen wie Ihnen zu helfen.
Selbst zu meiner Zeit war dieses Thema kein Thema mehr - solange die Betroffenen POLITISCH RICHTIG waren.

Linus Tintifax
01
11.12.2009, 15:32
eigentlich lächerlich

wie die konsis und die liebe kirche sich winden, ja nicht zu viel gerechtigkeit walten zu lassen gegenüber jenen die nicht in ihr weltbild passen. eigentlich amüsant, wenn nicht reale personen drunter leiden müssten...

Gamauf
00
11.12.2009, 14:42
Friedrich Engels ...

... hat vor über 100 Jahren über "Familie und Staat" geschrieben. Dort können sich einige "Besserwisser" ja informiern, bevor sie Stumpfsinn von sich geben.

Gamauf
00
11.12.2009, 14:38
"Mag. phil" Kickl (FPÖ) - ein Lotteriegewinn ?

So viel Stumpfsinn, Verdrehungen und falschen Darstellungen wie in der ORF-Liveübertragung über das Schwulen-/Lesben-Gestz seitens der FPÖ habe selten noch gehört.
Herr "Mag.phil" Kickl weiß nicht, dass es Friedrich Engels war, der 1885 über den "Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats" schrieb. Und nicht Adorno, der in "Minimal Moralia" (1951) in einigen Seiten die Institution Familie kritisierte. Des weiteren behauptete er, so wie eine FP-Kollegin, dass der Zweck der Instution Ehe in der Zeugung von Nachkommenschaft bestehe. Ich hoffe für beide, denen ich Heterosexualität unterstelle, dass sie Geschlechtsverkehr NICHT ausschließlich zum Zweck der Zeugung ausüben. Wäre wirklich schlimm für und Sexualtherapie angesagt.

ChristianderGuru
82
11.12.2009, 13:17
Toleranz und Akzeptanz ja, aber es ist meines Erachtens...

...nicht die Aufgabe des Staates und somit der Allgemeinheit gleichgeschlechtliche Paare finanziell zu fördern . Der Gleichheitsgrundsatz sagt ja nicht nur das Gleiches gleich sondern auch Ungleiches ungleich behandelt werden muss. Der Schritt liebenden Menschen keine Hindernisse in den Weg zu legen reicht aus.

Fürst Metternich
10
11.12.2009, 16:24
behandeln

Da bin ich ganz ihrer Meinung! Wen wir (der Staat) wie behandeln, ist ganz und gar unsere Angelegenheit (meine).

_varg
01
11.12.2009, 15:21
Teil dieser Gesellschaft

Als Teil dieser Gesellschaft leisten Homosexuelle Steuern, Sozialversicherungsabgaben etc. und tragen diesen Staat mit. Kein Mensch stellt das in Frage.

Ihre Auffassung, dass homosexuelle Paare finanziell gefördert werden und ungerechtfertigt Privilegien erhalten ist ein schlechter Scherz.

bezahlter kampfposter
05
11.12.2009, 13:50
die frage ist also, was "zu behandeln" ist...

...und da komm ich zum schluss, dass der kern der sache der wunsch und die bereitschaft des oder der einzelnen ist, für andere menschen verantwortung zu übernehmen/mit ihnen diese teilen zu wollen. das betrifft in der folge möglicherweise kinder, aber zuallererst einmal eine zweite, erwachsene person.

glücklicherweise ist im 21. jahrhundert der fortbestand der erbfolge nicht das entscheidende kriterium, um eine ehe einzugehen. es geht um liebe. und diese gibt es unabhängig vom geschlecht der partnerInnen.

die bereitschaft von menschen, miteinander verantwortung für den/die jeweils andereN zu tragen, soll vom staat unterstützt werden. egal, welches geschlecht die beiden haben...

dahofawors
33
11.12.2009, 12:38
Weil für die katholische Kirche, den Familienbund und eine Reihe konservativer Politiker zwei Männer und zwei Frauen niemals eine Familie sind, es niemals sein dürfen

is ja wahr

Skaidi
02
11.12.2009, 12:47
Definition der "Familie"

Was ist "Familie"? Vater-Mutter-Kind(er)? Das genügt? Wohl kaum, denn solche rein äußerlichen "Verwandtschaftsverhältnisse" sagen überhaupt nichts darüber aus, ob und wie "Familie" gelebt wird! Wenn gleichgeschlechtliche Paare Familie leben, dann sind sie eine Familie. Wie bezeichnen Sie ein Elternpaar, das in Streit und Zwietracht lebt und mehr schlecht als recht auf die Kinder schaut? Ist das "Familie"? In meinen Augen nicht.

Alphysiker
60
11.12.2009, 11:47
20 Jahrhundert als gute Beispiel? Ist das ironisch gemeint?

Wahre Fortschritt wurde wann es konnte ein wissenschaftliche Dialog uber Homosexualitaet wirklich geben. Es gibt Psychologen in die USA die sagen dass Homosexualitaet eine Geistkrankheit ist, aber sie sind isoliert weil diese Meinung ist nicht PC (oder genauer gesagt: bestimmte Lobby sind staerker).

G e o r g
00
11.12.2009, 17:40

In den USA (und auch sonstwo) gibt es auch Wissenschaftler, die Kreationisten sind oder glauben, es gäbe keine globale Erwärmung. Du siehst: Idioten gibt es überall, sogar unter Wissenschaftlern.

f l o
 
00
11.12.2009, 15:26

das ist vollkommen absurd. eine krankheit ist definitionsgemäß etwas, das negative auswirkungen für ein individuum hat. homosexualität allerdings ermöglicht ein völlig gesundes beziehungs- und sexualleben, genau wie heterosexualität auch. worin soll also die krankheit bestehen? das ist genauso verrückt als würden Sie rothaarigkeit, oder in salzburg zu wohnen, oder rapid-fan zu sein als krankheit bezeichnen. all

Ar Mutschgerl
02
11.12.2009, 14:47
Oder aber...

diese Meinung ist schlichtweg Unsinn. Dass sich die Vernunft durchsetzt hat mit einer "starken Lobby" wohl nichts zu tun. Trotz einer starken Lobby, den religiösen Fanatikern, haben die Psychologen in aller Welt mittlerweile Position bezogen und Homosexualität wurde aus der Liste der Krankheiten gestrichen.
Verschwörungstheoretiker sind übrigens selbst äußerst anfällig.

Alexander Patjomkin
20
11.12.2009, 11:22
Die "Familie" soll staaltlic ausschliesslich wegen

der Kinderkriegen und Aufziehen gefördert.
Alles andere ist Privatsache.

G e o r g
00
11.12.2009, 17:40

Sicher nicht. Die Absicherung der Partner ist ebenfalls wichtig.

hurchzua
82
11.12.2009, 08:59
Das 20.Jhdt war das Jahrhundert der ideologsichen Irrwege

wobei die meisten und größten dieser Irrwege immer damit begründet wurden, das sei eben die "neue Zeit", der "Fortschritt".

So könnte man auch sagen, dass auch die "eingetragene Partnerschaft" gut ins 20.Jahrhundert passen würde.

Möglich nur, dass man im 21.Jhdt irgendwann wieder vernünftiger wird- vor allem unter dem Druck der Kosten, (Wit* wenpension,Steuerschlupflöcher, Familienn achzug etc...) die dadurch entstehen werden.

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