US-Law School als Modell für österreichische Unis

10. Dezember 2009, 18:52
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Hohe Dropout-Raten und fehlende Finanzmittel im Mittelpunkt der Standard-Diskussion am Wiener Juridicum

Wien - Das Jus-Studium in Österreich ist fest in den Klauen der Uni-Krise: kein Platz, kein Personal, zu hohe Dropout-Quoten. "Look West" lautet das Mantra, das Abhilfe schaffen soll: Vielleicht könnten ausländische Vorbilder die erhoffte Rettung bringen.

Das von Standard-Redakteur Eric Frey moderierte Europagespräch am Juridicum zum Thema "Auswege aus der Uni-Krise" am Mittwochabend stellte genau diese Frage. Der Bogen wurde gespannt zwischen allgemeinen Uni-Problemen und denen an der juridischen Fakultät - Lösungsvorbild war vor allem die Law School in den USA.

Die dortige, von Anwalt Christian Hausmaninger hervorgehobene "wechselseitige Verbindlichkeit" zwischen Studenten und Professoren wünschen sich der Rektor der Uni Wien, Georg Winckler, und der Dekan der juridischen Fakultät, Heinz Mayer, an den österreichischen Unis ebenfalls. Sie könne Dropout-Raten senken und Studiumsmotivation stärken.

Solch eine Verbindlichkeit entsteht in den USA durch zweifache Zugangsbeschränkungen: die hohen Studiengebühren und den Law School Admission Test (LSAT), eine Multiple-Choice Prüfung, der sich angehende Jus-Studenten nach vier Jahren College unterziehen müssen.

Bei der Umsetzung des Vorbilds USA hapert es in Österreich - allein schon wegen fehlender Studiengebühren. Günther Burkert-Dottolo aus dem Wissenschaftsministerium bekräftigte denn auch den "politischen Willen zum freien Hochschulzugang", was Mayer fast als "Bedrohung" auffasste, da die bereits wachsende Studierendenzahl im vergangenen Jahr noch rasanter gestiegen sei, die finanziellen Mittel hingegen seit Jahren gleich bleiben würden.

Dass man die hohe Drop-out-Quote senken muss, darüber waren sich alle einig, nicht aber über das konkrete "Wie". "Wir haben bei der Psychologie eine wechselseitige Verbindlichkeit durch die Aufnahmeprüfung verwirklicht", hob Winckler positiv hervor. Grünen-Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald hält hingegen nicht viel von dem Test: "Er sagt nichts über die Berufsfähigkeit aus."

Auch Mayer äußerte sich gegen eine Knock-Out-Prüfung am Anfang des Studiums. Stattdessen sollte es mehrere Prüfungen über das Jahr verteilt geben. "Da kann dann schon ein Nicht Genügend dabei sein", sagte er. Danach sollte sich aber herauskristallisieren, ob man für das Studium geeignet ist oder nicht. "Einstiegsphasen okay, aber keine Pseudo-Schikanen", blieb Grünewald skeptisch. Er plädierte für eine Gesamt-Schulreform mit einem Orientierungsjahr, das bereits vor der Uni beginnt.

Ein alter Streitpunkt zwischen Mayer und Winckler durfte ebenfalls nicht fehlen: die Bologna-Reform mit ihrer Einführung eines Jus-Bachelors. Mayer wehrt sich seit 2006 gegen die von Winckler gewünschte Reform und bekräftigte seinen Standpunkt mit Hinweis auf fehlende Karrierechancen. (Astrid-Madeleine Schlesier, DER STANDARD, Printausgabe, 11.12.2009)

 

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